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Elektroauto in zweiter Auflage Nissan Leaf: Ein ganz normales Auto

Von Lothar Hausfeld


Der Durchbruch der Elektromobilität stand diversen Experten zufolge schon des öfteren bevor. Stattgefunden hat er bislang noch nicht. Auch der Nissan Leaf der zweiten Generation wird vermutlich nicht den ganz großen Durchbruch bringen – aber er ist ein Schritt in diese Richtung.

Brühl. Rund 5000 Exemplare des reinelektrischen Leaf haben die Japaner hierzulande in fünf Jahren verkauft. Die zweite Generation wurde bereits vor Marktstart rund 3000 Mal bestellt. Am Ende des Jahres, so Produktmanager Michael Jansen, hofft man, dass man die 5000 Stück vollgemacht hat – innerhalb eines Jahres wäre man dann auf die Verkaufszahl gekommen, für die man zuvor das fünffache an Zeit gebraucht hat.

„Liegenbleiben ist fast unmöglich“, widerspricht Jansen der Ur-Angst der Deutschen vor dem Elektroauto: Dass der Strom ausgeht und es weit und breit keine Möglichkeit des Nachladens gibt. Zum einen wurde die Reichweite ausgebaut – von 122 Kilometern beim allerersten Leaf auf jetzt 285 Kilometer. Ermittelt wurde das nach dem neuen WLTP-Prüfverfahren, das deutlich realistischere Ergebnisse liefert als das bisherige NEFZ-Verfahren. In der Stadt sollen es bis zu 415 Kilometer sein, die der Leaf lautlos rollen kann, ohne an die Steckdose anzudocken.

Zum anderen wurde die Anzahl der Ladepunkte deutlich aufgestockt. Mehr als 1600 Schnellladepunkte gibt mittlerweile in Deutschland, mehr als 1000 entsprechen dabei dem CHAdeMO-Standard, mit dem der Leaf beladen wird. Das ist, verglichen mit den 14500 Tankstellen, die es derzeit in Deutschland gibt, immer noch wenig, aber dennoch ein starker Anstieg innerhalb der letzten drei Jahre.

An einer Schnellladestation lädt der Leaf innerhalb 40 bis 60 Minuten zu 80 Prozent voll. An einer Wallbox sollte man über Nacht laden, an der Haushaltssteckdose benötigt man bis zu 18 Stunden, ehe aus 0 Kilometern Reichweite wieder 285 Kilometer werden. Mit ein wenig Planung und Unterstützung durch die Nissan-Smartphone-App, die unter anderem Ladepunkte in der Region anzeigt, lassen sich auch längere Strecken bewältigen.

Optisch tritt der Leaf weniger expressionistisch auf als in der ersten Generation. Es wurde zwar an zahllosen Details gefeilt, um den Luftwiderstand zu verringern und so mehr Reichweite zu ermöglichen, doch insgesamt wirkt der Leaf eher wie ein ganz normales Auto, das nicht als Elektroauto zu erkennen ist. Auch innen wurde aufgeräumt. „Digital trifft analog“ lautet das Motto des Cockpits, wo jetzt weniger schrille Animationen in den Displays zu finden sind.

Die Leistung des Leaf stieg auf 150 PS, das Drehmoment auf 320 Newtonmeter, so dass der Sprint von 0 auf 100 in beeindruckenden 7,9 Sekunden gelingt. Das Fahren mit dem neuen Leaf wird geprägt von einer entscheidenden Neuheit: dem e-Pedal. Wenn diese Funktion aktiviert ist, rekuperiert das Auto beim Bremsen und Rollen deutlich stärker, so dass man zu 90 Prozent ohne Einsatz des Bremspedals auskommt. Es reicht, einfach den Fuß vom Gaspedal zu nehmen: Der Effekt, dass dann Bremsenergie in den Batteriespeicher fließt, genügt, um bis auf 0 km/h zu bremsen. Bereits nach wenigen Kilometern hat man den Dreh raus und erfreut sich an einem ausgesprochen flüssigen Fahren.

Vier Erwachsene finden Platz, auch Kofferraum (435 Liter) und Zuladung (355 bis 415 Kilo) sind in Ordnung, so dass in vielen Fällen der Leaf als alltagstaugliches Fahrzeug eingesetzt werden kann. Die Preise starten ab 31950 Euro – für ein Kompaktfahrzeug immer noch eine stattliche Ansage. Auch wenn der Leaf viel mehr von einem ganz normalen Auto hat: Die Bereitschaft, für die eben noch nicht alltägliche Technologie einen Zuschlag zu bezahlen, wird immer noch benötigt.