Eine von 24 Versionen im Test Porsche 911 Carrera 4 GTS: Schneller Chromausfall



Osnabrück. Ein 911er ist ein 911er? Weit gefehlt – das Modell, das trotz aller Cayennes, Macans und Panameras immer noch das Herzstück Porsches ist, gibt es in nicht weniger als 24 unterschiedlichen Versionen. Im Test: der Porsche 911 Carrera 4 GTS mit 450 PS, Allradantrieb und Doppelkupplungsgetriebe.

Grauer Alltag: Der GTS ist die Version, die sich Kunden zulegen, denen ein Turbo S vielleicht eine Idee zu teuer und ein GT3 zu sehr auf Rundkurs getrimmt ist, die aber dennoch annähernd dynamisch unterwegs sein und den Alltag bewältigen wollen. Soweit klar? Für Außenstehende ist der GTS „nur“ ein weiteres Derivat einer Sportwagenlegende, Porsche-Enthusiasten erkennen den GTS direkt an den schwarzen Felgen und dem kompletten Verzicht auf Chrom. Im Innenraum dominiert im Serienzustand reichlich Alcantaraleder sowie eine breite Mittelkonsole mit vielen Knöpfen – je mehr beschriftet sind, umso teurer war der Fahrzeugkauf.

Ins Blaue fahren: Über die Tatsache, dass statt eines Saugers bei Porsche jetzt Turbos zum Einsatz kommen, regt sich hoffentlich niemand mehr auf – es wäre auch albern. Der drei Liter große Sechszylinder mit Biturbo-Aufladung knurrt giftig, spricht genauso giftig auf Gaspedalbewegungen an, liegt dank breiterer Spur und ausfahrbarem Heckspoiler satt auf der Straße. Ja, auf der Straße, nicht nur auf der Rennstrecke. Und im Alltag, sofern nicht im drehzahlspendablen Sport-Modus unterwegs, sogar zivil klingend und kommod federnd.

Grüne Welle: 8,5 Liter sind ermittelt worden. Theoretisch. Relativ einfach lässt sich der doppelte Wert einfahren. Mit ein wenig Disziplin bleibt man so gerade eben noch im einstelligen Bereich.

Rosa Brille: Das „Sport Chrono Paket“ ist im GTS serienmäßig enthalten, erlaubt per Knopfdruck eine noch sportlichere Abstimmung von Fahrwerk, Motor und Getriebe in zwei Abstufungen – kernig brüllende Fehlzündungen, wenn man den Fuß vom Gaspedal lupft, inklusive.

Rotes Tuch: Der Schalter für die Funktionen des Sport Chrono Pakets ist ausgesprochen unästhetisch und unpassend zum Rest des hochwertig eingerichteten Cockpits – ein runder Plastikknopf nämlich.

Schwarz auf weiß: Braucht es 24 Versionen des Porsche 911? Natürlich nicht. Genügend Käufer finden sich trotzdem. Auch für den GTS, der mindestens 125760 Euro kostet. Als Allradler sind 133138 Euro der Einstiegspreis; das Testmodell verschlingt 152480 Euro – und das ganz ohne Chrom.


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