Theatermacher Sewan Latchinian Hamburger Kammerspiele holen Unruhestifter ins Haus

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 27.02.2019, 18:47 Uhr

Er gilt als Kämpfer und Unruhestifter: Sewan Latchinian geht an die Hamburger Kammerspiele. Wird er dort zurechtkommen? Ein Kommentar.

Er hat gegen die Autoritäten der SED-Herrschaft in der DDR aufbegehrt und von seinem Volkstheater aus gegen Kulturpolitiker gewettert: Sewan Latchinian gehört zu den Unbequemen im Lande. Er entspricht nicht dem Typus des glatten Kulturmanagers. Mit ihm saß ein Kämpfer auf dem Rostocker Intendantenstuhl. Im Kampf für sein Theater griff er auch zu verbal groben Mitteln. Sein Vergleich von Kulturpolitikern mit IS-Terroristen war maßlos. Das Volkstheater und die Debatte um seinen Etat war danach in aller Munde. Aber um welchen Preis? H ier weiterlesen: Sewan Latchinian geht an die Hamburger Kammerspiele.

An Sewan Latchinian scheiden sich die Geister. Seine Person steht aber für jenen Widerspruch, den alle Kulturmacher aushalten müssen. Sie müssen wie Künstler fühlen und doch an das Machbare denken. Hier Kreativer, dort Planer: Diese zwei Charaktere müssen sie in eine Person zusammenzwingen. Das erzeugt Spannung. Latchinian hat sie rausgelassen.

Ob die Dinge für ihn in Hamburg besser laufen werden? Die Kammerspiele haben sich einen Unruhestifter ins Haus geholt, der jetzt nicht mehr das ganz große Rad des Intendanten drehen darf. Jetzt muss er Teamarbeit leisten. In dem privaten Theater wird mehr als in öffentlich finanzierten Häusern auf jeden Euro geschaut werden müssen. Das setzt künstlerischen Wünschen Grenzen. Sewan Latchinian muss diesen Druck aushalten. Allein dieses Stück verdient viele interessierte Zuschauer.

s.lueddemann@noz.de