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Kompakt-SUV im Fahrbericht Kia Sportage: Der Unaufgeregte

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück. Muss man im Haifischbecken der kompakten SUVs eigentlich immer mit Superlativen hausieren gehen, um sich erfolgreich gegen die Konkurrenz behaupten zu können? Nein, man muss nicht, wie der unaufgeregte Kia Sportage beweist, der sich betont bodenständig gibt und gegen zahlreiche Wettbewerber trotzdem gut aussieht. Im Test: Der 136-PS-Diesel mit Allrad.

Gucken

Kia-Chefdesigner Peter Schreyer vergleicht den Sportage hinsichtlich des Verhältnisses von Blech zu Fenster zwar mit einem Sportwagen, das wirkt freilich aber ein wenig konstruiert. Schick sieht er dennoch aus, gefällt mit scharen Konturen und weit nach hinten gezogenen Frontleuchten.

Fühlen

Der Innenraum bietet kaum Anlass zum Meckern; insbesondere in puncto Bedienbarkeit weiß der Koreaner zu gefallen. Übersichtliche Instrumente, klare Struktur in den Bedienelementen, jeder Knopf ist selbst erklärend – ein unaufgeregtes Innenraumkonzept ist für viele deutlich besser als Hightech-Bling-Bling.

Wer nicht ganz auf moderne Spielereien verzichten möchte, greift zum Technik-Paket für 1290 Euro, das unter anderem ein Premium-Soundsystem inklusive Steuerung per Touchscreen bietet – oder gleich zur höchsten Ausstattung „Spirit“, bei der dieses Element serienmäßig enthalten ist.

Fahren

136 PS klingen in Zeiten wie diesen, in denen insbesondere deutsche SUV-Hersteller deutlich leistungsstärkere Maschinen feilbieten, fast schon schlapp. Aber nur auf dem Papier: In der Praxis sprintet der Sportage stramm los, lässt sich bei erfreulich dezenter Geräuschkulisse von den meisten seiner Offroad-Gesellen nicht abschütteln, bietet dabei eine erstaunliche Handlichkeit, die sich sowohl in kess durcheilten Landstraßenkurven als auch bei engen Parkraumsituationen niederschlägt.

Tendenziell ist das Fahrwerk des Sportage eher straff ausgelegt, die meisten der Schlaglöcher auf ausgemergelten deutschen Straßen machen dem Kia-SUV dennoch nur sehr wenig aus. Und wer das Gaspedal nur zart betätigt, der kommt trotz des Allradantriebs und der damit verbundenen Mehr-Kilos ziemlich nahe an den Prüfstands-Verbrauchsdurchschnitt. Also auch an der Tankstelle kein Grund, sich aufzuregen.

Für die meisten Fahrer in Regionen nördlich der Alpen dürfte ohnehin der Frontantriebs-Sportage ausreichend sein, der zwar beim Verbrauch nur relativ wenig Einsparpotenzial in sich birgt, dafür aber satte 1500 Euro in der Anschaffung günstiger ist als der Sportage AWD.

Staunen

Es ist eigentlich erstaunlich, dass die siebenjährige Garantie, die Kia auf seine Modelle und damit auch auf den Sportage gibt, noch keine Nachahmer am Markt gefunden hat – warum eigentlich nicht? Für den Kunden bedeutet das auf jeden Fall eine unaufgeregte Zeit.

Ärgern

Um noch einmal auf die Sportwagen-Optik hinsichtlich des Blech-Glas-Verhältnisses zu sprechen zu kommen: Die knapp bemessenen Fensterflächen sorgen für eine eher mittelprächtige Übersicht. Ohne höhere Sitzposition – typisch SUV eben – und einer Rückfahrkamera – Teil des bereits erwähnten Technik-Pakets – würden die Handling-Pluspunkte hier bereits wieder einkassiert werden.

Kaufen?

Ein Blick in die Flensburger KBA-Zulassungsstatistik reicht: Knapp 8000 Zulassungen stehen in diesem Jahr zu Buche für den Sportage, der hinter dem Ceed der zweitbeliebteste Kia ist. Was beweist: Auch ohne Superlative lässt sich ein Auto verkaufen – entsprechende Qualität vorausgesetzt.