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Test-Tagebuch Volvo XC90: Heißer Süden, kühler Schwede

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Fünf Personen plus Gepäck an Bord, eine knapp 1250 Kilometer lange Fahrt in die französische Provence und wieder zurück – dafür nimmt man nicht jedes Gefährt. Wie schlägt sich der kühle Volvo XC90 im heißen Süden zwischen Côte d‘Azur und dem Luberon? Ein Test-Tagebuch.

Tag 1: Packen

Koffer rein, Koffer raus, umpacken, ausprobieren: In welcher Kombination passen fünf Personen, Koffer, Taschen und Krimskrams für 14 Tage ins Auto? Um die Situation mit drei Kindern auf der Rücksitzbank nicht schon kurz hinter Münster eskalieren zu lassen, werden alle drei Sitzreihen in Anspruch genommen, so dass der Nachwuchs mit genügend Abstand zueinander reisen kann. Wie lässt sich noch gleich der mittlere Sitz der zweiten Reihe wieder zurückklappen? Ein gedrucktes Handbuch gibt es nicht – dafür ein digitales. Stichwort „Sitz“ auf dem Touchscreen eingeben, kurz gescrollt – gefunden und den Sitz wieder zurückgeklappt.

Tag 2: Die Hinfahrt

Knapp 1250 Kilometer zeigt das Navigationssystem an. In Deutschland fährt man schon mal 160 km/h, muss dafür gefühlt alle zehn Minuten durch eine Baustelle. Ab der Grenze zu Luxemburg hören die Baustellen schlagartig auf – bis kurz vor der finalen Autobahnabfahrt Auriol werden wir davon verschont. Auf der Autoroute du Soleil sind die Fahrbahnmarkierungen und insbesondere das Tempolimit von maximal 130 km/h offenbar nur unverbindliche Empfehlungen – ich lasse den adaptiven Tempomat dennoch auf 135, spule so tiefenentspannt Kilometer um Kilometer ab. Ab Lyon gibt‘s dann Stop-and-go. Bei bis zu 43 Grad Außentemperatur wird es den Parksensoren offenbar zu heiß, sie signalisieren permanent drohende Parkrempler-Gefahren, wo definitiv keine sind. Dafür macht der Pilot Assist seine Sache gut, er fährt im Stau komplett autonom, man muss nur gelegentlich das Lenkrad berühren und nach Fahrzeugstillstand wieder das Gaspedal antippen.

Tag 3: Auriol

Frankreich ist kein Land für große SUVs– auch wenn man den Peugeot 3008 dort an jeder Straßenecke sieht. Kleine Straßen und Gassen in den Städten, die zweispurige Auffahrt zum Supermarkt-Parkplatz füllt der XC90 alleine aus.

Tag 4: Sainte Baume

Maria Magdalena hat der Legende nach die letzten 30 Jahre ihres Lebens hier verbracht – als die engen Straßen durchs Gebirge gebaut wurden, dachte noch niemand an SUVs. Gut, dass die 360-Grad-Ansicht der diversen Kameras an Bord hilft, wenn ich wieder mal einem entgegenkommenden Auto ausweichen muss und in einer kleinen Bucht am Straßenrand Zuflucht finde.

Tag 5: La Ciotat

Auf dem Weg zur Hafenstadt stelle ich die Navi-Option „Mautstraßen vermeiden“ ein. Schlechte Idee: Statt über die kostenpflichtige, aber bestens ausgebaute Autobahn werden wir über winzige Straßen geführt, die so schmal sind, dass man die Seitenspiegel einklappen muss. Abends in Aubagne gibt es tatsächlich ein Parkhaus, bei dem die Planer offenbar schon mal von Autos gehört haben, die größer als eine Ente sind.

Tag 6: Aix-En-Provence

Alle Baustellen Frankreichs scheinen in Aix-En-Provence errichtet worden zu sein. Umleitungen, Einbahnstraßen und verwirrende Schilder, wohin man schaut. Neuer Straßenbelag heißt nicht, dass Kanaldeckel nicht urplötzlich 25 Zentimeter ungeschützt in die Luft ragen. Wohl dem, der gute Dämpfer hat– der XC90 hat serienmäßig und ohne optionales adaptives Dämpfersystem genügend Reserven, um auch solche mediterranen Gemeinheiten zu schlucken.

Tag 7: Marseille

Auf der Autobahn in Richtung der zweitgrößten Stadt Frankreichs geht es oft bergab, der Verbrauchsdurchschnitt sinkt auf unter sechs Liter, während die 235 PS starke Allrad-Diesel-Kombination ansonsten mit knapp neun Litern bewegt wird. Wie in allen Städten Frankreichs haben rote Ampeln für Fußgänger keinerlei einschränkende Bedeutung – als Autofahrer muss man jederzeit damit rechnen, dass jemand spontan vors Auto läuft. Falls man doch einmal unaufmerksam sein sollte, hat der Schwede noch ein serienmäßiges City-Safety-System an Bord, das auch Unfälle mit Fußgängern vermeidet.

Tag 8: Auriol

Auf dem Weg zum Bäcker sind die Straßen so eng, dass auch hier nur ein Auto durchpasst. Da die Franzosen aber offenbar auch vor uneinsehbaren und engen Stellen ausgesprochen oft zu schnell fahren, sind regelmäßig gigantische Teer-Ballen auf den Straßenbelag gebaut worden, um das Tempo zu reduzieren. Erstaunlich, dass all die Twingos und Berlingos hier überhaupt klarkommen. Weniger erstaunlich, dass es jede Menge französische Rallyecracks gibt. Hier lernt man das Schnellfahren früh.

Tag 9: Nizza

Auf der Grand Corniche zwischen Nizza und der italienischen Grenze hat sich schon James Bond Verfolgungjagden mit Superschurken geliefert. Davon lassen sich insbesondere die Motorradfahrer inspirieren, die hier halsbrecherisch unterwegs sind und kein Auge für die atemberaubende Aussicht auf das blaue Meer der Côte d‘Azur haben. Der XC90 ist sicherlich kein James-Bond-kompatibler Kurveneroberer, dafür aber ein äußerst komfortables Reisegefährt, in dem man das beeindruckende Panorama zwischen Bergen und Meer entspannt genießt.

Tag 10: Aubagne

Wie schaffen es die Franzosen, sich von maximal drei Autobahn-Spuren auf 30 Fahrgassen vor den Mautstationen zu verteilen und anschließend aus 30 Fahrspuren wieder drei zu machen, ohne dass es zu gigantischen Blechschäden kommt? Für Deutsche, die regelmäßig verzweifeln an der hiesigen Unfähigkeit, ein einfaches Reißverschlussverfahren hinzubekommen, eines der größten Rätsel der Zivilisation.

Tag 11: Marseille

Abends auf dem Weg zur Kirche Notre-Dame de la Garde gibt‘s ein echtes Novum: Das erste Mal sind zwei Ampeln hintereinander grün. Bislang mussten wir noch an jeder Ampel warten – gut, dass das Start-Stopp-System im Volvo auch bei 35 Grad und maximaler Klimaanlagenleistung funktioniert.

Tag 12: Avignon

Die Hauptstraße in Avignon ist von Baumwurzeln derart verformt, dass auch die Komfortdämpfer im Volvo kapitulieren müssen. Auch hier gibt es gigantische Baustellen und ein veritables Verkehrschaos – man wünscht sich fast nach Osnabrück zurück mit seinem dichtmaschigen Baustellen-Netz. Fast.

Tag 13: Rückreise

Das Koffer-Tetris von der Hinreise entfällt – der Gepäckraum ist schnell befüllt, die 1250 Kilometer Heimreise in gut 13 Stunden geschafft – ohne Stau, mit 8,2 Litern Dieselschnitt auf 100 Kilometern.

Tag 14: Osnabrück

Ach, wie schön war doch das Verkehrschaos in Avignon...


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