USA: Angst vor Verkehrschaos Osnabrücker startklar für Expedition zur totalen Sonnenfinsternis

Von Waltraud Messmann

Sitzt auf gepackten Koffern: Andreas Hänel, Leiter des Planetariums am Schölerberg in Osnabrück startet Mittwoch zu einer Expedition in die USA. Foto:Elvira PartonSitzt auf gepackten Koffern: Andreas Hänel, Leiter des Planetariums am Schölerberg in Osnabrück startet Mittwoch zu einer Expedition in die USA. Foto:Elvira Parton

Osnabrück. Der Countdown läuft. Nicht nur Millionen US-Amerikaner fiebern dem Tag entgegen, an dem sich die Sonne verdunkelt. Auch Andreas Hänel, Leiter des Planetariums am Schölerberg in Osnabrück sitzt mit vierzehn weiteren Osnabrückern auf gepackten Koffern. Am Mittwoch reist Hänel mit der Gruppe in die USA, wo am Montag (21.August) eine totale Sonnenfinsternis zu sehen sein wird. Da Millionen US-Bürger auch einen Blick auf die SoFi erhaschen wollen, ist es Hänels größte Sorge, dass die Gruppe in ein Verkehrschaos gerät.

Sie werden mit einer vierzehnköpfigen Gruppe aus Osnabrück extra zur totalen Sonnenfinsternis in die USA reisen. Wie setzt sich die Gruppe zusammen?

Die meisten sind Mitglieder der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft, aber auch Mitarbeiter im Planetarium und Museum. Viele der Teilnehmer waren bereits mit in der Türkei, als dort am 26. März 2006 eine totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte.

Was motiviert die Teilnehmer zu der langen Reise?

Sie möchten das beeindruckende Naturschauspiel einer totalen Sonnenfinsternis erleben. Einige von ihnen haben 1999 bei der Sonnerfinsternis über Mitteleuropa im Regen gestanden und nicht viel gesehen, andere sind vom „SoFi-Fieber“ angesteckt worden. Es gibt ja Leute, die von diesem Himmelsspektakel so fasziniert sind, dass sie fast zu jeder Finsternis rund um den Erdball reisen.Von Deutschland aus wird eine totale Sonnenfinsternis erst am 3. September 2081 wieder zu sehen geben.

Gibt es etwas, was diese Sonnenfinsternis für Sie besonders speziell macht?

Zunächst ist sie relativ leicht erreichbar, die Reisekosten halten sich im Rahmen. Leider ist die Dauer mit zwei Minuten sehr kurz. In der Türkei war die Totalität 2006 mit vier Minuten doppelt so lang. Andererseits sind die Wetterprognosen aber mit 80 prozentiger Wahrscheinlichkeit für einen klaren Himmel sehr günstig.

Was darf auf dieser Reise in Ihrem Koffer auf keinen Fall fehlen?

Wir haben ein recht umfangreiches Beobachtungsprogramm vor, wollen Umweltwerte wie Temperatur, Helligkeit, Feuchte messen, mit Kameras soll die Korona, die äußere Sonnenatmosphäre und die Chromosphäre, die innere Sonnenatmosphäre erfasst werden. Vieles haben wir automatisiert, damit wir auch etwas das Naturspektakel erleben können. Kameras und entsprechende Objektive sowie die obligatorischen Sonnenfinsternisbrillen, die wir noch von den früheren Finsternissen haben, gehören aber auf jeden Fall ins Gepäck!

Hat es einen bestimmten Grund, dass Sie als Beobachtungsstandort den US- Bundesstaat Idaho ausgewählt haben?

Ja. Denn in Idaho gibt es noch Gebiete mit ungestörtem Himmel. Und wir hoffen, dass wir in den Nächten vor und nach der Finsternis dort auch noch einen eindrucksvollen Sternhimmel erleben können.

Wo konkret werden Sie Quartier beziehen?

Unser Standort ist Twin Falls außerhalb der Zentrallinie. Innerhalb der Zentrallinie waren bereits bei der Buchung vor zwei Jahren die Hotels sehr teuer. Von Twin Falls aus haben wir drei Optionen für Beobachtungen in nordwestlicher, nördlicher oder nordöstlicher Richtung. Das hängt von den Wetterbedingungen ab.

Gibt es auch noch einen Plan B?

Vorsichtshalber haben wir uns auch Plätze am Vulkankrater South Menan Butte reserviert, da dort die Gefahr von Wolkenbildung gering ist. Außerdem liefert der Veranstalter gute Informationen und hat zivile Preise. Andere Anbieter verlangen teils utopische Preise, 150 Dollar (umgerechnet knapp 130 Euro) für einen Stellplatz. Ob wir dort aber wirklich beobachten, ist vom Wetter aber auch noch von anderen Kriterien abhängig.

Was konkret meinen Sie?

Neben dem Wetter müssen wir auch auf Wald- und Buschfeuer und die damit verbundene Rauchentwicklung achten. Vor allem die Verkehrslage, könnte aber durchaus kritisch werden, da wohl auch viele Amerikaner zu einem Wochenendtrip in die Totalitätszone aufbrechen werden. Selbst die amerikanischen Behörden haben noch keine Idee, was auf sie zukommt. Man bereitet sich dort aber auf das Schlimmste vor. Wir werden auf jeden Fall bereits in der Nacht zum Beobachtungsplatz fahren, in der Hoffnung rechtzeitig in

der Totalitätszone zu sein.

Sie wollen versuchen, das Ereignis live über die Facebook-Seite des Planetariums am Schölerberg in Osnabrück zu übertragen. Wann können wir mit Bildern rechnen?

Am Montag zwischen 19:25 Uhr und 19:35 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit.


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