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265-PS-Kompakter im Test Der Seat Leon Cupra ist der heißere Golf

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Kompakter Heißblüter und Sportler für den Alltag: Der Seat Leon Cupra bietet mit seinem 265 PS starken Turbomotor auf der einen Seite Rundkurs-Erfahrenen genügend Potenzial zur engagierten Kurvenhatz, erledigt aber auf der anderen Seite die tagtäglichen Aufgaben ebenso zuverlässig.

Gucken

Der Seat Leon gehört zur VW-Kompaktfamilie, dem der Golf als Familienältester vorsteht. Im Vergleich zum Dauerbrenner-Bestseller aus Wolfsburg kommt der Vertreter aus Spanien deutlich feuriger und dynamischer daher. In der Cupra-Version wird daraus erfreulicherweise aber nicht eine auf Krawall gebürstete Halbstarken-Variante, sondern eine geschmackvoll aufgebrezelte Sportversion mit roten Bremssätteln oder einigen Intarsien im Wabenmuster.

Fühlen

Auf die Gene der zivil motorisierten Leon-Varianten – und damit auch typischer VW-Logik – vertraut man auch im Innenraum, wo jeder Hebel dort sitzt, wo man ihn vermutet, wo klare Gliederung in der Bedienung herrscht und darüber hinaus eine tadellose Verarbeitung erstklassiger Materialien. Unten abgeflachtes Lenkrad, perforiertes Leder, Sportsitze mit Alcantara-Bezug, Alu-Pedale – auch innen wird nicht dick aufgetragen, sondern optische Reize nur dort gesetzt, wo sie auch wirklich Sinn machen. Das getestete Coupé – den Leon gibt es auch als Fünftürer – bietet vorne üppigen Platz, nach hinten gelangt man trotz Easy-Entry-Funktion eher mühsam, und die Kopffreiheit ist auf der hinteren Bank nur für diejenigen üppig, die aufrecht unter dem Küchentisch spazieren gehen können. Dass die Ladekante des Kofferraums etwas hoch ausfällt, mag man dem Sportler dagegen noch verzeihen.

Fahren

265 PS in einem Fahrzeug der Kompaktklasse – klar, das ist mehr als der Durchschnittsfahrer im Durchschnittsalltag benötigt. Keine sechs Sekunden vergehen bestenfalls, bis Tempo 100 erreicht ist – wenn die Straße trocken ist, denn bei nassem Asphalt haben die Fronträder ihre liebe Mühe, das überschäumende Temperament des heißblütigen Spaniers ohne Reibungsverlust auf die Straße zu bringen. Beeindruckend ist neben der Beschleunigung die Tatsache, dass das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern über ein Drehzahlband von 1700 bis 5300 Umdrehungen zur Verfügung steht – damit lässt sich auch aus der Entspannung heraus kraftvoll zupacken.

Serienmäßig lässt sich der heiße Golf von Barcelona mit dem „Cupra Drive Profile“ für unterschiedliche Aufgaben ansteuern. Im Modus „Comfort“ gibt sich der Seat ausgesprochen handzahm, dreht höchst anständig hoch, bleibt akustisch so zurückhaltend wie ein schüchterner Oberstufenschüler bei seiner ersten Verabredung.

Was der Modus „Sport“ bewirkt, dürfte angesichts des Motors einigermaßen klar sein, und im Modus „Cupra“ signalisiert eine winkende Zielflagge, dass diese Einstellung vor allen Dingen für die Rennstrecke gedacht ist: Das Gaspedal reagiert auf das Zucken des großen Zehs, die Lenkung folgt millimetergenau jeder noch so kleinen Richtungsänderung, und der Auspuffsound wird mittels Soundaktor zur voluminösen Fanfare. Wer unbedingt will, kann das ESP in zwei Stufen reduzieren bzw. ganz außer Funktion setzen.

Staunen

Die Progressivlenkung im Leon Cupra genügt auch sportlichsten Ansprüchen. Von Anschlag zu Anschlag sind es lediglich etwas mehr als zwei Lenkradumdrehungen, und je nach Fahrsituationen gibt es die passende Unterstützung: Beim Rangieren hilft die Elektronik mehr, im Cupra-Modus gibt es davon entsprechend wenig, was die Fahrbahnrückmeldung aufs Maximum rückt.

Ärgern

Nun gut, es ist keine Überraschung, aber beim Thema Kosten mag für den einen oder anderen PS-Fetischisten die Euphorie schnell abkühlen. Die dreitürige Cupra-Version schlägt mit mindestens gut 30000 Euro zu Buche. Die Tatsache, dass die Serienausstattung der Topversion ausgesprochen üppig ausfällt – Sportfahrwerk, Differenzialsperre, Media System, Zwei-Zonen-Klima oder LED-Scheinwerfer sind stets an Bord – wird durch hohe Unterhaltskosten unterwandert. Versicherung, Verbrauch, Verschleiß – für diese Kostenfaktoren sollte stets ein erquickliches Sümmchen in Reserve gehalten werden.

Kaufen?

Wer gut 30000 Euro investieren möchte und einen kompakten Kraftprotz im Auge hat, der bekommt mit dem Seat Leon Cupra SC ein Angebot, das ganz vorne mitfährt. Man sollte eben nur noch etwas Geld im Geldbeutel behalten.