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Sternzeichen Wassermann Der Toyota Mirai fährt mit Wasserstoff


Hamburg. Ich gebe Gas, gewaltige 335 Newtonmeter Drehmoment wirken vom kleinsten Pedaldruck an voll auf die Vorderräder. Fast lautlos geht sie los, meine erste Fahrt in einem Brennstoffzellen-Auto. Vieles wirkt vertraut, wenn man schon mal ein reines Elektroauto gefahren ist. Vor allem die Stille und der vehemente Antritt, ohne dass der Motor erst auf Drehzahl kommen müsste. Doch die Quelle der in Volt messbaren Antriebskraft ist neu: Der Strom für den 154 PS starken Elektromotor unter der Fronthaube entsteht in einer Brennstoffzelle unter den Vordersitzen. Und die wiederum speist sich aus zwei Wasserstofftanks. Der Wasserstoff reagiert in der Brennstoffzelle mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft, so entsteht laufend Antriebsenergie.

Die Angabe „7 l/100 km“ klingt vertraut: Nicht besonders sparsam, aber je nach Fahrzeug auch kein hoher Verbrauch. Doch hier geht es nicht um Verbrauch: Der Toyota Mirai, das erste rein für Brennstoffzellen-Antrieb konstruierte Serienauto der Welt, nutzt Wasserstoff an Bord zur Erzeugung von Strom für einen Elektromotor. Einziges Abfallprodukt, wenn Wasserstoff und Luftsauerstoff miteinander reagieren, ist Wasser – eben jene rund sieben Liter, die der Mirai pro 100 km über eine auspuffartige Öffnung am hinteren Unterboden ausstößt. Das tut er entweder selbstständig und allmählich oder auf Kommando des Fahrers per Tastendruck.

Mit der Brennstoffzelle als Mini-Kraftwerk an Bord kommt man immerhin 550 km weit, und das Auftanken der Wasserstofftanks ist in drei bis fünf Minuten erledigt. Einziger Haken an dieser möglichen Zukunft unserer Mobilität: Aktuell gibt es nur rund 20 Tankstellen in Deutschland. Aber die Prognosen klingen zumindest für eine allmähliche Verbreitung solcher Autos vielversprechend: Laut Dirk Breuer von Toyota Deutschland soll die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen bis Ende 2016 auf 50 steigen. Bis 2023 schließlich laute das Ziel 400 Tankstellen.

Etwa 9,50 Euro kostet das Kilogramm Wasserstoff, wovon die Tanks im Toyota Mirai fünf Kilo aufnehmen. So kommt man mit sehr günstigen 7,22 Euro 100 km weit. Aber um „günstig“ darf es beim Brennstoffzellen-Auto nicht wirklich gehen: Der Toyota Mirai kostet in Deutschland als 4,89 m lange, viersitzige Limousine stolze 78600 Euro oder im Leasing samt Versicherung 1219 Euro pro Monat.

Die fortschrittliche Brennstoffzellen-Technologie unterm Blechkleid soll sofort erkennbar sein – das funktioniert unstrittig. Bei den Testfahrten rund um Hamburg ist er für die Insassen auch hörbar: Mit nur 69 dB Geräuschentwicklung ist der Mirai zwar ein wahrer Leisetreter. Umso mehr fällt aber im stillen Cockpit auf, dass die Brennstoffzelle ihre Arbeit lastabhängig mit einem leichten Surren untermalt. Dieses Geräusch ist zwar nicht störend, aber im Unterschied etwa zu reinen Elektroautos doch bemerkbar.

Nach einer dreistündigen Schleife durch den Hamburger Berufsverkehr und über Landstraßen erweist sich das Brennstoffzellen-Auto als absolut alltagstauglich. Der Fahrkomfort ist gut, die Antriebspower beeindruckend. Wer eine Tankmöglichkeit in der Nähe hat, kann getrost auf Wasserstoff setzen. Das werden zunächst vor allem Umweltpioniere sein oder Unternehmen und Behörden. Doch langfristig wird es spannend: Vom Mirai baut Toyota zwar zunächst nur jährlich 2000 Exemplare, aber 2020 sollen es jährlich bereits 30000 sein.


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