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Kompakter im Offroad-Look Dacia Sandero Stepway: Für ein bisschen Schotter

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Was vor rund zehn Jahren mit der Stufenhecklimousine Logan begann, hat sich zu einer ausgewachsenen Erfolgsstory gemausert. Wo Dacia draufsteht, ist (fast) immer Erfolg drin. Auch der kompakte Sandero, der als „Stepway“ mit rustikalen Beplankungen daherkommt, verkauft sich blendend. Im Test: die Topversion Prestige mit 90-PS-Diesel.

Gucken

Der Sandero ist grundsätzlich ein unauffälliger Kompakter, der im Straßenbild nicht auffällt – weder positiv noch negativ. In der Stepway-Variante haben ihm die Rumänen unter französischer Renault-Führung ein paar schicke und zeitgemäße Kunststoff-Anbauteile verpasst, die eine gewisse Offroad-Tauglichkeit suggerieren – mehr als ein bisschen Schotter sollte man dem Sandero Stepway aber nicht zumuten. Kleine Details wie der offenliegende Drücker für den Kofferraum oder billige Türöffner sind nahezu die letzten Referenzen an eine Zeit, als sich Dacia alleine über den (billigsten) Preis definierte.

Fühlen

Natürlich gibt es hier kein blinkendes Aluminium oder üppig aufgeschäumte Oberflächen, sondern weitgehend schlichtes Plastik in nüchtern-harter Ausführung. Aber: Zweckmäßig ist das Cockpit allemal, und angesichts der günstigen Preise auch angemessen. Wenn die Top-Ausstattung Prestige gewählt wurde, sind unter anderem Klimaanlage, Bordcomputer, Tempomat oder Rundum-e-Fensterheber aufpreisfrei an Bord.

Die Anordnung der Instrumente versprüht einen Hauch von Mini: Dass Fensterheber oder Tempomat-Bedienung in der Mittelkonsole unter dem Navi-Bildschirm angebracht sind, erscheint nicht nur auf den ersten Blick wenig sinnstiftend.

Die Sitze sind mit wenig Seitenhalt und einer recht kurzen Oberschenkelauflage ausgestattet, somit nicht unbedingt für die ermüdungsfreie Mammutreise geeignet, im Alltag erfreut man sich dafür an vielen Ablagemöglichkeiten und einem großen Handschuhfach. Apropos groß: Das Platzangebot vorne wie hinten kann sich in der Liga der kompakten Fahrzeuge absolut sehen lassen.

Fahren

Der 90 PS starke Diesel hat mit dem gut 1,1 Tonnen schweren Leichtgewicht keine große Mühe. Zuverlässig schiebt er den Sandero an, bietet einen ordentlichen Durchzug, lässt sich auch auf der Autobahn im fünften Gang, ohne zurückzuschalten, zu spontanen Überholvorgängen animieren. In der Stadt und auf der Landstraße schwimmt der kompakte Dacia ohnehin frei jeglicher Problematik mit.

Oberhalb 130 km/h sollte der Sandero allerdings nur in Ausnahmesituationen bewegt werden; zum einen steigt mit höheren Geschwindigkeiten auch die akustische Belastung durch den Wind deutlich, zum anderen zeigt er sich auch anfälliger für Böen, wirkt ein wenig instabil und schaukelnd. Netter Nebeneffekt, wenn man es tempomäßig nicht übertreibt: Die versprochenen vier Liter Diesel, die alle 100 Kilometer den Tank verlassen sollen, bleiben so in Reichweite – im Testschnitt waren es sehr solide 4,8 Liter.

Staunen

Wer sich an den ersten Logan erinnert, sieht ein Interieur mit dem Charme eines schlecht gelaunten innerdeutschen Grenzbeamten zu Zeiten des Kalten Krieges und der Anmutung eines gebrauchten Joghurtbechers vor sich. Das ist anno 2014 deutlich anders, und wer das Topmodell „Prestige“ wählt, der bekommt mit dem Media-Nav-System ein Extra serienmäßig, das in den meisten deutlich teureren Kompakten nur für reichlich Aufpreis zu haben ist: Navigation – die Europakarten kosten 99 Euro –, CD/MP3-Spieler, Einbindung des Smartphones und Freisprecheinrichtung sind dann an Bord, gesteuert über einen Touchscreen und in vorbildlicher Rechengeschwindigkeit.

Ärgern

Bei aller Zweckmäßigkeit und auch angesichts verständlicher Kostenreduzierung: Das Fehlen der Komfortblinker-Funktion – einmal antippen, dreimal blinken – ist schon ärgerlich. Und angesichts eines Einkaufspreises des entsprechenden Relais, der vermutlich im Centbereich liegt, auch am falschen Ende gespart.

Kaufen?

In den ersten drei Quartalen war der Sandero mit gut 14400 Verkäufen der erfolgreichste Dacia, selbst bei Mutter Renault waren nur Clio und Twingo gefragter. Das hat natürlich seinen Grund – und das liegt nicht nur daran, dass auch der beliebte Stepway, der gut die Hälfte der Sandero-Zulassungen ausmacht, nicht nur auf Schotter fährt, sondern auch für wenig Schotter zu haben ist.

6890 Euro kostet die, zugegeben, ausgesprochen nackte Einstiegsvariante des normalen Sandero mit 75 PS. Der Diesel-Stepway kostet mindestens 11790 Euro, und wer die 13790 Euro teure Prestige-Wahl trifft, der kann außer Metalliclackierung und Leder kaum noch mehr auswählen. Hier stimmt eben nicht nur der Preis, sondern auch das, was man für sein Geld bekommt.