„Wunschring“ am Holzmarkt So bekam Hannover einen sagenumwobenen Brunnen

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Der „Wunschring“ von Hannover am Oskar-Winter-Brunnen auf dem Holzmarkt an einem denkwürdigen Tag im August 1990. Foto: Elke SchröderDer „Wunschring“ von Hannover am Oskar-Winter-Brunnen auf dem Holzmarkt an einem denkwürdigen Tag im August 1990. Foto: Elke Schröder

Osnabrück. Wie entstehen Sagen? Der „Wunschring“ am Oskar-Winter-Brunnen in der Altstadt von Hannover kann darauf eine mögliche Antwort geben.

Wer seinem Glück mit dem Drehen an einem sagenumwobenen „Wunschring“ auf die Sprünge helfen will, der muss nicht nach Nürnberg zum „Schönen Brunnen“ reisen, wo der Mythos um den Glücksbringer erstmals im 16. Jahrhundert in einem Gedicht erwähnt wurde.

Eine weitere Gelegenheit gibt es in Hannover: In der Altstadt auf dem Holzmarkt befindet sich vor dem Leibnizhaus der Oskar-Winter-Brunnen, in dessen schmiedeeisernes Gitter seit dem Jahr 1914 ebenfalls ein drehbarer Ring eingefasst ist. Ein sagenumwobener „Wunschring“ soll er sein, so verspricht es auch ein Wikipedia-Eintrag.

Sage aus „jüngeren Jahren“

Die dazugehörige Sage geistert noch im Netz: Die „Wunschkraft“ des Rings soll erstmals in einem Londoner Vergnügungspark im 17. Jahrhundert aufgefallen sein. Der Kapellmeister des Kurfürsten in Hannover hörte davon, worauf dieser das gute Stück in die Herrenhäuser Gärten bringen ließ. Dort soll der Kurfürst fortan am Ring gedreht und sich – erfolgreich – den britischen Thron gewünscht haben.

Nach dem Diebstahl des Rings durch einen Pagen sei der Glücksbringer in Vergessenheit geraten, zum Bau des Brunnens aber wieder aufgetaucht: Die Tochter eines Böttchers fand das gute Stück auf einem Dachboden. Sie wünschte sich ihren ungeliebten Verlobten in die Wüste. Als dies gelang, hatte sie die Idee, den Ring in das Gitter einzuarbeiten. So weit die Geschichte, die demnach ziemlich alt sein müsste. Wikipedia verweist jedoch vage auf eine „in jüngeren Jahren aufgeschriebene ‚Sage’“.

Ein kleines Experiment

Tatsächlich kann man den Zeitpunkt aber genau datieren: Es begab sich an einem Tag im August 1990, als Hannovers damaliger „Stadtimagepfleger“ und Jazzorganisator Mike Gehrke (1943–2004) Journalisten dazu einlud, einem kleinen Experiment beizuwohnen: Aus dem Ring am Oskar-Winter-Brunnen sollte plötzlich ein Wunschring werden. Präsentiert wurde ihnen dazu die Broschüre „Der goldene Ring“ mit einer von Gehrke initiierten Sage darin.

Verblüffende und irrwitzige Idee

In der Vor-Social-Media-Zeit eine verblüffende wie irrwitzige PR-Idee: Könnte es gelingen, eine Geschichte um einen historischen Zierbrunnen, einst zum 100-jährigen Bestehen einer Eisenwarengroßhandlung gestiftet, in die Welt zu setzen, die Touristen anlockt, verzückt und die sich irgendwann als Sage unter den Hannoveranern etabliert? Letzteres darf heute zwar bezweifelt werden, der Wikipedia-Eintrag ist dagegen sicher ein Teilerfolg – und als „Wunschring“ wird das gute Stück jedoch gern von dem ein oder anderen dreimal voller Hoffnung nach links gedreht.


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