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Sportliches SUV Mediterraner Sturm – der Maserati Levante im Test

Von Lothar Hausfeld


Osnabrück Auch noch Maserati: Die Anzahl der Hersteller, die kein SUV im Angebot haben, tendiert immer mehr gegen Null. Der getestete Levante S mit 430-PS-V6-Benziner bietet trotz Hochsitz-Bauweise aber noch ziemlich viel Sport.

Grauer Alltag: Levante heißt ein mediterraner Wind, und zwar ein warmer Luftstrom, der von einem sanften Hauch innerhalb Sekunden zu einem starken Sturm anschwellen kann. Ein Vergleich, der beim Anblick des Levante durchaus naheliegend erscheint. Der Italiener ist auf den ersten Blick als sportliches SUV erkennbar. Zumindest wenn man ihm ins Gesichts schaut – hier sieht er so aggressiv aus, als wolle er alle anderen Autos einfach auffressen. Am Heck wirkt der Maserati dagegen deutlich beliebiger. Vorne sitzt man ganz ordentlich, auch als großer Mensch. Hinten gibt es nicht ganz so viel Platz. Da wundert man sich schon, dass der Levante mehr als fünf Meter lang ist.

Ins Blaue fahren: Schon im Normalmodus spielt der Levante lässig seine 430 PS aus. Verschiedene Fahrmodi stehen zur Verfügung. „I.C.E.“ ist nicht der Expressmodus, sondern steht für „Increased Control & Efficiency“ – quasi der Öko-Modus. Wobei „Öko“ in etwa so zutreffend ist wie der Zusatz „Diät“ für eine Pizza, die fünf Minuten kürzer im Ofen backt. Im Sportmodus wird der Levante endgültig zum Sportwagen, brüllt, keift und bellt aus dem Auspuff. Ein echter Kurvenräuber ist er aber nicht – da macht sich bemerkbar, dass er, obwohl er sonst sehr, sehr leichtfüßig wirkt, über 2,1 Tonnen wiegt. Der Levante rennt bis zu 264 km/h schnell, doch bei höheren Tempo wirkt er etwas flatterhaft. Aber mal ehrlich: Wer in einem 2,1-Tonnen-SUV mehr als 200 fährt, hat doch eh nicht alle Tomaten auf der Pizza.

Grüne Welle: Mindestens zwölf, eher 14 Liter auf 100 Kilometer sollte man einplanen.

Rosa Brille: Die Acht-Gang-Automatik verdient die Bezeichnung „perfekt“. Nicht wahrnehmbar wechselt sie die Fahrstufen.

Rotes Tuch: Im Innenraum gibt es viel Leder, aber auch unschönes Hartplastik oder ästhetisch zweifelhafte Hebel. Das hat man sicher Controlling-Spaßverderbern zu verdanken, die nur im Regal liegende Bauteile von Maseratis Muttergesellschaft Fiat genehmigt haben.

Schwarz auf weiß: Es ist nicht unbedingt die Stimme der Vernunft, die einen Käufer bewegt, 91000 Euro für einen Maserati Levante S Q4 zu bezahlen. Mit ein paar weiteren Extras kommt der Testwagen sogar auf fast 116000 Euro. Aber Vernunft ist eben nicht alles.