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Zwischen Alltag und Allrad Der VW Passat Alltrack ist eine Laubkatze


Osnabrück. Deutschland muss ein Land sein, in dem es unglaublich aktiv zugeht. Vom Bergsteigen ins Büro, vom Mountainbike ins Meeting, vom Snowboarden ins Shoppingcenter. Anders ist es nicht zu erklären, dass der Trend zu ganz alltäglichen Autos, die ein bisschen mehr im Gelände können, nicht abebbt. Ein Trendreiter: Der VW Passat Alltrack, der als 177-PS-Diesel zum Test erschien.

Immerhin: Anders als viele andere Spießgesellen, die lediglich über optische Aufrüstungen wie Beplankungen oder angedeuteten Unterbodenschutz verfügen, gibt es den Passat Alltrack immerhin mit Allradantrieb, einem speziellen Offroadprogramm sowie einem dezent erhöhten Fahrwerk und leicht angehobenen Böschungswinkeln.

Keine Sorge: Für diejenigen, denen es vor allem auf die Optik ankommt, gibt es auch die üblichen Schriftzüge und Anbauteile, mit denen der Besitzer direkt klar macht, dass hier der ultimative Bezwinger von Laub auf der Straße und Kieselsteinen kommt. Dass es jemals zu mehr kommen wird, darf bezweifelt werden.

Wie dem auch sei: Die Laubkatze bringt die Voraussetzungen mit, um auch über das befestigte Ende des Schotterparkplatzes hinaus zu fahren. Motor, Getriebe und Ölwanne sind mit Stahlblechen geschützt, damit keine Steine Schäden anrichten können; wenn das Offroadprogramm aktiviert ist, reagieren die elektronischen Differenzialsperren schneller, das ABS lässt etwas mehr Spielraum zu und kann Geröll oder Kies sogar als Bremskeil vor den Reifen aufbauen. Wer einen steileren Berg abwärts rollt, kann sich unter die Arme greifen lassen und ohne eigenes Zutun dieses die Elektronik vollständig regeln lassen.

Apropos Elektronik: Wer will, kann seinen Allrad-Kombi mit reichlich Assistenzprogrammen aufrüsten. Serienmäßig ist eine Müdigkeitserkennung, die dem Fahrer weismachen will, wann er Pause zu machen hat – na ja. Sinnvoller erscheinen dagegen die aufpreispflichtigen Systeme wie die automatische Distanzregelung (1240 Euro), der Totwinkelwarner (550 Euro) oder die Verkehrszeichenerkennung (320 Euro).

Da der Alltrack grundsätzlich ein wenig härter abgestimmt ist als seine zivilen Brüder, empfiehlt sich das Ordern der adaptiven Fahrwerksregelung (DCC), das für 1115 Euro per Knopfdruck in den Modi Normal, Sport und Komfort eingestellt werden kann – gerade auf langen Strecken dankt der Rücken der Komfort-Einstellung.

Ansonsten ist der Alltrack ein typischer Passat und ein typischer Volkswagen. Will sagen: Bei aller rustikalen Beplankung überwiegt der Alltagsnutzen, was Kritiker auch schon mal als spießig bezeichnen. Der Innenraum, um einige silberne Dekoreinlagen oder Chromzierringe erweitert, ist ebenso schlicht wie formvollendet, bietet im Wettbewerb die bestmögliche Qualität und Verarbeitung bei beispielloser Bedienlogik und Übersichtlichkeit. Fehlende Emotionalität wird hier durch maximale Solidität ausgeglichen, statt Herzklopfen gibt es einen niedrigen Ruhepuls, weil sich Fahrer und Besetzung einfach wohlfühlen an Bord.

Der Kofferraum, auf Wunsch elektrisch zu öffnen und schließen (465 Euro), schluckt wie der traditionelle Passat zwischen 588 und 1716 Liter, die Zuladung beträgt fast 650 Kilo – in Sachen Gepäck wird man den Passat nur schwerlich an seine Grenzen bringen.

Was auch für den Zwei-Liter-Diesel mit 177 PS gilt, der im Alltrack serienmäßig nicht nur mit Allradantrieb, sondern auch mit dem sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe kombiniert wird. Das DSG wieselt komplett unmerklich durch die Gänge, 380 Newtonmeter schieben den Allradler unwiderstehlich an. Der Dieselmotor passt sich mit seiner dezenten Geräuschkulisse dem immer noch unauffälligen Gesamtauftritt an.

5,9 Liter verspricht das Datenblatt auf 100 theoretischen Kilometern; Start-Stopp-System und Freilauf – ohne Lastanforderung schaltet das System in einen drehzahlniedrigen Sparmodus – sollen dabei helfen, im Alltag möglichst nahe an diesen Wert zu kommen. Wie üblich, kann man im Alltag bei rücksichtsvoller Fahrweise einen guten Liter draufrechnen. Wer ganz besonders dezent aufs Gaspedal tritt, der schafft knapp eine sechs vor dem Komma.

Eine 6 vor dem Komma erreichte annähernd auch der Endpreis unseres mit allerlei Technik und Komfortspielereien vollgepackte Test-Alltrack. Bei 41375 Euro startet der 177-PS-Diesel, die Serienausstattung mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 17-Zoll-Alus, Parkpilot, Differenzialsperre oder Audiosystem ist ordentlich, so dass der Aufpreis zu einem Passat ohne Alltrack-Trimm zu verschmerzen ist. Wer dann aber bei der Aufpreisliste in die Vollen geht, landet dann eben schon mal fast bei 60000 Euro. Ganz ehrlich: Mit einem solch teuren Fahrzeug würde unsereins auch nicht im Gelände aufs Ganze gehen. Als Laubkatze macht der Wolfsburger im Schafspelz aber auch eine gute Figur.


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