Erstmals Freizeitbeschäftigung auf Liste WHO will Video-Spielsucht als psychische Krankheit einstufen

Von Waltraud Messmann

Die Weltgesundheitsorganisation will die Video- Spielsucht als Krankheit klassifizieren. Foto:Imago/Jochen TackDie Weltgesundheitsorganisation will die Video- Spielsucht als Krankheit klassifizieren. Foto:Imago/Jochen Tack

Osnabrück. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Video-Spielsucht voraussichtlich im Mai 2018 als Krankheit klassifizieren.

Sie soll dann in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) aufgenommen werden. Aus dem bereits veröffentlichten Entwurf der neuen ICD-Version geht hervor, dass die Gamingsucht im Bereich „Psychische, Verhaltens- oder neurologische Entwicklungsstörungen“ unter Glücksspielsucht eingeordnet werden soll. Beschrieben wird sie dort als „Störung aufgrund von Suchtverhalten“. Wie das Internetportal „Futurezone“ schreibt, wäre es das erste Mal, dass die WHO eine Freizeitbeschäftigung als problematisch für die Gesundheit klassifiziert.

„Gesundheitsexperten müssen erkennen, dass Spielstörungen ernsthafte gesundheitliche Folgen haben können“, erklärt dazu Vladimir Poznyak von der WHO-Abteilung für psychische Gesundheit und Drogenmissbrauch in einem Bericht der britischen Zeitung „Independent“.

Den WHO-Experten zufolge äußert sich eine Spielstörung unter anderem durch eine „zunehmende Priorität für das Spielen in dem Maße, in dem das Spielen Vorrang vor anderen Lebensinteressen und täglichen Aktivitäten hat“. Das Verhaltensmuster sei so schwerwiegend, dass es in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen könne.

Poznyak sagte der „Independent“ aber auch, dass die meisten Videospieler keine Störung hätten. Unter bestimmten Umständen könne jedoch eine übermäßige Nutzung nachteilige Auswirkungen haben.