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Viel gemeinsam Welthundetag 2017: Wenn Herrchen gähnt, gähnt auch der Hund

Von Waltraud Messmann

Selbst auf dem Surfbrett sind Hund und Herrchen unzertrennlich. Foto: imago/Zuma PressSelbst auf dem Surfbrett sind Hund und Herrchen unzertrennlich. Foto: imago/Zuma Press

Osnabrück. Am heutigen Welthundetag wird der beste Freund des Menschen gefeiert. Doch woran liegt es eigentlich, dass wir uns von diesen Vierbeinern oft besser verstanden fühlen als von anderen Haustieren?

Hunde und Menschen leben schon seit etwa 15 000 Jahren zusammen. Das besondere Verhältnis zwischen Mensch und Hund beschäftigt immer wieder auch die Wissenschaft. Dabei kommen die Experten zu überraschenden Ergebnissen.

So wollen Forscher an der Universität Princeton herausgefunden haben, dass die Fähigkeit vieler Hunde, dem Menschen sehr nahe zu sein, zum Teil das Ergebnis eine Verhaltensstörung ist. Nach einem Bericht des Magazins „Scienxx“ ist das das Ergebnis eines DNA-Vergleichs von Hund und Wolf. Im Erbgut der Hunde ist demnach eine Genregion verändert, die offenbar eine entscheidende Rolle für das Sozialverhalten spielt. Es ist die gleiche Genregion, die beim Menschen eine durch übertriebene Anhänglichkeit und kindliches Verhalten gekennzeichnete Erbkrankheit auslöst. Die auch als Williams-Beuren-Syndrom bezeichnete Krankheit geht auf eine Genveränderung auf dem sechsten Chromosom zurück.

Die Forscher entdeckten auch bei den Hunden zahlreiche Einfügungen und Veränderungen in dieser Genregion. Sie gehen davon aus, dass dieser Gendefekt Hunden im Laufe der Geschichte angezüchtet wurde. Denn bei den untersuchten Wölfen war er nur sehr begrenzt vorhanden.

Kuschelhormon

Auch das Kuschelhormon Oxytocin spielt im Verhältnis von Hund und Herrchen eine große Rolle. Das haben Forscher aus Japan festgestellt. Sie beobachteten jeweils eine halbe Stunde lang 30 Hundebesitzer, die mit ihren Lieblingen interagierten – also sprachen, sie anschauten oder berührten. Eine Gruppe von Hundehaltern sollte möglichst intensiven Blickkontakt zu ihren Tieren suchen.

Es zeigte sich, dass der intensive Augenkontakt den Oxytocin-Spiegel bei Mensch und auch Tier ansteigen ließ. Brachten die Forscher Wölfe mit Menschen zusammen, fanden sie keinen solchen Zusammenhang – obwohl die Menschen die Wölfe aufgezogen hatten.

In einem zweiten Experiment sprühten die Forscher den Hunden Oxytocin in die Nase. Gegenüber einer Vergleichsgruppe suchten die mit dem Kuschelhormon besprühten Tiere besonders intensiv den Blickkontakt zu ihren Besitzern, was bei diesen wiederum eine Oxytocin-Ausschüttung bewirkte. Allerdings klappte das nur bei weiblichen Hunden.

Die Wissenschaftler gehen laut „Spiegel“ von einer Art Oxytocin-Regelkreis zwischen Hunden und Menschen aus, der dem zwischen Müttern und Kindern ähnele. Vermutlich habe die Entwicklung dieser positiven Rückkopplung die tiefe Bindung von Hund und Mensch, über Artgrenzen hinweg, ermöglicht, meinen sie.

Bekannte Gesichter auf Fotos

Das funktioniert allerdings nicht immer. Nach einem Bericht der „Scienxx“ hat die Dosis Kuschelhormon einige Hunde völlig kaltgelassen, andere haben die Nähe ihres Besitzers sogar weniger gesucht als vorher. Im Vergleich habe sich dann gezeigt, dass die nicht oder gegenteilig reagierenden Hunde eine andere Variante eines bestimmten Gens in ihrem Erbgut trugen. Dieses Gen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Bauplans für den Oxytocin-Rezeptor – und beeinflusst daher wahrscheinlich dessen Bau und Funktion.

In einem Experiment finnischer Forscher zeigte sich, dass nicht nur Menschen und noch einige Menschenaffen, sondern auch Hunde bekannte Gesichter auf Fotos oder in Filmen wiedererkennen. Die Hunde betrachteten demnach nicht alle Porträts gleich lange und gleich intensiv. Bilder von Artgenossen schenkten sie besonders viel Aufmerksamkeit und schauten dabei besonders auf die Augenpartie. Dabei war es unerheblich, ob sie den dargestellten Hund kannten oder nicht. Anders dagegen bei den Gesichtern von Menschen: Während fremde Gesichter nur kurz gemustert wurden, fixierten die Hunde die Porträts ihrer Frauchen oder Herrschen deutlich länger und achteten auch dabei vor allem auf die Augen. „Das deutet darauf hin, dass Hunde sowohl Artgenossen als auch menschliche Gesichter auf Fotos erkennen können“, konstatieren die Forscher. Die Tiere können dabei offenbar unterscheiden, ob das Porträt einen ihnen vertrauten Menschen zeigt oder einen Fremden.

Wenn Herrchen viel gähnt

Wenn Herrchen viel gähnt, kann es passieren, dass auch sein Hund bald die Schnauze voll hat: Das legt eine Untersuchung von Wissenschaftlern an der Universität London nahe, über die das Magazin „Spektrum“ berichtete. Die Forscher hatten Hunde nach deren Gassigehen zu Hause besucht und ihnen entweder fünf Minuten lauthals vorgegähnt oder lautlos Mundgymnastik gemacht. 21 von 29 Tieren reagierten nach etwa eineinhalb Minuten selbst mit einem breiten Gähnen. Die sprachlosen Mundbewegungen hingegen rührten sie nicht. Die Mitgähnquote lag mit 72 Prozent sogar höher als bei Menschen (45 bis 60 Prozent) oder Schimpansen (33 Prozent).


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