Als Krisenfotografin unterwegs Julia Leeb macht Bilder von Menschen in Not

Von dpa | 12.10.2022, 11:32 Uhr

Julia Leeb ist Krisenfotografin. Sie reist für ihre Fotos in die entlegensten Ecken dieser Welt. Mit ihren Bildern möchte sie Menschen zeigen, deren Alltag in den normalen Nachrichten kaum Platz finden. Ihre oft wochenlangen Reisen sind meist gefährlich.

Im Regal ihrer Eltern steht ein Buch mit Bildern von den nubischen Bergen. Die liegen im heutigen Sudan am Rande der Sahara. Das ist Afrikas größter Wüste. In diesem Buch blätterte Julia Leeb als Kind oft. Die Farben der Natur, die Menschen: Alles darin zog sie magisch an.

Inzwischen ist Frau Leeb erwachsen und Fotografin. Sie ist auf der ganzen Welt unterwegs. Vor allem dort, wo Konflikte und Kriege herrschen.

Eine Reise in die nubischen Berge

In solche Gegenden zu kommen ist gar nicht leicht. Man kann nicht einfach eine Reise in die nubischen Berge buchen. „In dieser Gegend gibt es immer wieder Raketenangriffe auf die Einheimischen. Einen offiziellen Flughafen oder eine Bahnstrecke gibt es auch nicht“, erklärt Julia Leeb. Abschrecken lässt sich die Frau davon aber nicht. Das Leben der Menschen dort interessiert sie sehr.

Mit einem leichten Rucksack und ihrer Kamera machte sich Julia Leeb auf den Weg. Wegen der Kämpfe reiste sie zuerst in das Nachbarland, den Südsudan. Von dort brachte sie ein Transportflugzeug mit Medikamenten in die nubischen Berge. Julia Leeb machte dort Fotos von den Menschen, der wunderschönen Natur und dem Alltag im Bürgerkrieg.

Dahin, wo keine anderen Journalisten waren

Diese Reise ist typisch für die Fotografin. Die entlegensten Orte dieser Erde ziehen sie an. „Wo alle anderen Journalisten schon waren, muss ich nicht mehr hin. Mich interessieren die Geschichten von Menschen, die eben nicht in den Nachrichten vorkommen“, sagt Julia Leeb.

Besonders häufig ist sie in Afrika und im Nahen Osten unterwegs. Sie hat schon in den Ländern Kongo, Syrien, Libyen oder Somalia gelebt, oft für Monate.

Mit den Menschen in Kontakt kommen

Auf ihren Reisen schließt Julia Leeb Freundschaften und hört sich viele Geschichten an. Ihre Kamera hält sie versteckt. Oft trägt sie auch die landestypische, weite Kleidung und ein Kopftuch mit Schleier, um möglichst unerkannt zu bleiben. So kann sie sich freier bewegen und kommt leichter mit den Menschen in Kontakt.

Sicher unterwegs sein

Nicht aufzufallen ist außerdem sicherer. Nicht jeder ist mit der Arbeit der Fotografin einverstanden. „Nicht immer werde ich offen bedroht. Viele Gefahren sind auch eher unsichtbar“, erklärt Julia Leeb.

In Libyen überlebte sie nur knapp einen Raketenangriff. In Ägypten wurde sie fast entführt. „Ich versuche so vorsichtig wie möglich zu sein. Ich lasse mich aber auch von Warnungen nicht abschrecken. Oft sieht es vor Ort ganz anders aus“, sagt sie. Dafür seien ihr die Geschichten zu wichtig.

Viel stärker als die Angst um das eigene Leben sind die oft bedrückenden Bilder, die sie auf ihren Reisen macht. Trotzdem bricht Julia Leeb immer wieder auf. Sonst würden ihre Geschichten nicht erzählt werden, befürchtet sie.

Wenn Bilder zur Belastung werden

Mehr Informationen:

Im Fernsehen, Radio oder in der Zeitung sind Kriege und Gewalt wichtige Themen. Allerdings können uns zu viele schlechte Nachrichten auch Angst machen. Vor allem dann, wenn die Verbrechen oder sogar Kriege in unserer Nähe geschehen.

Oft hilft es, wenn man die Nachrichten im Fernsehen nicht allein ansieht, sondern vielleicht gemeinsam mit den Eltern. So kann man danach über seine Ängste und Sorgen reden. Bevor einem die Nachrichten zu viel werden, sollte man den Fernseher abschalten oder das Smartphone weglegen.

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