„Staging Solo #2“ in Düsseldorf Maria Hassabi: Performance als Link der Künste

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Düsseldorf. Warum ist die Performance das künstlerische Medium der Stunde? Documenta-Künstlerin Maria Hassabi gibt jetzt in Düsseldorf die Antwort. „Staging: Solo #2“ funktioniert als Link disparater Sprachen der Künste.

Manchmal gleiten seine Bewegungen so unmerklich vorüber, dass sie dem aufmerksamen Blick entgehen. Der Performer in dem bunten Patchworkkostüm dreht sacht den Kopf, winkelt den Arm ab, bewegt eine Hand. Blätter, die sich sacht bewegen, Wasser, auf das Wind ein zartes Muster kräuselt - das wären Pendants zu den zarten Bewegungen, die der Performer wie in einer Endlosschleife vollführt. Der Körper des jungen Mannes gleitet durch ein Kompendium der Körperhaltungen. Mal steht er wie ein Standbild, mal ruht er ausgestreckt wie die Skulptur einer liegenden Figur. Mensch oder Kunstwerk, Aktion oder Reglosigkeit? Das ist oft nicht zu unterscheiden. Hier weiterlesen: Was ist eine Performance? Kuratorin Julia Draganovic erklärt das Format.

Auftritt auf der Documenta

Mit ihrem Performanceprogramm sorgte die in New York lebende Künstlerin Maria Hassabi auf der Documenta 14 für Furore. In der Neuen Hauptpost in der Kasseler Nordstadt ließ die Künstlerin ihr Team performen. Nun hat sie das Programm für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf neu eingerichtet. Für „STAGING: Solo #2“ hat Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer die ganze, immerhin 600 Quadratmeter große Grabbe-Halle des Museums vorgesehen. Wo sonst riesige Gemälde von Gerhard Richter hingen, Günter Uecker mit seinen Installationen eine Ausstellungslandschaft gestaltet oder die legendäre Formation „Kraftwerk“ live musiziert hatte, bewegt sich nun im endlosen Loop der Körpergesten ein einzelner Performer. Was für ein Kontrast. Hier weiterlesen: Parcours durch Athen - Performances der Documenta 14.

Kunst und Theater

Und was für ein Statement für die Performance! Die Körperkunst ist längst von der Spartenerscheinung zur zentralen Instanz der zeitgenössischen Kunst avanciert. Wie kein anderes Genre der Kunst funktioniert die Performance als Link, der Kunst und Theater, Körper und Raum, Objekt und Aktion miteinander verbindet. Der Kurator und Theaterleiter Chris Dercon hat gerade für die Eröffnung seiner ersten Spielzeit an der Berliner Volksbühne den Performer Tino Sehgal inszeniert. Anne Imhof rockte 2017 erst mit ihrer stundenlangen Performance „Faust“ im deutschen Pavillon die Binennale von Venedig. Bereits 2010 gestaltet Marina Abramovic, Grande Dame der Performance, mit „The Artist is Present“ im New Yorker Museum of Modern Art das Masterpiece dieser Kunstgattung. Raus aus der Nische, rein in die Starkultur - Performance ist in. Hier weiterlesen: Epochenjahr 1968 - der Studentenprotest und seine Folgen.

Feine Bewegungen

Wer von diesem Status nun für „STAGING: Solo #2“ auf spektakuläre Aktionen schließt, liegt allerdings gründlich daneben. Maria Hassabi hat mit ihren Performern Hristoula Harakas, Niall Jones, Mickey Mahar, Paige Martin, Oisín Monaghan und Nancy Stamatopoulou eine Grammatik feinster Mikrobewegungen einstudiert, die den menschlichen Körper selbst zum Kunstwerk macht. Hassabi versteht den menschlichen Körper selbst als Ausdrucksträger ihrer Kunst und stellt von dieser Richtung aus neue Fragen an die Skulptur. Mit ihren sachten Bewegungen erkunden die Performer einen ganzen Kosmos von Körperzuständen. Der Betrachter wird dabei unweigerlich mit einbezogen. Wer die Ausstellungshalle betritt, befindet sich mit dem Performer auf dem gleichen pinkfarbenen Flauschteppich. Wie er sich auch immer positioniert oder bewegt - der Betrachter wird auf diese Weise wie der Performer selbst mit ausgestellt. Hier weiterlesen: Wie funktioniert die „Gesellschaft der Singularitäten“? Der Soziologe Andreas Reckwitz im Interview.

Vorgang in der Zeit

Mit „STAGING: Solo #2“ expandieren so auf subtile Weise Begriff und Erscheinungsform von Kunst. Alles verdient Aufmerksamkeit, gerade als unwiederbringlicher Vorgang in der Zeit. Körperzustände und ihre Wandlungen verbildlichen Zyklen des Lebens. Hassabis Werk macht vor allem aber deutlich, warum die Performance aktuell so sehr im Fokus steht. Sie ist das Medium, das unterschiedliche Künste wirkungsvoll zu konzertieren vermag. Hassabis Aufführung führt vor, wie sich der Ausstellungsraum in eine Bühne verwandeln und Kunst im Verlauf ständiger Verwandlung von Körpern regelrecht verflüssigen lässt. Kunst wird so allgegenwärtig - als Medium einer Rundumsicht auf die menschliche Existenz. Hier weiterlesen: Von Monroe bis Jagger - wie Fotos und Instagram-Bilder Stars machen.


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