Bunte Zettelwirtschaft So wurde die Haftnotiz erfunden

Gesucht, gefunden? Im Gegenteil: Hier wurden die Haftzettel für eine Protestaktion nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 in einer U-Bahn-Station am Union Square in New York von Trump-Gegnern genutzt. Foto: colourbox.deGesucht, gefunden? Im Gegenteil: Hier wurden die Haftzettel für eine Protestaktion nach der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 in einer U-Bahn-Station am Union Square in New York von Trump-Gegnern genutzt. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Vom Misserfolg, Ärgernis zum weltweiten Erfolg im Büro: So wurde das Post-it erfunden.

Ob im Büro oder zu Hause: Post-its können eine hilfreiche Gedächtnisstütze sein, sofern man damit nicht die Wände flächendeckend tapeziert. In dem Fall hat man dann nur noch eine unübersichtliche bunte Zettelwirtschaft mit tausend wichtigen Dingen, die man noch zu erledigen hat. Doch wie kam es eigentlich zu der Erfindung der berühmten kleinen selbstklebenden Notizzettel?

Misslungener Versuch

Dazu brauchte es zwei amerikanische Wissenschaftler, die sich ärgerten: Der eine, Spencer Silver, darüber, dass 1968 sein Versuch, einen Superkleber für seinen Arbeitgeber Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) zu entwickeln, gründlich misslang: Denn stattdessen erfand er einen Stoff, mit dem man zwar Dinge auf andere kleben konnte, die man aber auch wieder ganz leicht ablösen konnte – obgleich der Prototyp damals noch geringe Klebstoffreste nach dem Abreißen hinterließ. Spencer hatte keine Ahnung, was er mit diesem Ergebnis Sinnvolles anfangen sollte.

Sechs Jahre vergingen, als sich sein Kollege, der Chemiker Arthur Fry, mal wieder beim Singen im Kirchenchor ärgerte: Es rutschten ihm ständig seine losen Lesezeichen aus den Notenbüchern. Doch dann erinnerte er sich an Spencers schwach haftenden Klebstoff. Es folgte die Geburtsstunde der Haftnotiz, als Fry ein Lesezeichen damit bestrich.

Über 1000 Variationen

Geniale Erfindung, dachte sich wohl Fry, doch seine Chefs konnten sich noch nicht vorstellen, dass ein selbsthaftendes Lesezeichen ein Verkaufsschlager auf dem Markt sein könnte. Trotzdem habe er – so berichtet 3M – zu Hause den Prototyp einer Herstellungsanlage gebaut. Die Ergebnisse wurden im Büro der Firma verteilt und dort von den Mitarbeitern dazu genutzt, um Kollegen kurze Nachrichten auf Briefe oder ans Telefon zu heften.

Es dauerte weitere drei Jahre, bis die Firma dann doch ernsthaft in Erwägung zog, die Haftnotizzettel unter dem Namen Post-its auf den Markt zu bringen. Zuvor habe man aber erst, so 3M, eine Kellerwand in Arthur Frys Haus abreißen müssen, um die Maschine ins Labor zu bringen.

Ab 1978 wurde dann erstmals ausgeliefert. Der weltweite Siegeszug der kleinen – zunächst nur gelben – Notizzettel konnte beginnen. Heute gibt es sie in über 1000 Variationen. In Deutschland kann man seit 1981 fester an seinen Erinnerungen kleben – dank Haftnotiz.


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