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Limousine im Fahrbericht Audi A4 im Sparkorsett  

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Annähernd unendlich groß ist beim Audi A4 die Antriebspalette. Zwölf unterschiedliche Möglichkeiten gibt es auf Benzinerseite, gar 22 bei den Dieselmotoren. Mit 163 PS liegt der Audi A4 Ultra 2.0 TDI sowohl von der Leistung als auch beim Preis eher im Mittelfeld. Dafür steht er mit einem Verbrauch von 4,2 Litern Diesel auf 100 Kilometern in der Effizienzrangliste (fast) ganz oben.

Gucken

Audis Mittelklasse-Limousine wird seit 2008 gebaut, ist im Modellzyklus im letzten Lebensviertel angekommen. Alt aussehen tut er deswegen noch lange nicht; in der betont sparsamen Ultra-Version sieht man von dem Korsett, das ihm die Entwickler angelegt haben, kaum etwas: Ein paar Modifikationen an der Aerodynamik und die tiefergelegte Karosserie fallen nicht weiter auf.

Fühlen

In der Ultra-Version kümmert sich das Effizienzprogramm des Bordcomputers mit Nachdruck um Disziplin beim Fahrer, bittet an der roten Ampel etwa deutlich darum, doch bitte den Gang rauszunehmen, damit die Start-Stopp-Automatik aktiviert werden kann oder entsprechend frühzeitig hochzuschalten.

Innen wirkt der A4 dagegen schon ein wenig mehr in die Jahre gekommen als von außen, allerdings nur, wenn man sich vor Augen führt, wie die Cockpits der (neueren) Audi-Modelle ausstaffiert werden. Zwar gibt sich auch der Mittelklässler in puncto Verarbeitung und Qualität kaum eine Blöße, doch sind etwa die Bedienung des MMI-Entertainmentsystems oder der Klimaanlage heutzutage fortgeschritten. Was aber Jammern auf hohem Niveau ist, denn insbesondere im Vergleich zur Import-Konkurrenz kann der A4 auch mit diesem etwas angegrauten Innenraum noch punkten.

Wer sich auf der üppigen Preisliste mit einem Kugelschreiber ausgetobt und entsprechend viele Kreuzchen bei den Extras hinterlassen hat, der bekommt reichlich Komfort. Anders herum ausgedrückt: Für den Basispreis des Ultra-Audis von 35150 Euro (Attraction) bekommt man ein Modell, das analog zum knausrigen Umgang mit dem Dieselkraftstoff auch recht karg ausgestattet ist.

Fahren

Mit seinem 163 PS entwickelnden Zwei-Liter-Diesel ist der Audi A4 natürlich kein wirklicher Hungerhaken. Die Tatsache, dass der Selbstzünder ein strammes Drehmoment von 400 Newtonmetern mobilisiert, spricht Bände, lediglich bei niedrigen Drehmomenten braucht das Aggregat ein wenig, um dem Turboloch zu entfliehen.

Die längere Übersetzung in den oberen Gängen des vorbildlich leicht zu bedienenden Sechs-Gang-Getriebes macht sich kaum negativ bemerkbar, souverän beschleunigt der A4 auch in höhere Autobahnregionen, lediglich im sechsten Gang ist kaum noch Durchzug vorhanden, sodass man zum Beschleunigen zurückschalten muss.

Im Vergleich zu den Standard-A4-Modellen wirkt der Ultra straffer und steifer, rollt nicht so komfortabel ab wie seine frei atmenden Kollegen, die nicht im Sparkorsett stecken. Der Vierzylinder-Diesel läuft für Audi-Verhältnisse relativ rau, was im Alltag aber nicht weiter störend ins Gewicht fällt.

Neben dem geringen Verbrauch – im Alltag muss man zum errechneten Durchschnittsverbrauch von 4,2 Litern einen knappen Liter hinzurechnen – punktet der A4 Ultra auch noch durch eine besonders saubere Verbrennung, erfüllt unter anderem durch Harnstoffeinspritzung die Euro-6-Norm.

Staunen

Der Aufwand, den (nicht nur) Audi betreibt, um auch die letzten Tröpfchen Sprit einzusparen, beeindruckt durchaus. Am Ende entscheidet der Käufer, ob er bereit ist, den geringeren Spritverbrauch mit einem höheren Kaufpreis zu subventionieren.

Ärgern

Womit wir beim typischen Audi-Ärgernis angekommen wären: der Preisliste. Wer mindestens 35150 Euro für eine Mittelklasse-Limousine der Premiumklasse hinblättert, der sollte eigentlich Dinge wie Tempomat (270 Euro), beheizbare Außenspiegel (135 Euro), Mittelarmlehne (190 Euro) oder eine umklappbare Rücksitzbank (290 Euro) in der Serienausstattung erwarten dürfen.

Kaufen?

Der Audi A4 ist trotz seines gesetzten Alters ein durchweg empfehlenswertes Auto, das viele Konkurrenten immer noch locker stehen lässt. Ob es die Ultra-Version sein soll, liegt im Auge bzw. der Brieftasche des Betrachters: Die 2.0-TDI-Version mit 150 PS etwa verbraucht laut Audi nur 0,2 Liter mehr auf 100 Kilometern, kostet aber im Grundpreis satte 2200 Euro weniger. Um diese Differenz an der Tankstelle wieder reinzufahren, braucht es Kilometerleistungen, die annähernd in die Million gehen.