„Immer mehr Schwachstellen“ BSI-Chef Schönbohm: Erhebliche Qualitätsmängel bei IT-Produkten

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Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm. Foto:Imago/ HRSchulzDer Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm. Foto:Imago/ HRSchulz

Osnabrück. Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Arne Schönbohm möchte die Hersteller von IT-Produkten stärker in die Pflicht nehmen. Das sagte er in einem Interview mit unserer Redaktion.

Sollte es Ihrer Ansicht nach eine Art Update-Pflicht der Hersteller geben?

Viele Software- und Hardware-Produkte werden mit teils erheblichen Qualitätsmängeln in Form von Schwachstellen auf den Markt gebracht. Die Zahl der Schwachstellen nimmt stetig zu. Hersteller von IT-Produkten müssen hier Verantwortung übernehmen und sind aufgefordert, ihren Kunden sichere Produkte bereitzustellen und sollten den sicheren Betrieb auch über einen bestimmten Zeitraum hinweg in Form von Updates gewährleisten.

Wie soll das konkret aussehen?

Darüber wird im Detail noch zu reden sein. Als nationale Cyber-Sicherheitsbehörde bieten wir Unternehmen schon jetzt die Möglichkeit an, ihre Produkte zertifizieren zu lassen. In Umsetzung der Cyber-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung sind wir zudem dabei, ein Gütesiegel für IT-Produkte zu entwickeln, um künftig den Verbrauchern eine Einschätzung zur Sicherheit der Produkte zu erleichtern. Wir können uns Qualitätsmängel dieser Art nicht leisten, wenn wir erfolgreich in der Digitalisierung sein wollen. Daher sind die Anbieter gefragt.

Was können die Anwender tun?

Die Anwender von IT sollten bei der Kaufentscheidung ihr Augenmerk zukünftig neben Aspekten des Komforts oder des Preises auch auf die Sicherheit legen. Welche Auswirkungen die Ausnutzung von Schwachstellen haben kann, haben jüngst Vorfälle wie WannaCry oder der Ausfall Hunderttausender Telekom-Router gezeigt.

Welche Forderungen haben Sie in dieser Sache an die Politik?

Durch das IT-Sicherheitsgesetz und die Cyber-Sicherheitsstrategie hat die Bundesregierung einen wichtigen und richtigen Handlungsrahmen gesetzt und damit einen wesentlichen Schritt zu mehr Cyber-Sicherheit in Deutschland getan. Bewährte deutsche und europäische Sicherheitsstandards müssen in einer globalisierten Welt auch weiterhin gestärkt werden und erhalten bleiben. Security by Designund Security by Default müssen sich dabei als Grundregeln der Informationstechnik etablieren. Hierfür sollten Anreize und eine faire Risikoverteilung für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft geschaffen werden.


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