Sportwagen der Superlative McLaren 720S Spider: Der Flügelstürmer

Fixer Flachmann: Der McLaren 720S Spider ist ein Sportwagen der absoluten Superlative. Foto: HausfeldFixer Flachmann: Der McLaren 720S Spider ist ein Sportwagen der absoluten Superlative. Foto: Hausfeld

Osnabrück . Es gibt Autos, die entziehen sich jedweder Normalität. Der McLaren 720S Spider ist so ein Fahrzeug: Vier-Liter-V8-Motor, 720 PS, in weniger als acht Sekunden auf Tempo 200, mindestens 280000 Euro teuer. Ein Auto für eine ganz, ganz spitze Zielgruppe.

Eine Zielgruppe, die erwartet, etwas ganz Besonderes zu bekommen – was hier der Fall ist. Anders als beispielsweise bei Maserati, Bentley oder Lamborghini, die bei ihren Mutterkonzernen Fiat bzw. Volkswagen ins Konzernregal greifen und so ihre Luxuskarossen ein wenig gewöhnlicher machen, ist der 720S Spider eine Mc-Laren-Eigenentwicklung. Hier findet man keinen Schalter oder Knopf, den man bei einer anderen Marke im Cockpit vorfindet. 

Der Supersportwagen bietet dem Fahrer einige Extravaganzen: Auf Wunsch klappt das digitale Fahrerdisplay im Sport- oder Rennmodus um, zeigt nur noch einen schmalen Schlitz mit Geschwindigkeit und Drehzahl, um den Fahrer nicht abzulenken – ein echter Gag, mindestens so effektheischend wie das Hardtop-Dach, das in elf Sekunden öffnet und schließt. Fahrwerk und Antriebsstrang können in verschiedenen Stufen geschärft werden. In den sportlichen Modi werden, wenn nicht weggeklappt, im Fahrerdisplay auch Details wie die Reifentemperatur angezeigt.

Show und Pose

Der ultraflache Racer (Höhe: 1,12 Meter) setzt auf Show und Pose: Das Lupfen des Dachs, der Heckmotor, der im Dunkeln rot beleuchtet wird, die wie Segelohren abstehenden Seitenspiegel und natürlich die Schmetterlingstüren, die allerspätestens das Interesse aller Umstehenden auf das Auto und die Insassen ziehen, all das ist nicht alltäglich. Wer dann schwungvoll aus dem Sitz nahe des Straßenbelages aussteigen möchte, sollte das besser vorher ohne Publikum üben.

Überraschend ist die Tatsache, dass der McLaren im Alltag kein brettharter Vertreter ist, der Kopfsteinpflaster meiden muss. Durchaus kommod bewegt er maximal zwei Passagiere auch über schlechtere Straßen; allerdings schlagen in der Stadt die sensiblen Parksensoren schon mal an, wenn sich das Fahrzeug langsam Temposchwellen nähert – was nachvollziehbar ist, denn die sensiblen Teile sitzen hier besonders tief. An der Ampel wartend wirken beim Blick aus dem Fenster auch kompakte SUVs eher wie Blechmonstren.

Bis zu 340 km/h

Theoretisch treibt der V8 das Blech auf maximal 340 km/h – aus diversen Gründen folgte im Test keine Überprüfung dieser Zahl. Die Beschleunigung als solche ist schon beeindruckend genug, auch die Spurtreue, die der 720S dabei an Tag legt. Zumindest in den Modi Comfort und Sport, bei aktiviertem ESP, zuckt der Hecktriebler nicht mal ein bisschen beim Tritt aufs Gaspedal. Der Heckflügel, ein weiterer Bestandteil des Posing- und Showprogramms, fährt zwecks Bremsverstärkung hoch – wie ein Flugzeug bei der Landung seine Klappen ausfährt.

Verbrauch? Natürlich viel zu viel, um als zeitgemäß zu gelten. Was aber angesichts der Verkaufs-Stückzahlen nicht ganz so ins Gewicht fällt. Ein bisschen automobile Freude sollte auch 2019 noch möglich sein – zumindest bei den Menschen, die einen McLaren 720S Spider auf der Straße oder dem Parkplatz sehen und den Fahrer darauf ansprechen.

Am Ende ist der britische Racer eben etwas ganz Besonderes: Ein Supersportler, der von jedermann beherrschbar ist, der aber für den Experten im Grenzbereich eine Herausforderung darstellt.


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