Spion im Kinderzimmer kaltgestellt Nach Protesten: Mattel zieht digitalen Babysitter Aristotle zurück

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Der US-Spielwarenshersteller Mattel dreht seinem „Aristotle“ genannten intelligenten Lautsprecher für Kinder den Saft ab. Foto: Nabi/MattelDer US-Spielwarenshersteller Mattel dreht seinem „Aristotle“ genannten intelligenten Lautsprecher für Kinder den Saft ab. Foto: Nabi/Mattel

Osnabrück. Der US-Spielwarenshersteller Mattel dreht seinem „Aristotle“ genannten intelligenten Lautsprecher für Kinder den Saft ab. Nach Angaben der „Washington Post“ zog Mattel das Spielzeug, das eine Mischung aus Überwachungskamera, Babyphone, Nachtlicht und Gesprächspartner für Kinder sein soll, nach einem heftigen Shitstorm zurück.

In einer Kampagne mit dem Titel „Für eine Kindheit ohne Werbung“ hatten Gegner des internetfähigen Spielzeugs 15.000 Unterschriften für ihre Forderung an Mattel, den Sprachassistenten nicht auf den Markt zu bringen, gesammelt. Sie befürchteten nicht nur einen Eingriff in die Intimsphäre der Kinder, sondern auch, dass sie zu Marketing-Adressaten und potenziellen Hacker-Opfern würden. Darüber hinaus äußerten Kritiker Bedenken hinsichtlich der nicht erforschten Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern, wenn ein technisches Gerät zum ersten und damit wichtigsten Ansprechpartner wird. Mit dem Kleinkind soll der Hub sprechen – und sich so selbst vom smarten Babyfone zum Sprachassistenten ähnlich wie Amazons Alexa weiterentwickeln. Zuletzt hatten auch Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses und des Senats mehr Informationen von Mattel gefordert.

Vernetzter Lautsprecher

Angekündigt war das Gerät als vernetzter Lautsprecher (Bluetooth und Wifi Direct) mit mehrfarbiger LED-Anzeige, der sich mit einer WLAN-Kamera verbinden lassen sollte. „Aristotle“ sollte dem Kind als Säugling zur Beruhigung unter anderem dessen Lieblingslieder vorspielen. Außerdem sollte es smarte Leuchtmittel kontrollieren, um, falls nötig, ein Nachtlicht zu aktivieren und die Eltern auf deren Smartphones über die Lage informieren.„Aristotle“ sollte zum Preis von 299 Dollar in den Handel kommen. Der Spielzeugherstelller erklärte nun in einer E-Mail,, die der „Washington Post“ vorliegt, nach einer erneuten gründlichen Prüfung des Produkts „Aristotle“ sei entschieden worden, dass es nicht zur „neuen Technologie-Strategie von Mattel“ passe.

„Hello Barbie“

Bereits bei der „Hello Barbie“ von Mattel, die Gespräche im Kinderzimmer aufzeichnet, hatte es Kritik gegeben. Auch andere Hersteller haben Probleme mit ihren smarten Spielzeugen. So verbot die Bundesnetzagentur im Februar die Puppe „My Friend Cayla“ des britischen Spielzeugherstellers Genesis weil es eine verbotene Sendeanlage darstelle. Die Puppe verfügt über ein Mikrofon und einen Lautsprecher und kommuniziert über Bluetooth mit einer Smartphone-App. Leuchtet ihre Halskette, ist die Puppe online und Kinder können Fragen stellen, die Cayla anschließend versucht zu beantworten.


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