Ihr regionaler Kfz-Markt

Acht Sitze und endlos Platz Im Ford Tourneo Custom werden Räume wahr

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Als Taxi, VIP-Shuttle, rollendes Großraumbüro oder einfach als geräumiges Fahrzeug für die vielköpfige Familie – Bedarf für Raumwagen gibt es trotz des Trends zu weniger kinderreichen Familien immer noch genügend. Wer besonders viel Platz beansprucht, wird früher oder später auch den Ford Tourneo Custom in Augenschein nehmen. Im Test: die Variante mit langem Radstand und 155-PS-Diesel.

Gucken

Der Tourneo Custom – früher lief diese Modellreihe unter der Bezeichnung Transit, die heute aber den reinen Nutzfahrzeugen vorbehalten ist – verbirgt mit einer sportlich gezeichneten Front seine Transportergene. Zwei seitliche Schiebetüren und eine große Heckklappe sorgen für bequeme Einstiegs- und Beladungsmöglichkeiten.

Fühlen

Wer in den 70er- oder 80er-Jahren mit einem Ford Transit gefahren ist, der wird staunen, wie sehr sich der Innenraum verändert hat. Lederpolster (Teil des „Sitz-Pakets 35“, 460 Euro netto), Rückfahrkamera („Sicht-Paket Premium, 700 Euro), Navigationssystem (1085 Euro), Sitzheizung vorne, getrennt einstellbare Klimaanlage für die vorderen und hinteren Sitze – das hat deutlich mehr Charme als die raubeinigen und oftmals schludrig verarbeiteten Modelle der früheren Generationen, die manchen Handwerksmeister an den Rand des Wahnsinns brachten.

Im Vergleich zu anderen Ford-Vans wie Galaxy oder S-Max merkt man dem Tourneo Custom dennoch seine Nutzfahrzeug-Verwandtschaft an; das großflächig verlegte Hartplastik wirkt ein wenig trist. Dafür bietet der Kölner Kastenwagen eines: Platz im Überfluss. Drei vollwertige Sitzreihen mit acht Plätzen erlauben vielfältige Konfigurationen. Das Umklappen und Verschieben der Sitze, die in Reihe zwei und drei jeweils als Einzel- und Doppelsitz angelegt sind, klappt problemlos, das Ausbauen ist allerdings nichts für Fitnessstudio-Verweigerer. Ein Einzelsitz wiegt schon über 30 Kilogramm, ein Doppelsitz sogar mehr als 50 Kilo.

Selbst bei voller Bestuhlung schluckt der Kofferraum über 2000 Liter. Wer die Sitze der hinteren Reihen aus dem Fahrzeug gewuchtet hat, kann insgesamt 6336 Liter ins Auto hineinpacken – wenn ihm nicht zwischenzeitig die Puste ausgeht oder die Arme lahm werden. Hier werden Räume wahr. Wer Beine statt Steine transportieren will, hat ebenfalls wenig Sorgen. Die Sitze sind bequem, teilweise mit Armlehnen ausgestattet, und dank der konsequenten Kastenwagen-Linienführung sitzt es sich in Reihe drei genauso gut wie in Reihe zwei – was üppige Bein- und Kopffreiheit bedeutet.

Doch nicht nur die schiere Größe überzeugt, auch die vielen Ablagemöglichkeiten für Smartphone oder Getränke wissen zu gefallen.

Fahren

Unter der Haube des Test-Tourneos steckte der 2,2-Liter-Topdiesel mit 155 PS – der mit den maximal 3000 Kilo Gewicht ganz ordentlich zu kämpfen hatte. Weniger PS sollten es nicht sein, denn schon hier muss fleißig geschaltet werden, um den rauen Diesel einigermaßen auf Touren zu halten. Wer sich traut, die Tachonadel des deutlich über fünf Meter langen und windanfälligen Transporters in Regionen jenseits der 140 zu treiben, der wird nicht nur ordentlich durchgeschüttelt, der muss auch mit rasant steigenden Windgeräuschen leben.

Im unbeladenen Zustand neigt der Tourneo zum Poltern, schwingt auf langen Wellen deutlich nach. Mit steigender Personenanzahl oder Gepäck an Bord stabilisiert sich das Fahrverhalten jedoch.

Staunen

Zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist so viel Platz, dass man dazwischen eine Kühlbox platzieren kann – und dank der 230-Volt-Steckdose (85 Euro) kann man zur besseren Box-Variante mit Lademöglichkeit zur dauerhaften Kühlung greifen.

Ärgern

Klar: Raum braucht Platz. Mit 5,34 Meter Länge hat man es im engen Stadtverkehr oder auf Supermarktparkplätzen nicht einfach.

Kaufen

Die ordentlich ausgestattete Titanium-Variante startet bei netto 38350 Euro; mit einigen Extras und Paketen lag der Testwagenpreis bei 42010 Euro – mit viel Mehrwert, aber noch ohne Mehrwertsteuer.