Geheimnisvolle Welt der Düfte und Aromen Heike Koschyk schreibt als Sophie Bonnet Provence-Krimis

Von Tom Bullmann | 05.08.2019, 09:55 Uhr

Ein Parfumeur wird tot aufgefunden und eine Bekannte von Pierre Durand gerät unter Mordverdacht. Das ist der Einstieg zu einem Kriminalroman, der in Frankreich spielt – aber von einer deutschen Autorin geschrieben wurde. Gerade erschien mit „Provenzalischer Rosenkrieg“ der sechste Teil der Reihe mit Fällen des französischen Polizisten Pierre Durand.

Beim Lesen läuft einem das Wasser im Mund zusammen: “Du musst unbedingt die légumes farcis probieren: erntefrisches Gemüse aus dem Luberon mit einer pikanten Hackfleischfüllung. Und erst die Sauce!“ Begeistert küsst Pierre Durand Daumen und Zeigefinger. Gerade sitzt er im Chez Albert, einem Restaurant in dem idyllischen Städtchen Sainte-Valérie, und empfiehlt der Freundin seiner Lebensgefährtin dieses einfache, aber offenbar sehr schmackhafte Gericht. Und es ist nicht der einzige Leckerbissen, den der ehemalige Pariser Kommissar auf den folgenden Seiten genießerisch zu sich nimmt, denn Pierre Durand ist ein Feinschmecker. Und er ist die Schlüsselfigur einer Krimiserie, die in der Provence spielt.

Mittlerweile wundert es kaum noch jemanden: Die Autorin der Serie ist eine deutsche Schriftstellerin, die ihre Handlungen in eine malerische Ferienregion verlegt; so wie die Amerikanerin Donna Leon, die ihren Commissario Brunetti in Venedig auf Verbrecherjagd gehen lässt oder Jean-Luc Bannalec, dessen Kommissar Dupin in der Bretagne ermittelt. Alle genannten Protagonisten haben etwas gemeinsam: Sie sind Gourmets, die sich liebend gern von den Spezialitäten der Region verwöhnen lassen.

Sophie Bonnet heißt die Autorin der Krimiserie rund um Pierre Durand, der sich von Paris in die Provence versetzen ließ, weil ihm die bürokratischen Erwartungen an einen Kriminalbeamten gegen den Strich gingen und er daher lieber in einem abgelegenen Städtchen in der Provinz den Job eines Dorfpolizisten erledigt. Trotzdem bekommt er es immer wieder mit Mord und Todschlag zu tun. Im aktuellen, gerade erschienenen Fall, es ist der sechste und trägt den Titel „Provenzalischer Rosenkrieg“, gerät die Freundin seiner Lebensgefährtin unter Mordverdacht. Sie baut im großen Stil Rosen an, die sie als Rohstoff an Dufthersteller in der berühmten Parfumstadt Grasse liefert. Und so taucht der Leser tief in die geheimnisvolle Welt der Düfte und Aromen ein. Beispielsweise erfährt er, dass, im Gegensatz zu früher, heutzutage jede Duftnote synthetisch hergestellt werden kann. Und dass die einstmals schöne und stolze Stadt Grasse langsam vor die Hunde zu gehen scheint.

„Mir ist der Verfall, den ich kürzlich in Grasse beobachtet habe, an die Nieren gegangen. Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal dort war, habe ich noch eine frisch getünchte, bunte Stadt erlebt“, erzählt Heike Koschyk, die sich hinter dem Pseudonym Sophie Bonnet versteckt. Die 1967 in New York geborene, deutsche Autorin lebt mit ihrer Familie in Hamburg und liebt seit den 1990er Jahren diesen ganz besonderen, Landstrich. „Ich war einer von denen, die sich von dem Reisebericht „Mein Jahr in der Provence“ von Peter Mayle animiert fühlten, diese unglaublich schöne, abwechslungsreiche französische Region zu erkunden“ sagt Koschyk. Damals wurde sie mit dem Provence-Virus infiziert, machte dann ihre Faszination zum Beruf. „Leider kann ich nie lange zum Recherchieren nach Frankreich fahren, weil ich schulpflichtige Kinder habe. Aber oft fahre ich zunächst allein, dann kommt die Familie nach. Der Effekt ist: Alle Familienmitglieder schlemmen gerne“, so Koschyk.

Im Gegensatz zu ihrem Kollegen Jean Luc Bannalec, der als erster deutscher Autor mit seinem bretonischen Kommissar einen Trend setzte, verheimlicht Bonnet ihre wahre Identität nicht. Und es gibt noch einen markanten Unterschied: Während Dupin an realen Orten in der Bretagne ermittelt, lebt Koschyks Durand in einem fiktiven Städtchen. „Ich habe Sainte-Valérie konstruiert. Es liegt auf einem Berg zwischen den tatsächlich existierenden Orten L´Isle-sur-la-Sorge und Gordes“, so Koschyk. Dort also lebt dieser Pierre Durand, bei dem der Leser mit jedem neuen Fall neue Facetten entdecken kann: „So, wie ich die Welt immer neu wahrnehme, weil alles im Fluss ist, entwickelt sich automatisch der Charakter meines Protagonisten. Was er aber immer bliebt: Er versucht, die Waage zu halten, reagiert niemals hysterisch und schaut sich Dinge erst einmal aus allen Perspektiven an, um sie verstehen zu können.“ Und so versucht er auch, Verständnis für seinen Dienstherren, den Bürgermeister des Städtchens, aufzubringen, der ihm das Leben schwer macht.