Kindernews zum Hören Warum die Orgel wie ein ganzes Orchester klingt

Von Doreen Garud/dpa | 07.04.2022, 13:36 Uhr

In der Weihnachtszeit besuchen viele Familien eine Kirche. Singen sie dort, erklingt dazu oft die Orgel. Damit dieses riesige Instrument Töne von sich gibt, sind jede Menge Tasten, Knäufe und Rohre nötig.

Wenn Peter Schnur in die Tasten haut und auf die Pedale tritt, erklingt die ganze Kirche. Egal, wo man in dem großen Gebäude steht: Die Töne der Orgel dringen in jede Ecke der Samariterkirche in der Hauptstadt Berlin. Das ist kein Wunder, denn die Orgel ist auch ein besonders imposantes Instrument. Sie ist so lang und breit wie ein Zimmer und zwei Stockwerke hoch.

Was bei der Orgel die Töne erzeugt, sind die Orgelpfeifen. Etwa 1500 davon hat die Orgel in der Samariterkirche. So genau weiß das der Kantor Peter Schnur gar nicht, es sind einfach zu viele. Einige sind aus Metall, andere aus Holz. Bei manchen wird der Ton auf einem Metallstück erzeugt, das kürzer ist als eine Penne-Nudel. Andere Orgelpfeifen sind größer als Basketball-Spieler. „Je größer die Pfeife, desto tiefer der Ton“, erklärt Herr Schnur.

Die Pfeifen stehen in Reihen. „Jede Pfeifenreihe ist wie ein Instrument“, sagt Herr Schnur. Die haben auch Namen: Blockflöte, Trompete, Nachthorn oder Bassflöte zum Beispiel, aber auch Prinzipal oder Hölzernes Gelächter. Um eine Reihe zum Klingen zu bringen, zieht Herr Schnur am Spielschrank neben der Tastatur an einem Knauf. So eine Pfeifenreihe nennt man Register. Je mehr Register er zieht, desto lauter wird es.

Weil es so viele Register gibt, wird eine Orgel oft mit einem ganzen Orchester verglichen. Sie kann quasi zehn oder auch mal 50 Instrumente gleichzeitig spielen. Wie viele, hängt von der Orgel ab. Die größten Orgeln haben mehr als 100 Register.

Doch die Register und Tasten sind nicht alles. Auch mit den Füßen auf den Pedalen erzeugt Herr Schnur zusätzliche Töne. Ganz schön kompliziert! Denn er muss dafür sorgen, dass die Tonlagen alle zusammenpassen. „Das ist das Schwierige: Aus dieser Riesenmaschine mit viel Gefühl einen stimmigen Klang rauszubekommen“, sagt er. „Nicht immer gelingt das. Manchmal klingt es auch schrullig, behäbig, schreiend oder starr.“

Um zu verstehen, wie die Orgel wirklich funktioniert, muss man hinter sie gehen. Dort läuft eine elektrisch betriebene Windmaschine. Die pustet über einen Kanal Luft in die Orgel. Über jede Menge Rohre wird der Wind im Instrument so verteilt, dass er unter jeder Pfeife ankommt. Zieht Herr Schnur nun ein Register und drückt eine Taste, gehen die vorher verschlossenen Löcher auf. Dann strömt der Wind in die Pfeife und erzeugt einen Ton.

„Jede Orgel ist einzigartig“, sagt Peter Schnur. Die Orgelbauer passen ihre Instrumente meist genau an die Kirche an. Einige Orgeln wie die in der Samariterkirche haben zwei Tastaturen, andere drei oder gar sieben. Wenn ein Organist also Notenblätter bekommt, muss er erstmal überlegen, wie er das auf dieser speziellen Orgel spielen kann. dpa