Ihr regionaler Kfz-Markt

Audis e-tron quattro 55 Audi kommt elektrisch: Aufladen und angreifen

Von Guido Borck

Meine Nachrichten

Um das Thema kfz-welt Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Ende 2018 bringt Audi sein erstes Elektroauto. Der neue e-tron zeigte sich auf seiner Weltpräsentation zum ersten Mal ungetarnt, verfügt über eine Reichweite von 400 Kilometern und will das Feld der E-Autos aufmischen.

San Fransisco Audis Antwort auf eine emissionsfreie Mobilität hört auf den Namen e-tron quattro 55. Mit dem neuen elektrischen Allrad-SUV planen die Ingolstädter den Angriff gegen Teslas Model X, dem bald debütierenden Mercedes EQC sowie dem bereits erhältlichen Jaguar I-Pace. Für die Weltpräsentation von Audis erstem rein elektrischen Serienfahrzeug wählten die Ingolstädter ausgerechnet San Francisco aus. Kein Zufall, schließlich liegt die Stadt an der kalifornischen Westküste direkt vor den Toren des Elektro-Trendsetters Tesla. Auch das gewählte Motto war bei der Enthüllung von Audis neuem Stromer mit „The charge“ überaus scharfzüngig gewählt. Der englische Claim heißt übersetzt nicht nur Aufladen, sondern steht gleichzeitig auch für Angriff. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Doch damit nicht genug. Audi wird seinen Stromer zur Markteinführung im November zu einem Kampfpreis anbieten. Der 4,90 Meter lange e-tron startet mit seiner 95 kWh starken Lithiuim-Ionen Batterie bei 79900 Euro. Verglichen mit Teslas Model X ist der in Brüssel gebaute e-tron dagegen fast schon ein Schnäppchen. Die Amerikaner offerieren ihr Elektro-SUV nämlich erst ab 94850 Euro und beim Basismodell auch nur in Kombination mit einem schwächeren 75kWh Stromdepot. Richtig günstig ist dagegen der Jaguar I-Pace, der mit 90 kWh starken Akkus für 77850 Euro zu haben ist. Der Brite ist allerdings mit einer Außenlänge von 4,68 Metern um einiges kürzer und zugleich eine Fahrzeugklasse kleiner. Anders auch als beim Jaguar I-Pace steht der Audi e-tron nicht auf einer eigenständigen Plattform, sondern nutzt mit dem modularen Längsbaukasten (MLB) den mannigfaltigen Konzern-Baukasten auf dem unter anderem auch der konventionelle Q5 steht.

Allrad dank E-Motoren

Für reichlich Kraft ist beim e-tron gesorgt. Ein Elektromotor mit einer Leistung von 125 kW (170 PS) befindet sich vorne, ein weiterer mit 140 kW (190 PS) treibt die Hinterachse an. Beide E-Maschinen entfalteten eine Gesamtsystemleistung von 265 kW (360 PS) und im Verbund wird das maximale Drehmoment 561 Nm für ordentliche Fahrleistungen sorgen. Den Sprint von Null auf Tempo 100 erledigt der e-tron in nur 6,6 Sekunden und über eine Boost-Funktion geht es kurzfristig sogar innerhalb von nur 5,7 Sekunden vorwärts. Zugunsten einer höheren Reichweite ist die Höchstgeschwindigkeit dagegen auf 200 km/h elektronisch begrenzt.

Das 95-kWh-Batteriepack befindet sich crashsicher zwischen den Achsen im Wagenboden und ist exakt 699 Kilogramm schwer. Die Lithium-Ionen Akkus bestehen aus 432 Zellen, die auf 36 quaderförmige Module aufgeteilt sind. Damit das Speicherdepot möglichst oft in einem effizienten Fenster arbeiten kann, wird es bei kalten Temperaturen über das Heizungssystem erwärmt und im Sommer gekühlt. Die Reichweite gibt Audi nach dem neuen und zugleich realitätsnäherem Messverfahren WLTP an. Gute 400 Kilometer sind es. Zumindest unter besten Bedingungen, denn im Winter dürfte der Aktionsradius trotz aufwändiger Klimatisierung erfahrungsgemäß um einige Kilometer sinken. Die Stärke der Energierückgewinnung (Rekuperation) kann der Fahrer über die Lenkrad-Pedals beeinflussen und so die Reichweite auf bis zu 30 Prozent steigern.

Schnelles Laden

Geht es ums Stromzapfen, sind die Batteriespeicher an einer Schnellladestation mit 150 kW in nur 30 Minuten zu 80 Prozent wieder befüllt. Derzeit sind solche High-Power-Ladenetz aber noch recht selten, deshalb plant Audi zusammen mit dem Energieversorger Ionity einen Ausbau der flinken Stromzapfsäulen auf rund 400 Stück bis zum Jahr 2020. Auch das Problem der gut 220 verschiedenen Stromanbieter in Europa will Audi lösen. So soll der Fahrer über einem Audi-Servicevertrag an den Ladestationen künftig mit nur einer Karte komfortabel und vor allem wesentlich unkomplizierter bezahlen können.

Fahren durften wir den Audi e-tron bei seiner Weltpremiere noch nicht. Der tiefe Schwerpunkt der Batterien im Fahrzeugboden und die kompakte Anordnung der Elektromotoren lässt jedoch bereits jetzt schon auf eine hohe Agilität schließen. Zudem war aus Entwicklerkreisen zu hören, dass der elektrifizierte Quattro-Antrieb mit seinen beiden E-Motoren noch bessere Offroad-Eigenschaften als die bisherig bekannten Allroad-Modelle von Audi haben soll. Was wir dem Audi-Stromer allerdings schon jetzt nach unserer ersten Sitzprobe bescheinigen können, ist ein reichhaltiges Platzangebot. Insbesondere der Fond wartet mit einer üppigen Kniefreiheit auf. Kein Wunder, denn der Radstand ist mit 2,93 Metern beim Audi e-tron enorm und der Kofferraum reicht vom Volumen her auch für den größeren Ausflug aus.

Kameras statt Spiegel

Auch sonst ist der Stromer auf der Höhe der Zeit. Das Cockpit übernimmt mit seinen insgesamt drei Bildschirmen Anleihen aus dem neuen A6 oder dem A8 und die Karosserie zeigt mit unter anderem aktiv gesteuerten Lamellen im breiten Singleframe-Kühlergrill sowie glattflächigem Fahrzeugboden einen hohen aerodynamischen Feinschliff. Um dem Fahrtwind weniger Angriffsfläche zu bieten, senkt die serienmäßige Luftfederung den e-tron bei höheren Geschwindigkeiten automatisch ab. Außerdem sollen zwei äußerst schlanke Kamerasysteme, die die herkömmlichen Außenspiegel ersetzen, etwas mehr Reichweite bringen. Für 1540 Euro extra projizieren die ihr Bild auf zwei hochauflösende Displays, die sich in den oberen Türverkleidungen befinden.

Optisch hätte der e-tron dagegen ruhig etwas mutiger ausfallen können. Mehr Eigenständigkeit wie bei Jaguar und Tesla hätten sicherlich auch Audis alternativem Stromer gut zu Gesicht gestanden. So greift die Frontpartie beim e-tron Elemente aus Audis Q-Baureihen auf, von hinten gibt sich der e-tron dagegen an seiner steil stehenden Heckklappe nebst breitem Rückleuchtenband zu erkennen. Aber vielleicht mögen es die zukünftigen Audi-Kunden ja auch lieber dezent.

Elektro-Offensive

Der neue e-tron ist zunächst erst der Anfang einer Elektro-Offensive von Audi. Bis 2025 wollen die Ingolstädter 20 neue E-Modellen auf den Markt bringen, dazu zählen auch teilelektrifizierte Plug-in-Hybride. Den Anfang macht der e-tron im November dieses Jahres, Ende 2019 wird es auch eine Sportback-Variante geben und gegen 2021 startet ein besonders sportliches E-Performance-Modell, welches in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelt wird. Einen ersten Ausblick auf den Taycan-Bruder von Audi wird es auf der nächsten Motorshow in Los Angeles geben. Dort soll der dritte Stromer zunächst als Konzeptstudie mit der Bezeichnung e-tron GT der Öffentlichkeit präsentiert werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN