Erster Verbraucherreport des vzbv Mehrheit der Verbraucher hat Vertrauen in Politik verloren

Von Waltraud Messmann

Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands Klaus Müller stellte am Donnerstag den ersten Verbraucherreport vor. Foto:Imago/ Jürgen HeinrichDer Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands Klaus Müller stellte am Donnerstag den ersten Verbraucherreport vor. Foto:Imago/ Jürgen Heinrich

Osnabrück. Die Mehrheit der Verbraucher fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. Das geht aus dem ersten Verbraucherreport des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) hervor. 82 Prozent würden sich wünschen, dass die Politik Verbraucherprobleme stärker beachtet.

Der Untersuchung zufolge sehen 79 Prozent der Bürger die Verantwortung für den Schutz von Verbraucherinteressen bei der Politik. Aber nur jeder Vierte (26 Prozent) glaubt, dass diese ihre Verantwortung „eher oder sehr stark“ wahrnimmt. 70 Prozent haben ein eher geringes oder überhaupt kein Vertrauen.

Vertrauensleck offengelegt

„Der Verbraucherreport hat ein Vertrauensleck offengelegt“, stellte vzbv-Vorstand Klaus Müller bei der Vorstellung des Reports am Donnerstag fest. „Es braucht eine starke Verbraucherpolitik, um Verbrauchern wieder mehr Sicherheit zu geben.“ Müller forderte die Parteien auf, ihrer Verantwortung für Verbraucherschutz endlich gerecht zu werden.

Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, warf der Großen Koalition vor, sie habe „statt die Rechte der Verbraucher zu stärken zu oft einseitig Politik für die Unternehmen gemacht.“ Der CDU/CSU sei das Thema Verbraucherschutz in ihrem Programm zur Bundestagswahl nur sechs inhaltslose Sätze wert. „Kein Wort zum Thema kollektiver Rechtsdurchsetzung trotz der Probleme der Kundinnen und Kunden im Abgasskandal. Kein Thema sind unter anderem auch eine bessere Schulverpflegung, aussagekräftigere Siegel, mehr Datenschutz oder ein Basisprodukt zur Altersvorsorge“, sagte Maisch.

Altersvorsorge ein Top-Thema

Auch aus Sicht des vzbv ist die Altersvorsorge ein Top-Thema: 89 Prozent der Verbraucher hielten die Forderung, eine ausreichende Altersversorgung sicherzustellen, für wichtig oder sogar äußerst wichtig, heißt es. „Viele Anlageprodukte sind aber zu teuer und werfen damit zu wenig Rendite ab. Verbraucher müssen für ein gutes Leben im Alter mehr von ihrem Geld haben“, forderte Müller. Der vzbv spricht sich für ein effizientes Non-Profit-Standardprodukt aus, das kosteneffizient erwirtschaftet wird und keine eigenen Gewinninteressen verfolgt. Auf teure Garantien sollte verzichtet werden.

Mehr Transparenz bei Algorithmen

Wichtig sind den Verbraucherschützern auch mehr Transparenz bei Algorithmen und unabhängige Kontrolle zum Beispiel im Zusammenhang mit Vergleichsportalen und Versicherungen. „Algorithmen dürfen kein Geheimnis sein. Nur wenn klar ist, mit welchen Kriterien Algorithmen arbeiten und wie diese bewertet werden, können sich Verbraucher gegen Diskriminierung wehren“, betonte Müller.

Nach den Ergebnissen des Verbraucherreports, hat jeder dritte Befragte (35 Prozent) schon einmal erfahren müssen, dass seine Interessen als Verbraucher nicht ausreichend geschützt waren. Am wenigsten geschützt fühlen sich die Befragten bei den Themen Finanzen und Versicherungen sowie Telefon und Internet. Nur jeweils 58 Prozent geben an, dass ihre Interessen in diesen Bereichen „eher oder sehr gut“ geschützt seien. Bei Reisen und Verkehr meinen das immerhin 72 Prozent. 90 Prozent der Befragten meinen, Verbraucherschutz sei „eher bis äußerst“ wichtig für ihre persönliche Sicherheit als Verbraucher.


Beschwerden

Die Erkenntnisse aus dem Verbraucherreport decken sich mit Erfahrungen aus den 16 Verbraucherzentralen in den Ländern. Im Jahr 2016 gingen hier rund 265.000 Verbraucherbeschwerden ein, die meisten zu Postdienstleistungen und Telekommunikation (28,7 Prozent) sowie zu Finanzdienstleistungen (27,6 Prozent). Um den Verbraucherschutz zu verbessern, ist den Befragten des Verbraucherreports am wichtigsten, dass die Politik Verbraucherprobleme stärker beachtet (82 Prozent).

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