Offroad-Kombi im Fahrtest Volvo XC70: Klare Sache


Osnabrück. Sie sind so etwas wie die letzten Mohikaner vom Stamme der Kastenform im mittlerweile rundgeschliffenen Modellprogramm von Volvo: Der Kombi V70 und sein Offroad-Bruder XC70 zeigen noch etwas vom früher typischen schwedischen Stil, Autos zu bauen. Im Test: der XC70 D4.

Gucken

Nun gut, wollen wir nicht übertreiben, der XC70 ist von den klassischen Volvo-Kombis der 70er-Jahre schon noch ein gutes Stück entfernt, doch das Design ist immer noch eine klare Sache; weitgehend schnörkellos und überflüssiger Sicken, Kanten und Falzen beraubt, ein Statement zugunsten schlichter Schönheit.

Fühlen

Innen zeigt sich der XC70 dagegen vollkommen auf der Höhe der Zeit, alle relevanten Sicherheitssysteme sind an Bord, Bedienung und Cockpitgestaltung entsprechen den Fahrzeugen, die deutlich später debütierten als der Begründer des Crossover-Wahns. So werden die diversen Einstellungsmöglichkeiten grafisch ansprechend aufbereitet, zahlreiche elektronische Helfer wachen über den Abstand, regeln vom Scheibenwischer bis zum Fernlicht vieles automatisch und ohne Dazutun des Fahrers. Die Gurtwarner sind extrem sensibel eingestellt, wer nur einen schnellen Zwei-Teile-Einkauf beim Supermarkt auf den Beifahrersitz legt, wird ermahnt, doch bitteschön den Gurt anzulegen.

Wie schon im deutlich moderner gehaltenen V60 (siehe Ausgabe vom 20. Dezember) gibt es hier eine optionale Verkehrszeichenerkennung, die auch im XC70 nicht zufriedenstellend zuverlässige Ergebnisse liefert, dem Fahrer ein ums andere Mal falsche Tempolimits anzeigt. Aufpassen muss man also trotz allem noch selber.

Platz gibt‘s auf allen Plätzen satt, und in den Kofferraum passen – hier von einer elektrischen Klappe bewacht – beeindruckende 575 bis 1600 Liter. Dagegen bieten die meisten „modernen“ SUVs deutlich weniger Praktikabilität.

Fahren

Unter der Haube des XC70 verrichtete im Testmobil der neue, 181 PS starke D4-Diesel seinen Dienst. Satte 400 Newtonmeter Drehmoment sind eine klare Ansage, und da standardmäßig nur die vorderen Räder für den Vortrieb sorgen, radieren bei zu kräftigem Gasgeben die vorderen Reifen schon mal über den Asphalt. Also lieber ein wenig dezenter den rechten Fuß betätigen, genügend Kraft kommt auch so auf die Straße. Das achtstufige Automatikgetriebe namens Geartronic kostet stolze 2250 Euro Aufpreis, bietet dafür einen erheblichen Vorteil in Sachen Fahrkomfort. Allerdings steigt damit auch der Verbrauch an; in der Theorie sind es 0,4 Liter auf 100 Kilometer, die sich die Geartronic zusätzlich genehmigt im Vergleich zum Sechs-Gang-Handschalter. In der Praxis sind 6,2 Liter in Ordnung.

Mit 1350 Euro ist auch das adaptive Fahrwerk nicht direkt ein Angebot vom Grabbeltisch, dennoch aber sein Geld wert: Wahlweise kann der Fahrer die Gesamtabstimmung komfortabel, sportlich oder bretthart gestalten – je nach Anforderung. Wobei „Advanced“ tatsächlich eher in einen Sportwagen flacher Bauart passt als zu einem schwedischen Kasten-Traditionalisten.

Staunen

Das Design ist eine klare Sache – ein besonders schöner Vorteil dieser Optik: die Übersicht. Große Fensterflächen erleichtern das Abschätzen, wo das Fahrzeug denn nun wirklich zuende ist, der Blick in den Rückspiegel gibt tatsächlich Aufschluss über das, was hinter dem eigenen Fahrzeug passiert. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber heutzutage leider beiweitem nicht mehr.

Ärgern

Auch wenn die meisten Assistenzsysteme wirklich die Sicherheit erhöhen und die Volvo-Vision 2020, nach der niemand mehr in einem neuen Volvo schwer verletzt oder gar getötet wird, nachhaltig mit Leben füllen: Der Spurhalteassistent gehört in die Kategorie „halt die Klappe“: Bei der entferntesten Annäherung an die Spurlinie dringt eine penetrant-sonore Klangfolge an die Ohren der Insassen, dass man sich bei dem Gedanken erwischt, dass jetzt selbst eine Best-of-„Modern Talking“-CD angenehmer klingen würde.

Kaufen?

Der Volvo XC70 war einer der ersten, der mit Kunststoffbeplankungen das „wir-tun-so-als-ob-wir-ins-Gelände-könnten“-Segment mitbegründete. Die Optik wirkt ein bisschen wie von gestern, die Technik ist dagegen fit für morgen – spricht also überhaupt nichts gegen einen Einsatz im Heute, Hier und Jetzt. Eine klare Sache eben.


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