Welt-Alzheimertag Experten fordern mehr qualifizierte Pflegekräfte

Die Zahl der Demenzkranken wird weiter steigen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpaDie Zahl der Demenzkranken wird weiter steigen. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

AFP/epd/dpa Berlin. Experten kritisieren einen Mangel an speziell geschultem Personal zur Versorgung von Demenzkranken. Während die Zahl der Dementen steige, fehlten qualifizierte Pflegekräfte, erklärte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) zum Welt-Alzheimertag am Donnerstag, 21. September.

Der Verband forderte anlässlich des Welt-Alzheimertages, der in Deutschland unter dem Motto steht „Demenz. Die Vielfalt im Blick“ eine nationale Demenzstrategie, um die Herausforderungen künftig bewältigen zu können. In Deutschland gelten der DAlzG zufolge heute etwa 1,6 Millionen Menschen als dementkrank, ungefähr 60 Prozent davon aufgrund der Alzheimerkrankheit. Die Zahl der Demenzkranken werde bis 2050 auf drei Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt, betonte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung sowie zum Absterben oder einer starken Schädigung von Gehirnzellen vor allem in der Hirnrinde. Meist erkranken Menschen erst im höheren Alter an einer Demenz.

Zahl der Alzheimerpatienten in den Kliniken drastisch angestiegen.

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdoppelte sich die Zahl der Alzheimerpatienten in den Kliniken binnen 15 Jahren nahezu. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 19049 Patienten mit der Diagnose Alzheimer in Kliniken behandelt. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies auf die schwierigen Umstände hin, unter denen Alzheimerpatienten in Kliniken behandelt werden. „Die fremde Umgebung, fehlende Bezugspersonen, Hektik und mangelnde Kommunikation fördern Angstzustände der Betroffenen“, sagte Vorstand Eugen Brysch. Doch geschultes Pflegepersonal für Demenzkranke fehle meist. Demente Patienten zeigten im Krankenhaus noch stärker als in ihrer gewohnten Umgebung „herausfordernde Verhaltensweisen“, erklärte Winfried Teschauer, DAlzG-Vorstandsmitglied.

Solche Verhaltensweisen seien oft auch der Grund, wenn Patienten mit der Hauptdiagnose Alzheimer ins Krankenhaus kämen: Angehörige oder Pflegekräfte im Heim wüssten sich nicht mehr zu helfen und brächten Patienten „aus Hilflosigkeit“ ins Krankenhaus.

„Mehr Forschung, Prävention und Therapie nötig“

Die stetig wachsende Zahl von Demenzpatienten macht es nach Angaben des Bundesforschungsministeriums dringend nötig, Forschung, Prävention und Therapie zu verbessern. Die Zahl von jährlich 300000 Neuerkrankungen übersteige die der Todesfälle um 40000, teilte das Ministerium mit. „Demenz ist eine enorme Belastung für die Erkrankten wie für ihre Familien und ihr soziales Umfeld“, hieß es. Das Ministerium fördert den Angaben nach bereits zahlreiche Projekte. Dabei gehe es etwa auch darum, molekulare Details der Krankheitsursachen zu entschlüsseln, neue Diagnoseverfahren zu entwickeln sowie nach Wegen zu suchen, die die Entwicklung einer Demenz aufhalten. Auch die Situation pflegender Angehöriger zu verbessern und die Lebensqualität und Selbstbestimmung der Betroffenen bis hin zum letzten Lebensabschnitt zu erhalten, seien wichtige Forschungsziele.


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