Achte Generation Golf bleibt Golf

Von Jan Wrege

Für den Golf 8 bietet VW neben einer namenlosen Basisversion noch die neuen Ausstattungslinien "Life", "Style" und "R-Line". Foto: VWFür den Golf 8 bietet VW neben einer namenlosen Basisversion noch die neuen Ausstattungslinien "Life", "Style" und "R-Line". Foto: VW
Hardy Mutschler

Porto. Die Silhouette ist vertraut, ganz klar: Das ist ein Golf. Die Designer des VW-Bestsellers sind 45 Jahre nach dem Auftritt der ersten Generation der Grundidee treu geblieben. Aber Nummer acht ist recht sportlich geraten, mit 4,28 Metern einen Tick länger und etwas niedriger, mit einer markanten Front und schmal geschnittenem Voll-LED-Scheinwerfern. Insgesamt ist es optisch wieder nur ein kleiner Schritt von einem Golf zum nächsten – aber das ist seit 1974 das Erfolgsrezept. 35 Millionen Stück hat VW gebaut, durchschnittlich alle 40 Sekunden wird ein Golf verkauft.

Dass es so weitergeht, ist nicht ausgemacht. Von allen Seiten wird der Klassiker bedrängt. Der Trend zum SUV ist ungebrochen, junge Menschen arbeiten nicht mehr auf den ersten Neuwagen-Kauf – oft ein Golf – hin und im eigenen Stall wächst Konkurrenz heran. Mit dem ID. 3 will VW die Erfolgsgeschichte des Kompakten wiederholen, dann aber elektrisch. 

Das Geld für den Wandel muss noch der Golf mitverdienen. Wer auf den ersten Blick glaubt, dass sich wenig getan hätte, erlebt im Inneren eine Überraschung. Man muss sich orientieren im serienmäßig volldigitalen Cockpit mit zwei großen Monitoren. Nicht einmal für Lautstärke und Temperatur gibt es Drehregler. Für laut oder leise sowie warm oder kalt muss man mit dem Finger über eine Leiste streichen. Das ist gewöhnungsbedürftig und wirkt wie ein Detail aus einer Studie, bei dem vergessen wurde, es für die Serie zu ändern. Das Tastenfeld darunter startet Funktionen für Klima, Fahrmodus etc., ist aber winzig beschriftet und unbeleuchtet – da waren keine Ergonomen am Werk.

Gute Orientierung

Besser ist das Menü des Touchscreens: Ein Homebutton sorgt für gute Orientierung beim stets vernetzten Infotainment und Navigation. Der Fahrer wird über den Monitor in seinem Blickfeld mit optimal mit Daten versorgt oder erstmals auch über ein echtes Head-up-Display, an das VW viele Jahre nicht glauben wollte. Dazu hält eine Sprachsteuerung Einzug, die mit der Ansage „Hallo, Volkswagen“ aktiviert wird.

Für den Antrieb wird im Golf VIII außer dem reinen E-Motor alles zur Wahl stehen, was die neueste Technik hergibt: mildhybride Benziner mit Startergenerator und 48-Volt-Netz, sauberste Diesel, Erdgas und Plug-in-Hybrid. Beim Fahren fühlt sich alles so an, wie seit Jahrzehnten gewohnt – nur mal wieder noch ein Stück besser. Man sitzt bequem bei guten Platzverhältnissen.

Perfekt abgestimmt

Der Golf ist perfekt abgestimmt, federt weder zu weich noch zu hart, lädt zum Cruisen ein oder auch mal zu forcierter Gangart. Mit seiner direkten Lenkung lässt er sich spielerisch und präzise durch schnelle Kurven dirigieren.

Die getesteten Motoren gaben eine überzeugende Vorstellung. Der neue Vierzylinder-Benziner eTSI mit 150 PS schiebt kräftig an und läuft ausgesprochen kultiviert. Da wir rund um Porto größtenteils auf Autobahnen und Serpertinenstrecken flott unterwegs waren, scheint uns der Verbrauch um die siebeneinhalb Liter akzeptabel. Bei normaler Landstraßenfahrt in unseren Breiten dürften niedrigere Werte anfallen. 


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