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Grippeschutzimpfung 2017/2018 Grippeimpfung 2018: Für wen ist die Grippeschutzimpfung sinnvoll?

Von Elke Schröder

Vor der nächsten Grippewelle: Eine Ärztin impft einen Patienten gegen Grippe. Foto: Julian Stratenschulte/dpaVor der nächsten Grippewelle: Eine Ärztin impft einen Patienten gegen Grippe. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Osnabrück. Noch ist Zeit, sich vor den Grippeviren der Saison 2017/2018 zu schützen. Doch wer und wann sollte sich impfen lassen? Hier die wichtigsten Informationen zum Thema.

Die Grippewelle des vergangenen Winters ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) verhältnismäßig stark ausgefallen. Vor allem ältere Menschen seien von dem Virus im Winter 2016 betroffen gewesen, teilte das RKI mit und berief sich auf den neuen Influenza-Saisonbericht. Insgesamt wurden in der Saison demnach gut 114 000 Grippe-Fälle gemeldet, mehr seien es nur bei der Pandemie 2009 gewesen. Bundesweit starben laut Bericht nachweislich 723 Menschen an der echten Grippe, davon waren 94 Prozent älter als 59 Jahre. Diese Zahlen gelten nur als Spitze des Eisbergs, weil bei weitem nicht alle mit dem Virus verbundenen Fälle als solche erkannt und im Labor bestätigt werden.

„Leider sind gerade bei den Senioren die Impfquoten mit rund 35 Prozent besonders niedrig“, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Obwohl die Wirksamkeit der Impfung „nicht optimal“ sei, könnten angesichts der Häufigkeit der Grippe damit immer noch viele Erkrankungsfälle und schwere Verläufe verhindert werden. Die Impfung sei die wichtigste Schutzmaßnahme. Doch wer sollte sich wann impfen lassen? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

Wie jede Impfung ist auch die Grippe-Impfung freiwillig. Da sich die Influenza-Viren ändern, muss jedes Jahr die Zusammensetzung des Impfstoffes überprüft und entsprechend angepasst werden.

Für wen ist die Grippeschutzimpfung 2017/2018 sinnvoll?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Impfung gegen Grippe insbesondere allen Menschen, die bei einer Grippe ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Dazu gehören:

  • Ältere Menschen ab 60 Jahren
  • Chronisch Kranke mit Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Medizinisches Personal in Arztpraxen, Pflegeheimen oder Krankenhäusern
  • Schwangere

(Weiterlesen: Grippe-Symptome: echte Influenza oder Erkältung?)

Warum wird die Grippeschutzimpfung für Schwangere empfohlen?

Verschiedene körperliche Veränderungen durch die Schwangerschaft machen Schwangere anfälliger dafür, sich mit bestimmten Erregern anzustecken, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Bei der Impfung von Schwangeren spiele zudem „die Überlegung eine Rolle, Neugeborene, die selbst noch nicht gegen Grippe geimpft werden könnten, vor einer Ansteckung durch die Mutter zu schützen“. Da es sich bei den in Deutschland zugelassenen Grippeimpfstoffen für Erwachsene um sogenannte Totimpfstoffe handelt, sei eine Impfung grundsätzlich in jedem Stadium der Schwangerschaft möglich. Die STIKO empfiehlt die Impfung für gesunde Schwangere ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft. (Weiterlesen: Sollten Kinder und Babys gegen Grippe geimpft werden?)

Wann sollte man sich impfen lassen?

Der neue Grippeschutzimpfstoff steht laut RKI bereits zur Verfügung. Experten empfehlen die Schutzimpfung vorzugsweise im Oktober oder November. Nach der Impfung braucht der Körper bis zu 14 Tagen Zeit, um einen ausreichenden Schutz vor einer Ansteckung mit Grippeviren aufzubauen.

Kann man bei einem leichten Infekt geimpft werden?

Nur bei schweren, akuten Erkrankungen sollte die Impfung verschoben werden, so die BZgA. Ein leichter Infekt mit Fieber unter 38,5 Grad Celsius spricht nicht gegen eine Grippeimpfung.

Wann darf man nicht gegen Influenza geimpft werden?

Wer an einer fieberhaften Erkrankung mit einer Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius oder einer akuten Infektion leidet, sollte bis zur Genesung nicht geimpft werden. Kinder und Jugendliche, die an einer klinischen Immunschwäche oder an schwerem Asthma leiden oder eine Salicylat-Therapie erhalten, dürfen nicht mit dem Influenza-Lebendimpfstoff geimpft werden, so das RKI.

Gibt es 2017/2018 wieder einen speziellen Grippeimpfstoff für Allergiker?

Nein. „Hühnereiweißfreie (in Zellkulturen hergestellte) Influenzaimpfstoffe werden im Gegensatz zu früheren Saisons seit der Saison 2016/17 in Deutschland nicht mehr angeboten“, bestätigt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts. Personen, die nur mit leichten Symptomen auf den Konsum von Hühnereiweiß reagieren, könnten aber in der Regel mit allen zugelassenen Influenza-Impfstoffen geimpft werden. Menschen, die eine schwere Allergie auf Hühnereiweiß haben, und sich trotzdem impfen lassen möchten, sollte dies ebenfalls zuvor mit ihrem Arzt besprechen. „Eine Vielzahl von klinischen Studien weisen allerdings darauf hin, dass auch bei Personen mit Hühnereiweißallergie schwerwiegende allergische Reaktionen auf eine Influenzaimpfung selten sind, beziehungsweise nicht häufiger auftreten als bei Personen ohne Hühnereiweißallergie“, so die RKI-Sprecherin. (Weiterlesen: Dieses Jahr gibt es keine Grippeimpfstoffe für Allergiker)

Wie setzt sich der Grippeschutzimpfstoff 2017/18 zusammen?

Der Influenzaimpfstoff für die Saison 2017/2018 setzt sich gemäß der Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) laut Paul-Ehrlich-Institut aus den Antigenen weltweit zirkulierender Varianten folgender Viren zusammen:

  • A/Michigan/45/2015 (H1N1) pdm09
  • A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)
  • B/Brisbane/60/2008

Für sogenannte quadrivalente Impfstoffe werden die Antigene der oben genannten Viren sowie eine Variante von B/Phuket/3073/2013 empfohlen.

Gibt es die Grippeschutzimpfung für Kinder über die Nase noch?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat ihre Impfempfehlung, Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren bevorzugt mit dem über die Nase zu verabreichenden Lebendimpfstoff gegen Grippe zu impfen, im August 2017 endgültig zurückgezogen. In den letzten Jahren sei im Vergleich zu den inaktivierten Impfstoffen „keine überlegene Wirksamkeit mehr nachweisbar“ gewesen, hieß es zur Begründung. (Weiterlesen: Ständige Impfkommission: Änderungen bei Grippe-, Hepatitis- und Tetanusimpfung)

Welche Nebenwirkungen kann eine Grippeimpfung haben?

Unabhängig vom Impfstoff werden - laut RKI - vereinzelt allgemeine Reaktionen wie bei einer Erkältung beobachtet, dazu zählen zum Beispiel leichtes Fieber, sowie Muskel- oder Gliederschmerzen. Diese Beschwerden sollen in der Regel innerhalb weniger Tage abklingen. Wie bei anderen Impfungen auch kann es an der Einstichstelle zu vorübergehenden Rötungen, leichten Schmerzen und Schwellungen kommen.

Darf man nach einer Grippeimpfung Sport machen?

Gegen eine leichte körperliche Belastung nach der Impfung spricht in der Regel nichts. Von extremen Ausdauersportarten oder Trainings mit hoher Gewichtsbelastung unmittelbar nach der Impfung raten Experten dagegen ab. Denn bei starker körperlicher Belastung könne es vorkommen, dass eine Impfreaktion - zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle - verstärkt werde, so die BZgA.

Kann man trotz Influenza-Impfung eine Grippe bekommen?

Das ist möglich, da die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Erkrankung schützen kann. Das liegt zum einen daran, dass manchmal die Voraussage für den Impfstoff nicht ganz zutreffend war und der Impfstoff deshalb gegen die zirkulierenden Viren nicht richtig schützt. Es kann aber auch sein, dass man kurz vor oder nach einer Grippeimpfung erkrankt und deshalb der Immunschutz noch nicht ausreichend aufgebaut ist.

Wo kann man sich impfen lassen?

Eine Grippeimpfung kann grundsätzlich von jeder Ärztin oder jedem Arzt durchgeführt werden. Einzelne Gesundheitsämter impfen gegen Grippe und auch einige Arbeitgeber bieten eine Impfung im Betrieb an. (Weiterlesen: Niedersachsen auf mögliche Grippewelle vorbereitet)

Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Ständige Impfkommission, Paul-Ehrlich-Institut sowie Robert-Koch-Institut. (Mit dpa)


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