Fragen und Antworten Was ist eine Schlafparalyse – und wie kann sie behandelt werden?

Für Betroffene kann eine Schlafparalyse ein wahrer Albtraum sein. Foto: Colourbox.deFür Betroffene kann eine Schlafparalyse ein wahrer Albtraum sein. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Man ist wach, kann sich aber plötzlich nicht mehr bewegen: Für Betroffene kann eine Schlafparalyse ein wahrer Albtraum sein. Doch was versteht man darunter – und wie lässt sich eine Schlaflähmung behandeln? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In der Öffentlichkeit sind Schlafparalysen noch nicht wirklich präsent. Das hat sich nach dem US-Dokumentarfilm „The Nightmare“ aus dem Jahr 2015 geändert, in dem der Mischzustand aus Schlaf und Wachsein in den Mittelpunkt gerückt wurde. Im Interview mit unserer Redaktion verrät Anna Heidbreder, Neurologin im Universitätsklinikum Münster, wie eine Schlafparalyse entsteht und warum diese im Grunde genommen ungefährlich ist.

Frau Heidbreder, was ist eine Schlafparalyse, wie sehen die Symptome aus?

Schlafparalysen treten vorwiegend beim Einschlafen oder beim Aufwachen auf. Die Betroffenen sind dabei vollständig wach, der Körper, also die Muskulatur bleibt aber bewegungsunfähig. Man erklärt sich dieses Phänomen als das Fortbestehen der Muskelatonie, die eigentlich nur im REM-Schlaf auftritt. Es besteht somit eine Unfähigkeit die Muskulatur willentlich anzuspannen und somit Bewegungen auszuführen. Solche Phänomene sind natürlich häufig sehr verängstigend, da man sich in dieser Situation natürlich auch nicht verständlich machen kann. Einige haben auch das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen.

Wie entsteht die Schlafparalyse?

Es handelt sich dabei wahrscheinlich um das motorische Phänomen des REM-Schlafes, früher auch als Traumschlaf bezeichnet. Zum Schutz des Auslebens von Träumen hat man während dieses Schlafstadiums eine Muskelatonie – also die Unfähigkeit, die Arme und Beine zu bewegen. Nur die Augenmuskeln und die Atmungsmuskulatur sind von dieser Muskelerschlaffung nicht betroffen.

Gibt es bestimmte Risikofaktoren, die die Entstehung einer Schlafparalyse begünstigen?

Schlafparalysen treten bei bis zu acht Prozent der Bevölkerung einmal im Laufe des Lebens als isoliertes Phänomen auf.

Es gibt aber auch verschiedene Erkrankungen, bei denen das Risiko des Auftretens erhöht ist. Dazu gehört nicht nur die Narkolepsie oder Hypersomnie, seltene Erkrankungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern auch der Bluthochdruck, das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom, aber auch psychiatrische Erkrankungen. (Weiterlesen: Osnabrücker Narkoleptiker über extreme Müdigkeit und Aufputschmittel)

Sind eher Männer oder Frauen betroffen?

Von der isolierten Schlafparalyse sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer.

Gibt es Erklärungen dafür, warum dies so ist?

Darüber lässt sich für die isolierte Schlafparalyse keine sichere Auskunft geben. Bei den verschiedenen Erkrankungen des Schlafes, die mit Schlafparalysen assoziiert sind, kann man sich, da das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom eher bei Männern im fortgeschrittenen Alter auftritt, die Narkolepsie eher bei jungen – da auch etwas häufiger bei Männern – herleiten. Genaue Zahlen existieren jedoch nicht. Generell gibt es aber wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer.

Wie hoch ist der Leidensdruck für Patienten?

Es ist nicht selten so, dass die Schlafparalyse als bedrohlich empfunden wird, da man auch das Gefühl hat, nicht richtig Luft zu bekommen. Wird den Betroffenen das Phänomen erklärt und dessen Harmlosigkeit erklärt, sind die meisten bereits erleichtert und empfinden das Auftreten als nicht mehr „so“ belastend. Meist dauern diese nur sehr kurz an und enden nach wenigen Sekunden von selbst wieder.

Ist eine Schlafparalyse gefährlich?

Nein, sind sie nicht. Sie halten oft nur sehr kurz an und sind selbstlimitierend.

Wie lässt sich eine Schlafparalyse behandeln?

In der Episode selbst reicht eine minimale Berührung, um die Paralyse zu beenden. Manche Betroffenen versuchen durch forcierte Augenbewegungen, die Episode zu beenden, was aber oft nicht gelingt. Medikamentöse Therapien sind bisher nicht sehr gut untersucht und werden nur in äußerst seltenen Fällen eingesetzt. Wichtig für alles, was den Schlaf betrifft, ist immer auf seinen Schlaf zu achten, das heißt auch, dass man versucht, regelmäßig und vor allem ausreichend zu schlafen. Tritt die Schlafparalyse im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auf, sollten diese natürlich behandelt werden.

Gibt es Techniken, mit denen man eine Schlafparalyse selbst beenden kann?

Berührung, manchmal reicht sogar ein „Windstoß“. Aber da beißt sich die Katze leider in den Schwanz, weil die Betroffenen in der Situation nicht in der Lage sind, sich zu verständigen, es kann somit kein Kontakt zu einem potentiellen „Berührer“ aufgenommen werden.

Die Störung ist in der Öffentlichkeit nicht wirklich präsent. Woran liegt das?

Das ist ein häufiges Problem von Schlaf-Phänomenen oder Erkrankungen des Schlafes: Es wird wenig darüber geredet. Oft sind die Betroffenen stark verunsichert dadurch und trauen sich zum Teil auch nicht, darüber zu sprechen. Wenn acht Prozent davon betroffen sind, kann man sich aber fast sicher sein, dass man schon einmal jemandem begegnet ist, der einmal eine Schlafparalyse hatte.


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