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Leistungssport mit Spagat Mercedes-AMG GT 4-Türer: Mehr Komfort als Krawall

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Mercedes-AMG bringt mit dem GT 4-Türer Coupé eine sportliche viertürige Coupé-Limousine, die zwar einen ziemlich einfallslosen Namen trägt, aber, sobald von der Kette gelassen, ziemlich direkt zur Sache kommt.

Affalterbach Klar: Die Zielgruppe für dieses Fahrzeugs ist, zumindest in Europa, ziemlich spitz. In arabischen Märkten oder in den USA dürfte es mehr Menschen geben, die sich von dem Konzept „Sportwagen trifft Limousine trifft Alltagsauto trifft überbordende Leistung“ im Stile eines Porsche Panamera überzeugen lassen. Grundlagen sind zum einen der Mercedes-AMG GT mit sportwagentypischen zwei Türen sowie der Mercedes CLS, der deutlich zivilere Bruder im Segment der Coupé-Limousinen.

Wie es sich für ein AMG-Modell gehört, steht Leistung im Vordergrund. Schon der AMG GT 43 kommt auf 367 PS aus einem Drei-Liter-Reihensechszylinder – da verbietet sich der Terminus „Einstiegsmodell“. GT 53 (435 PS), GT 63 (585 PS) und GT 63S (639 PS) heißen die weiteren Leistungssportler, die je nach Version mit zahlreichen technischen Details und Highlights ausgestattet sind. Dazu gehören beispielsweise serienmäßig die Neun-Stufen-Automatik, der Allradantrieb oder ein Fahrwerk, das den Spagat zwischen Rennstrecke und Langstrecke schafft.

Der Innenraum legt auch einen Spagat hin: Er ist gleichermaßen luxuriös wie technisch-modern. Auf der Mittelkonsole finden sich acht hochauflösende Displayschalter, zwei große Displays (teilweise gegen Aufpreis) dominieren das Cockpit, auf dem Lenkrad wird mit zahlreichen Tasten und zwei kleinen Touchpanels durch zahllose Funktionen gewieselt, optional oder serienmäßig beim GT 63S kann über einen kleinen Drehregler mit Display das Fahrprogramm ausgewählt werden – das haben die Schwaben deutlich wertiger hinbekommen als die Landsleute und Kontrahenten von Porsche, wo ein billig anmutender Drehknopf diese Funktion übernimmt.

Die Steuerung des Zentralbildschirms über eine berührungsempfindliche Fläche oberhalb des Automatikwählhebels ist dagegen nicht hundertprozentig gelungen – hier muss man häufig korrigieren, wenn man etwa bei der Eingabe einer Adresse im Navigationssystem mehrere Anläufe braucht, ehe man die korrekte Adresse eingegeben hat. Die Einstellungs- und Konfigurationsmöglichkeiten sind annähernd unendlich. Die Anzahl der Sitzplätze wird bei der Bestellung ausgewählt: Vorne zwei, klar, hinten entweder zwei Einzelsitze, eine Dreierbank oder eine luxuriöse Reiselounge mit zwei Einzelsitzen und zahlreichen Business-Class-Elementen in der Mittelkonsole.

Ob man nun das GT 4-Türer Coupé regelmäßig mit vier oder fünf Personen besetzt, sei dahingestellt – ausgerichtet ist der Gran Turismo aber in erster Linie auf den Fahrer. Der erfreut sich an sportwagentypischen Dingen: Einer ultradirekten Lenkung, fein dosierbaren Bremsen, einem variabel einstellbaren Fahrwerk, das sowohl den Racetrack problemlos meistert als auch die Landstraße oder die Innenstadt, einer angenehm unkrawalligen Akustik (kein Fehlzündungsfeuerwerk oder Zwischengasorgien) – und natürlich vor allem einer atemberaubenden Beschleunigung.

Der GT 63S etwa, der für ausgiebige Testfahrten zur Verfügung stand, benötigt den Wimpernschlag von 3,2 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100, schafft maximal 315 km/h. Auch den GT 43, der 4,9 Sekunden braucht, muss man nicht verdächtigen, in Zeitlupe unterwegs zu sein.

Beim Zählen des notwendigen Geldmaterials sollte man wohl besser ebenfalls nicht im Zeitlupenmodus unterwegs sein – könnte sonst arg lange dauern: Der günstigste Vertreter, eben jener GT 43, startet bei 95259,50 Euro. Der GT 63S am anderen Ende der Preisliste kostet mindestens 167016,50 Euro. Ob es bei solchen Preisen nicht doch eines schöneren Namens – siehe Panamera! – bedurft hätte als AMG GT 4-Türer Coupé – das muss jeder für sich entscheiden.


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