Post nach Umzug erhalten Teure Anbieter zocken bei Nachsendeaufträgen ab

Wer einen Nachsendeauftrag erteilt, erhält nach einem Umzug Post an seine neue Adresse. Die Post bietet den Service ab 19,90 Euro an, private Anbieter zocken Unwissende dabei ab. Foto: Sven Hoppe/dpaWer einen Nachsendeauftrag erteilt, erhält nach einem Umzug Post an seine neue Adresse. Die Post bietet den Service ab 19,90 Euro an, private Anbieter zocken Unwissende dabei ab. Foto: Sven Hoppe/dpa

Osnabrück. Wer einen Nachsendeauftrag erteilt, erhält nach einem Umzug Briefe an die neue Adresse. Im Netz treten private Unternehmen auf, die diesen Service anbieten. Verbraucher, die nicht aufpassen, können dabei in eine unnötige Kostenfalle tappen.

Die Kartons sind gepackt, der Möbelwagen ist bestellt: Nach einem Umzug sollen Briefe die neue Adresse erreichen, die an den alten Wohnort adressiert sind. Postzusteller bieten dafür einen Nachsendeservice an. Laut Bundesnetzagentur sind sie sogar dazu verpflichtet. Beim größten Zusteller, der Deutschen Post, kann dieser innerhalb weniger Minuten im Internet bestellt werden.

Bei Suchmaschinen ganz oben

Doch Vorsicht: Wer mitten im Umzugsstress online nach dem Service sucht, kann schnell auf den falschen Seiten landen. Gängige Suchmaschinen zeigen ganz oben Websites von Dienstleistern an, die das Beantragen von Nachsendeaufträgen bewerben. Diese haben Namen wie nachsenden.info, nachsendeauftrag.net oder nachsendeauftrag-express.de. Die Gestaltung der Onlineauftritte könnten zumindest den Eindruck erwecken, es handele sich um eine Serviceseite der Deutschen Post.

„Sie verpassen keine Post mehr“, verspricht die Seite nachsenden.info. 75,96 Euro verlangt der Anbieter für einen sechs Monate geltenden Nachsendeauftrag. Dafür will das Unternehmen neben der Deutschen Post auch die Zustellung bei fünf regionalen Postzustellern wie der Citipost Hannover oder Postmodern beantragen. Aber: Diese beiden Zusteller bieten einen Nachsendeauftrag innerhalb von Deutschland selbst kostenfrei an.

Zum Vergleich: 19,90 Euro nimmt die Deutsche Post für eine Nachsendung für sechs Monate, zwei Jahre kosten 34,90 Euro. Geschäftskunden müssen etwa das Doppelte bezahlen.

Die Anbieter im Netz werben mit Zeitersparnis durch das Beantragen auf ihren Seiten. Doch die Kunden müssen direkt bei der Deutschen Post auch lediglich alte und neue Adresse sowie Zahlungsmodalitäten angeben. Der Zeitaufwand ist demnach der gleiche.

„Grob irreführend“

Verbraucherschützer warnen vor solchen Onlineportalen, die Geschäfte mit dem Nachsenden machen. Man müsse sich im Klaren sein, dass derartige Anbieter nur Daten weitergeben, sagte Dunja Richter, Juristin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wenn verschleiert wird, dass Verbraucher viel Geld für die bloße Weiterleitung ihrer Daten an den Postversender bezahlen, ist das grob irreführend.“ Die Juristin rät Verbrauchern, die Seiten der Anbieter vor der Beauftragung kritisch zu prüfen.

Wie steht die Deutsche Post zu solch überteuerten Anbietern im Netz? Auf eine Anfrage unserer Redaktion wollte sich der unangefochtene Marktführer in der Postzustellung dazu nicht äußern. In einer Stellungnahme hieß es nur: „Die Deutsche Post erhält von diesen Anbietern lediglich Nachsendeaufträge im Auftrag der Kunden.“ Damit bestätigt das Unternehmen die Angaben der Verbraucherschützer.

Ein Fall für die Bundesnetzagentur?

Auch die Bundesnetzagentur haben in der Vergangenheit regelmäßig Beschwerden über jene teuren Anbieter von Nachsendungsaufträgen erreicht. Die Bundesbehörde beschäftigt sich mit Unregelmäßigkeiten bei der Postzustellung. „Wir haben keine Möglichkeit, da einzuschreiten“, teilte ein Sprecher auf Nachfrage mit. Die Bundesnetzagentur unterstütze aber die Empfehlung der Verbraucherschützer, aufmerksam zu sein und Nachsendeaufträge direkt beim Postdienstleister einzureichen.

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Der einstige Monopolist, die Deutsche Post, ist der Marktführer in der Briefzustellung in Deutschland. Laut Marktuntersuchung der Bundesnetzagentur wurden 2015 von 15,8 Milliarden Sendungen 13,7 Milliarden Sendungen mit der Deutschen-Post-Gruppe verschickt.

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