400 verschiedene Sorten auf dem Markt Es geht auch ohne: Darum ist alkoholfreies Bier so angesagt

Alkoholfreies Bier wird immer beliebter. Gut geeignet ist es auch für Sportler. Foto: dpaAlkoholfreies Bier wird immer beliebter. Gut geeignet ist es auch für Sportler. Foto: dpa

Osnabrück. Alkoholfreies Bier hat sich vom Sonderling zum Lifestylegetränk entwickelt. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 6,4 Millionen Hektoliter davon verkauft, rund 400 verschiedene Sorten gibt es zur Auswahl. Doch warum liegt alkoholfreies Bier so im Trend?

„Ein alkoholfreies Bier, bitte.“ Wer noch vor einigen Jahren im Restaurant oder der Bar so eine Bestellung aufgab, wurde häufig schräg angesehen – es sei denn, derjenige war Fahrer. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Alkoholfreies Bier ist laut Marc-Oliver Huhnholz, Sprecher des Deutschen Brauer-Bundes, zu einem Lifestyle-Getränk geworden. Rund 6,4 Millionen Hektoliter alkoholfreies Bier, das von deutschen Brauereien produziert wurde, ist im vergangenen Jahr verkauft worden. Die Zahl beinhaltet auch Malz-Getränke. Zum Vergleich: Um ein 50-Meter-Sportschwimmbecken zu füllen, werden 2,5 Millionen Liter Wasser benötigt.

Erstes Bier hieß „Aubi“

Es war ein langsamer Aufstieg zum Trend-Getränk: Braumeister Ulrich Wappler entwickelte in der VEB Engelhardt-Brauerei in Ost-Berlin das weltweit erste alkoholfreie Bier, das 1972 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde – „Aubi“, Autofahrerbier, hieß es. Ende der 1970er-Jahre kamen in Westdeutschland die ersten alkoholfreien Biere auf den Markt. Laut Huhnholz dauerte es bis zur Jahrtausendwende, bis der Absatz deutlich gesteigert werden konnte.

Mittlerweile gibt es rund 400 verschiedene Sorten; Pils, Radler, Weizen-Zitrone Naturtrüb, Blutorange, Holunder – und, und, und. Der Deutsche Brauer-Bund schätzt, dass allein im vergangenen Jahr 50 neue Sorten dazugekommen sind.

Pils, Weißbier oder Mischbiere: Inzwischen gibt es rund 400 verschiedene alkoholfreie Sorten. Foto: dpa

Bewusstseinsänderung

Doch was macht alkoholfreies Bier so beliebt? Laut Huhnholz schmeckt vielen Menschen in Deutschland „kühles Bier auf Partys oder beim Essen, nach dem Sport oder bei offiziellen Anlässen einfach am besten“. Aber: „Es findet eine zunehmende Sensibilisierung beim Umgang mit Alkohol statt“, sagt ein Sprecher der Brauerei Krombacher unserer Redaktion auf Nachfrage. Wer zwar auf Alkohol, nicht aber auf den Biergeschmack verzichten will, der greife zu den alkoholfreien Varianten. „Sie passen zum Lebensgefühl und schmecken einfach gut“, so Huhnholz.

So wird Bier alkoholfrei

Während Alkohol früher als Geschmacksträger benötigt wurde, so der Experte, seien die Rezepturen und Verfahren zur Herstellung alkoholfreier Biere mittlerweile so ausgereift, dass der Wegfall des Alkohols nicht mehr so stark ins Gewicht falle. Die typische Note und die unverwechselbaren Hopfen- und Malzaromen bleiben erhalten. Es gibt zwei Verfahren, mit denen alkoholfreies Bier hauptsächlich hergestellt wird: Bei einem wird der Gärprozess bei einem Alkoholgehalt von unter 0,5 Volumenprozent abgebrochen, beim anderen der Alkohol mit physikalischen Verfahren nachträglich schonend entfernt. „Diese Spuren von Alkohol sind so gering, dass sie keine physiologischen Auswirkungen haben“, erklärt Huhnholz. Die Brauerei Krombacher beispielsweise kombiniert beide Verfahren. Für das Krombacher 0,0 Prozent – das also komplett alkoholfrei ist – ist eine zeitintensivere Entalkoholisierung nötig.

Hilfe bei der Regeneration

Doch der fehlende Alkohol alleine ist nicht der einzige Grund für die wachsende Beliebtheit: Das Getränk ist bei Sportlern auch wegen seiner Inhaltsstoffe sehr beliebt. Alkoholfreies Bier wirkt isotonisch, wie Stefan-Martin Brand, Professor am Institut für Sportmedizin des Universitätsklinikums Münster, sagt. „Die Kohlenhydrate im Bier sorgen für eine bessere Regeneration und haben eine entzündungshemmende Wirkung.“ Außerdem enthielten alkoholfreie Biere Vitamin B12 und Fohlsäure – sogar mehr als Apfelschorlen. „Ich würde nach dem Sport immer eher zu alkoholfreiem Bier als zu teuren Sportlergetränken raten“, sagt Brand. Da in Bier allerdings wenig Mineralstoffe wie Natrium, Calcium und Magnesium enthalten seien, müssten Sportler zusätzlich noch Wasser trinken, in dem diese Mineralstoffe ausreichend vorhanden sind. Wer dennoch lieber zum Sportgetränk greifen möchte, sollte darauf achten, dass dieses neben Natrium, Calcium und Magnesium auch Kohlenhydrate enthalte.

Weniger Kalorien

Und auch figurbewusste Menschen sprechen die Brauereien mit alkoholfreiem Bier an. Diese haben im Vergleich zu herkömmlichen Bieren weniger Kalorien. „Das passt zu dem stetig wachsenden Bewusstsein der Menschen, dass eine gesunde, natürliche Ernährung entscheidend für unser Wohlbefinden ist“, sagt Josef Westermeier, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu.

Der Branche dürfte letztlich egal sein, aus welchem Grund jemand alkoholfreies Bier trinkt. Nachdem der Bierabsatz in den vergangenen Jahren leicht gesunken ist, dürfte sie sich über diesen Trend freuen.


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