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Tschechischer Top-Diesel Skoda Octavia RS Combi: Sport auf die bequeme Art

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Skoda, das bedeutet stets hohe Qualität in bester VW-Machart zu vergleichsweise günstigen Preisen. Sportler allerdings werden – ebenso wie Exzentriker oder Individualisten – eher selten fündig bei einer Marke, die vor allen Dingen für Werte wie „solide“ steht. Ausnahme: Die sportlichen RS-Modelle. Im Test: Der Skoda Octavia RS Combi mit 184 Diesel-PS.

Gucken

Es würde kaum zu der Strategie der vornehmen Zurückhaltung der tschechischen VW-Tochter passen, wenn das PS-stärkste Modell der Octavia-Baureihe marktschreierisch auftreten würde. Besondere Felgen, rote Bremssättel, zwei etwas größere Auspuffrohre, ein paar Logos – das war es schon weitgehend, was den RS von den herkömmlichen Octavia-Combi-Modellen unterscheidet.

Fühlen

Dezenter Sportlook auch im Innenraum, wo vor allen Dingen Sportsitze, Alu-Pedalerie und dicke Ledernähte im Lenkrad auffallen. Ansonsten punktet auch das Topmodell der Octavia-Baureihe mit allem, was den großen Bruder des VW Golf auszeichnet.

Wie immer schafft es Skoda, aus dem Innenraum ein bisschen mehr Platz für die Passagiere zu zaubern als alle anderen VW-Konzernfamilienmitglieder und somit ein bisschen bequemer zu wirken. Kleine Details wie der Eiskratzer im Tankdeckel (Serie), ein kleiner Abfalleimer in der Fahrertür und der smarte Smartphonehalter in der Mittelkonsole (für 200 Euro im Paket mit variablem Ladeboden und Ablage unter der Kofferraumabdeckung) gefallen im Alltag ebenso wie die hochwertige Qualität im Interieur und die simple Bedienung.

Das große Navigationssystem mit Touchscreen und Wischtechnik à la Smartphone (mindestens 1840 Euro im Paket mit u. a. elektrischer Heckklappe) bietet eine Annäherungssensorik, stellt sich „scharf“, wenn sich eine Bedienerhand der Oberfläche nähert, und blendet erst dann die Eingabeoptionen ein.

Grafisch hübsch animierte Menüs, eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten, die gelungenen Sportsitze mit viel Seitenhalt und der große wie flexibel nutzbare Kofferraum dokumentieren den gelungenen Spagat zwischen Sport und Alltag.

Fahren

Der 184 PS starke Zwei-Liter-Diesel ist zwar kein Aggregat, das das braven Octavia Combi zum Bösewicht mit draufgängerischen Manieren macht – wäre das einer Marke wie Skoda überhaupt angemessen? –, doch für einen kraftvollen Antritt reicht es natürlich allemal.

Das sechsstufige DSG flutscht federleicht durch die Gänge, ohne dass der Fahrer davon allzu viel mitbekommen würde. Mühelos prescht der kompakte Mittelklassekombi in gut acht Sekunden auf Tempo 100 voran, weiter bis immerhin 228 km/h – Autobahnen, die Geschwindigkeiten darüber hinaus ermöglichen, sind selten geworden und ohnehin weder für den Blutdruck noch den Tankinhalt empfehlenswert.

Das 15 Millimeter tiefer gelegte Sportfahrwerk spricht wenig überraschend etwas straffer an, gibt bei teerpflasterübersäten Straßen eine deutliche Rückmeldung über das, was da gerade unter den 18 Zoll großen Aluminiumfelgen passiert – bietet aber wie jeder andere Octavia auch dennoch eine hohe Langstreckentauglichkeit, weil man es eben nicht mit der sportlichen Auslegung übertreibt.

Dank der extrem präzisen Lenkung lässt sich der RS mühelos auch durch enge Kehren pilotieren, hält sich dabei erfreulich weit von Grenzregionen fern, die den Fahrer animieren könnten, das physikalisch Machbare auszuloten.

Staunen

Im Herzen ist der Octavia RS eben immer noch ein durch und durch typischer Skoda, der mit Komfort und Verstand zur Sache geht – das beweist auch der Durchschnittsverbrauch, der im Testzeitraum bei erfreulich niedrigen 5,7 Litern auf 100 Kilometern lag.

Ärgern

Okay, man könnte jetzt anführen, dass der Octavia nicht in der Lage ist, Goldmünzen aus der Auspuffanlage zu spucken oder morgens schon die Kaffeemaschine anzustellen – doch objektiv betrachtet hat sich während unseres zweiwöchigen Tests nichts ergeben, was wirklich negativ aufgefallen wäre.

Kaufen?

Dementsprechend fällt das Fazit wenig überraschend aus: Der Skoda Octavia RS Combi bietet in der unteren Mittelklasse einen höchst eigenständigen Mix, der auf der einen Seite alle Aspekte der Alltagstauglichkeit – Platzangebot, Komfort, Variabilität, Verbrauch – gewohnt perfekt abdeckt, auf der anderen Seite aber eben auch eine sportlich-aufregende Note ins Spiel bringt.