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Kompakt-Van im Test BMW 218i Active Tourer: Auf die tabulose Tour

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Osnabrück. BMW baut einen Van? Oha. Mit Drei-Zylinder-Motor? Unglaublich. Und Frontantrieb? Spätestens an dieser Stelle wäre noch vor wenigen Jahren klar gewesen: Es folgt ein Ausflug ins Reich der Märchen. Im Jahr 2015 ist die neue Dreifaltigkeit Van – Dreizylinder – Fronttriebler Realität geworden. Der 218i Active Tourer beweist: Es gibt keinerlei Tabus mehr bei BMW.

Gucken

Auch wenn Modelle wie die B-Klasse von Mercedes oder der Sportsvan von VW Pate standen: Die BMW-Gene sind beim Design durchaus noch zu erkennen. Wenngleich man sich an einen Van – dieses Wort will BMW allerdings um jeden Preis vermeiden – mit dem weiß-blauen Logo über der Frontniere erst noch gewöhnen muss.

Fühlen

Im Innenraum fällt zunächst einmal das luftige Raumgefühl auf – typisch Van eben, auch wenn man das in München nicht hören will. Auch die hohe Sitzposition und der bequeme Ein- und Ausstieg sind eben nicht typisch BMW, sondern typisch für das Segment.

Hinten haben Erwachsene auch dann ordentlich Platz, wenn die vorderen Sitze weit zurückgefahren wurden, und der Kofferraum nimmt mit mindestens 468 und maximal 1510 Litern reichlich Gepäck auf. Unter dem etwas unpraktisch zu handhabenden Kofferraumboden befindet sich neben einem Extra-Staufach nur ein Reifenpannenset.

Der Gurt für den Mittelsitz der zweiten Reihe befindet sich im Dach – das ist nicht praktisch für denjenigen, der dort Platz nimmt, noch weniger praktisch ist es, wenn die Rücksitzbank umgeklappt werden soll: Der Gurt muss dann erst umständlich aus dem zusätzlichen Gurtschloss gelöst und am Himmel arretiert werden.

Serienmäßig an Bord sind ein großer Farbbildschirm sowie das iDrive-Bediensystem mit Dreh-/Drückknopf, das hier allerdings ein wenig eingepfercht neben dem Schalthebel angebracht und nur schwer einsehbar ist. Ebenso wie die Eco-Anzeige, die vom Lenkrad verdeckt wird.

Fahren

Dass unter der Haube des 218i Active Tourer ein Dreizylinder arbeitet, nimmt man erst wahr, wenn man aufmerksam hinhört. Wer nebenbei Musik hört oder sich unterhält, der blendet den nur unterschwellig vorhandenen, bauartbedingten raueren Lauf aus. In puncto Fahrleistungen gibt sich der 1.5er tadellos: Aus nahezu jeder Drehzahllage nimmt er willig Gas an; akustisch richtig präsent wird er nur, wenn man ihn in Richtung roten Bereich treibt.

Dass der Active Tourer bei gleichem Motor wie im Mini Cooper (siehe Ausgabe vom 21. Februar) bei Weitem nicht dessen Agilität erreicht, liegt natürlich am hier höheren Fahrzeugaufbau sowie dem um knapp 250 Kilo schwereren Leergewicht. Wenn man versucht, auf den Spuren des Mini Coopers um die Kurven zu fegen, schiebt der BMW schon mal über die Vorderräder, bleibt aber ansonsten stabil in der Spur, solange man – bei aller BMW-Sorge um die markentypische Fahrdynamik – einem Kompakt-Van angemessen fährt.

Die dynamische Dämpferkontrolle (500 Euro) bringt neben dem serienmäßigen Eco-Fahrmodus noch die Varianten Sport und Comfort ins Spiel, wobei selbst die komfortable Einstellung erstaunlich deutliche Rückmeldungen vom Straßenbelag in den Innenraum transportiert. „Sport“ passt dagegen so reinweg überhaupt nicht zu diesem Fahrzeug – wer will sich mit seinem 136-PS-Van und Kindersitzen an Bord schon wie in einem Sportwagen fühlen?

Im Eco-Pro-Modus wird ein besonders sensibler Umgang mit dem Kraftstoff versprochen, die im Prüflabor ermittelten 4,9 Liter auf 100 Kilometer lassen sich allerdings nicht annähernd reproduzieren. Wer eine fünf vor dem Komma sehen möchte, der sollte mehr als nur ein Spritspartraining mitgemacht haben und die dort erlernten Kenntnisse penibelst genau und zur Verärgerung des nachfolgenden Verkehrs anwenden.

Staunen

Bei all den Neuerungen rund um Antrieb, Motor und Segment ist sich BMW zumindest bei der Instrumentiertung hundertprozentig treu geblieben: Tacho, Kraftstoffanzeige und Drehzahlmesser sehen immer noch so aus wie 1978. Ein bisschen Verlässlichkeit muss bei aller Tabulosigkeit schon noch sein.

Ärgern

Dass moderne Autos nach hinten unübersichtlich sind, daran hat man sich wohl oder übel gewöhnt. Der 218i dagegen fällt beim Blick nach schräg vorne negativ auf: Zwar gibt es rechts wie links kleine Dreiecksfenster mit Zusatzglas, dennoch verdeckt die zweigeteilte A-Säule einen großen Sichtbereich. Insbesondere beim Abbiegen fällt das negativ auf.

Kaufen?

Den Zweier Active Tourer gibt es in fünf verschiedenen Ausstattungslinien; mindestens 27400 Euro sind dabei zu investieren. Wie bei den Rundinstrumenten setzt BMW auch bei der Preisliste auf Bekanntes: Was bei der Konkurrenz bereits inklusive ist, kostet hier oftmals Aufpreis. Was sich im Fall des Testwagens auf deutlich über 35000 Euro summierte. Aber hohe Preise sind ja schon lange kein Tabu mehr. Allerdings nicht nur bei BMW.


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