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Es fehlt an der Infrastruktur VW spielt bei der Brennstoffzelle auf Zeit  

Von Sven Lampe

Tanken wir künftig so? Mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellen haben durchaus Potenzial. Foto: VolkswagenTanken wir künftig so? Mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzellen haben durchaus Potenzial. Foto: Volkswagen

Los Angeles. Fast war sie schon in Vergessenheit geraten, nun ist sie wieder da: die Brennstoffzelle. Von VW und Audi kam jetzt bei der Los Angeles Autoshow ein klares Signal: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können mit Wasserstoff betriebene Autos sofort auf die Straße kommen.

Mit dem Audi A7 h-tron, dem Passat HyMotion und insbesondere der in Kalifornien erstmals präsentierten Studie Golf Variant HyMotion als Volumenmodell demonstrieren die Wolfsburger, dass die Brennstoffzelle durch das modulare Baukastenkonzept theoretisch in sämtlichen Modellen des Konzerns bereit zum Einsatz ist.

Wie gesagt, theoretisch, denn gekauft werden können die Fahrzeuge noch nicht. Und das wird wohl auch noch ein paar Jahre so bleiben. „Frühestens 2020“ heißt es.

Im Gegensatz zu Mitbewerbern wie beispielsweise Toyota und Honda, die bereits im kommenden Jahr jeweils ein Brennstoffzellen-Modell in ihren Verkaufsräumen haben wollen. Wobei die rund 80000 Euro, die Toyota für den Mirai haben möchte, den Käuferkreis deutlich einschränken dürften.

Die Wolfsburger hingegen spielen auf Zeit. Mit der von ihren Entwicklungsvorständen Ulrich Hackenberg (Audi) und Heinz-Jakob Neußer (VW) ausgegebenen Parole „Wir können, wenn wir wollen“, spielen sie einen eleganten Steilpass auf die Politik und die Energiekonzerne. Durchaus sinnvoll und durchdacht, denn ohne die passenden Rahmenbedingungen dürfte sich kaum jemand von den Vorzügen der CO2-freien Technik überzeugen lassen.

Denn weder unzureichende Fahrleistungen oder mangelnde Reichweite dürften das eigentliche Problem sein. Beim Audi beispielsweise reicht offiziellen Angaben zufolge eine Tankfüllung für rund 500 Kilometer. Eine Plug-in-Hybrid-Batterie sorgt für weitere 50 Kilometer Fahrstrecke. Und auch der Tankvorgang als solcher ist nicht zeitaufwendiger als der gewohnte Griff zur Zapfpistole. Nach drei Minuten soll der Tank wieder voll sein. Und erste Fahrten sowohl im genügsamen Passat als auch dem sportlichen Audi lassen das Potenzial erkennen.

Die Autos mögen noch so ausgereift sein, was fehlt, ist ein ausreichend dichtes Netz aus Wasserstofftankstellen. Vor rund zehn Jahren träumte der damalige Gouverneur von Kalifornier, Arnold Schwarzenegger, vom Hydrogen-Highway, der „Wasserstoff-Autobahn“ quer durch den US-Sonnenstaat. Das Ergebnis erscheint ernüchternd: Aktuell gibt es in Kalifornien neun öffentliche Wasserstoff-Tankstellen. In das Projekt sind dem Vernehmen nach über die Jahre rund 20 Millionen US-Dollar geflossen.

Nicht viel besser sieht es hierzulande aus. Bundesweit gibt es etwas mehr als ein Dutzend Wasserstoff-Tankstellen. Fraglos viel zu wenig, um die Technik populär zu machen. Rund 1000 müssten es schon sein, um die Alltagstauglichkeit herzustellen, ziehen VW-Experten einen Vergleich mit Erdgas als Brennstoff. Erst mit einem Netz von rund 900 Erdgas-Tankstellen sei Bewegung in die Sache gekommen.