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Kombi im Fahrbericht Renault Clio Grandtour: Kleiner für große Dinge  

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Auch wenn kleine SUVs deutlich mehr im Trend liegen als kleine Kombis: Der Renault Clio Grandtour, der mit 90-PS-Diesel seinen Redaktionsdienst verrichtete, hinterließ im Test einen sehr guten Eindruck – und ließ nur eine Frage offen: Warum kleine Kombis wie der Clio gegen Allerwelt-Mini-SUVs mittlerweile fast chancenlos sind.

Gucken

Am Äußeren kann es jedenfalls schon mal nicht liegen: Der Kombi-Clio geht von vorne wie hinten als très chic durch, die „versteckten“ Türgriffe für den Zugang zum Fond sind sogar richtig pfiffig.

Fühlen

Zugegeben: Mit der eher kargen Basisausstattung lässt sich nicht vergleichen, was wir in unserem Test-Clio in der höchsten Ausstattung „Luxe“ sowie mit der einen oder anderen aufpreispflichtigen Optik-Dreingabe vorfanden. Farbliche Akzente an Lenkrad oder Lüftungsdüsen, mit Klavierlackimitat überzogene Instrumente – der Kleine hat sich hübsch rausgemacht, bietet vorne zudem mehr Platz, als man das üblicherweise von einem Kleinwagen verlangen und erwarten würde.

Eine Klimaautomatik ist auch in der höchsten Ausstattung nicht serienmäßig enthalten; je nach gewählter Version gibt es den sommerlichen Temperatur-Trostspender im Paket für 690 oder 890 Euro nebst anderen Extras – doch im Winter ist die Automatik keine große Hilfe, braucht viel zu lange, um den Innenraum wirklich zu wärmen.

Fahren

Der 90 PS starke Diesel ist nicht direkt ein Kraftpaket, aber für den Alltag absolut ausreichend. In vier der fünf Gänge geht es recht flott und durchzugsstark zur Sache, lediglich der fünfte Gang kann zum Beschleunigen nicht wirklich verwendet werden. Der Rückwärtsgang lässt sich im Stand nicht immer beim ersten Versuch einlegen, was manches unangenehme Ratschen verursacht.

Auf der Autobahn hält der kleine Kombi wacker mit, bis knapp 190 zeigt der digitale Tacho an. Wohler fühlen sich Fahrer und Fahrzeug allerdings eher bei Geschwindigkeiten bis um die 130; die Lenkung ist sehr leichtgängig und somit eher für das Rangieren auf engen Parkplätzen prädestiniert.

Ohnehin ist die Stadt natürlich das angestammte Revier für den Clio Grandtour, der an der roten Ampel automatisch den Motor abstellt und so Sprit spart. Auf dem Rollenprüfstand hat man unter Ausnutzung aller erlaubten Finessen einen Wert von 3,5 Litern Diesel je 100 Kilometer ermittelt, der Alltag schlug erträgliche 0,9 Liter drauf. Dabei hilft in der 90-PS-Diesel-Variante der „Tour-Report“: Im großen Multifunktions-Display kann der Fahrer Punkte für effizientes Fahren sammeln, im Zentraldisplay zeigt ein farblicher Balken zwischen sattem Grün und tiefem Orange an, wie ökonomisch der Fahrer aktuell unterwegs ist.

Im Vergleich zum Schrägheck-Clio haben die Ingenieure der Kombiversion eine etwas komfortablere Abstimmung verpasst, die schon deutlich mehr schluckt als der Fünftürer, auf schlechten Straßen – wovon es ja leider mehr als genug gibt – reagiert der Franzose aber immer noch recht hölzern.

Staunen

Eines sollte man nicht vergessen: Der Renault Clio ist ein Kleinwagen – aber mit dem Kleinen lassen sich die größten Dinger drehen. Die Kofferraumkante liegt schön tief, sodass das Ein- und Ausladen keinerlei Rückenprobleme bereitet; im doppelten Kofferraumboden lässt sich beispielsweise die Abdeckung verstauen, wenn sie nicht gebraucht wird. Der Kofferraum schluckt bis zu 1380 Liter und hält so dem Vergleich mit jedem Mini-SUV locker stand. Zudem lässt sich ab der Ausstattungsvariante „Dynamique“ der Beifahrersitz umklappen, dann passt selbst eine Bierzeltgarnitur problemlos ins Gepäckabteil.

Ärgern

Wer die höchste Ausstattung gewählt hat, der bekommt jede Menge schöne oder auch sinnvolle Dinge ins Auto gebaut – hübsche Chromeinfassungen, schicke Alufelgen, Multimediasystem. Aber: Er kriegt auch das „Keycard Handsfree“-System, das auf der einen Seite einen schlüssellosen Zugang zum Auto ermöglicht sowie den Fahrzeugstart per Knopfdruck. Zum anderen bekommt er aber statt eines herkömmlichen Schlüssels eine Schlüsselkarte im Format einer dicken Bankkarte. Der Sinn dieser Schlüsselkarte will sich uns allerdings einfach nicht erschließen. Sie lässt sich schlecht an das Schlüsselbund hängen, sieht doof in der Hosentasche aus – ein einfacher Schlüssel wäre sinnvoller.

Kaufen?

Der günstigste Clio Kombi kostet knapp 13500 Euro; für die stärkste Dieselversion sind mindestens 17890 Euro zu investieren; für die Start-Stopp-Variante sind wenigstens 18380 Euro anzulegen. Unser Test-Kombi landete bei 21110 Euro unter dem Strich. Kein Schnäppchen – aber das sind heutzutage nur noch die wenigsten Autos. Die Mini-SUVs zählen übrigens auch nicht dazu.