Uwe Hauck klärt über Depression auf Erfahrungen #ausderklapse: Autor berichtet über Psychiatrie

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Osnabrück. Uwe Hauck hat vor ein paar Jahren versucht, sich umzubringen. Wie er die Zeit danach in der Psychiatrie erlebt hat und wie er mit der Diagnose Depression und Angststörung umgeht, hat er in einem Buch geschrieben: „Depression abzugeben. Erfahrungen #ausderklapse“.

Hinweis: Dieser Text kann für psychisch Erkrankte triggernd (siehe Infotext: Was ist ein Trigger?) wirken. Bitte überlegen Sie, ob Sie ihn sich durchlesen möchten. Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn sie selbst betroffen sind. Weitere Informationen dazu und eine inhaltliche Zusammenfassung des Artikels finden Sie am Ende des Textes.

Uwe Hauck hat versucht, sich umzubringen. Über die düsterste Stunde seines Lebens hat er nicht nur getwittert, sondern auch ein Buch geschrieben und hält Vorträge an Schulen. Uwe Hauck will das Tabu durchbrechen, darüber zu reden. Denn er hat überlebt und will anderen Menschen helfen, ihre psychische Krankheit zu überstehen, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Je früher man die Krankheit erkennt und versteht, desto besser.“

Unter dem Hashtag #ausderklapse hat er 2015 angefangen, über seine Depression zu twittern, dieses Jahr ist das Buch dazu herausgekommen („Depression abzugeben. Erfahrungen #ausderklapse“) und Hauck ist noch lange nicht am Ende.

Denn jetzt, nach der „Klapse“, geht es eigentlich erst so richtig los, den Alltag mit einer psychischen Erkrankung zu bewältigen. An seinem zweiten Buch arbeitet er bereits. (Weiterlesen: Buchtipps: Mit Humor Depression und Angst bekämpfen)

Vom Burn-out in die Depression

Uwe Haucks Leidensweg beginnt mit Problemen auf der Arbeit. Nach der ersten Diagnose Burn-out und einem Arbeitsplatzwechsel vertiefen sich seine seelischen Probleme. Sein Arzt schreibt ihn mehrere Wochen krank, die Diagnose lautet jetzt Depression. Denn hinter jedem Burn-out stehe eigentlich eine Depression, so beschreibt es Haucks Arzt. Nach dem monatelangen Warten auf einen Therapieplatz sieht die behandelnde Therapeutin keinen Bedarf für eine längere Therapie. Hauck bekommt zwar Medikamente, ist aber weiterhin auf sich allein gestellt. (Weiterlesen: Psychische Erkrankung: Warnsignale erkennen - was ist ein Trigger?)

Uwe Haucks Frau rettet ihm das Leben

Auch auf der neuen Arbeitsstelle spitzen sich die Probleme für den Informatiker mit seinen Vorgesetzten erneut zu, eine Abmahnung steht im Raum. Hauck versteht die Welt nicht mehr und sieht schließlich nur noch einen Ausweg: Suizid. Um die anderen Menschen, seine Familie, seine Kollegen, von der Last seines Lebens zu befreien.

Deshalb fand er sich eines Tages auf der Treppe des Gebäudes wieder, in dem er arbeitete. Er wollte aufs Dach steigen, aber die Tür dazu war abgeschlossen. Er wollte sich dann auf der Treppe umbringen. Was ihn rettete: Er war zu benebelt von seinen Schlafmitteln und seine Frau fand ihn.

In Haucks Buch ist der Whatsapp-Verlauf mit seiner Frau von dem Tag abgebildet. Ein erschreckendes Dokument, das einen sehr verzweifelten Menschen zeigt. Auf Vorträgen zeigt er dieses Dokument auch, um die Zuhörer aufzurütteln und zu zeigen, wie viel Glück er an dem Tag hatte. Ein Glück, das viele nicht haben.

Geschlossene Abteilung macht Angst

Darauf folgte ein Aufenthalt in der Psychiatrie. Die geschlossene Abteilung, in die er „eingesperrt“ wurde, machte ihm Angst. „Es war eine harte Zeit. Doch im Nachhinein ist mir klar, dass man dort eingesperrt werden muss“, sagt er. Denn die Menschen, die dort hinkommen, wollen sich das Leben nehmen und müssen davor geschützt werden. Vor sich selbst und den Gedanken in ihnen.

Die Zeit in der offenen Abteilung bezeichnet Hauck als Glücksfall. Die Gruppentherapien und die Gespräche mit den anderen Patienten hätten ihm enorm geholfen: „Der Austausch war das Allerwichtigste. Denn ich begriff, dass ich nicht alleine war. Dass ich nicht verrückt war.“ Und dass seine Krankheit eigentlich wie ein Knochenbruch ist, den man nicht sehen kann. Eine Krankheit wie andere Krankheiten auch.

Vorurteile über Psychiatrie bekämpfen

Aus diesem Grund will er mit Vorurteilen über die Psychiatrie aufräumen, will aufklären und Hilfe anbieten. Jeder Fünfte in Deutschland hat mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen, für Hauck ist es unverständlich, dass darüber immer noch geschwiegen wird. Dass Menschen, die daran erkrankt sind, mit einem Makel behaftet sind.

Er hatte auch erst Angst vor Nachteilen, als er anfing, darüber öffentlich zu reden. „Doch je mehr ich darüber gesprochen habe, desto besser wurde es. Die Rückmeldungen sind auch größtenteils sehr positiv. Viele finden es mutig“, berichtet Hauck.

Angststörung und Depression

Diejenigen, die keine Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen gemacht haben, können oft nicht verstehen, wie sehr diese Krankheiten die eigene Existenz bedrohen. Deshalb will er es in seinem Buch und seinen Vorträgen erklären.

Als Uwe Hauck in der Psychiatrie war, wurde bei ihm eine wiederkehrende Depression diagnostiziert. Mittlerweile ist er noch einen Schritt weiter: Sein Arzt hat bei ihm außerdem eine Angststörung diagnostiziert. (Weiterlesen: Können onlinebasierte Programme bei Depressionen helfen?)

Heute geht es ihm aufgrund der tieferen Diagnose sehr gut, er weiß nun, dass die Angststörung seine Depression ausgelöst hat. „Ich hatte keine depressiven Phasen, in denen ich nichts mehr tun konnte, nicht mehr aufstehen konnte. Im Gegenteil, ich habe mich mit Arbeit abgelenkt“, erklärt Hauck. In dem Moment, als sein Vorgesetzter seine Arbeit kritisierte, war das für Hauck ein Trigger. Für ihn war diese Kritik der Weltuntergang. Er hatte Angst zu versagen, Angst, nicht mehr für seine Familie sorgen zu können. Angst, die ihn lähmte.

Größte Stütze: Haucks Familie

Heute hat er die Angst und die Depression weitestgehend im Griff, auch dank der richtigen Medikation. Er geht wieder arbeiten, nachdem ein Versuch, sich auf der Arbeit wieder einzugliedern, gescheitert ist. Diese Entwicklung ist auch in der ZDF-Sendung „37 Grad“ dokumentiert. Die Journalisten begleiteten Uwe Hauck eine Zeit lang und zeigen, wie er im Alltag zurechtkommt. Seine größte Stütze sind dabei seine Frau und seine drei Kinder.

Die sehenswerte Sendung „37 Grad: Wenn Menschen depressiv werden“ finden Sie in der Mediathek des ZDF >>

Dass seine Frau so offen über das Leben mit ihm und der Krankheit spricht, beeindruckt Uwe Hauck nach wie vor. „Das ist nicht selbstverständlich.“ Zumal Angehörige von psychisch Kranken auch Gefahr laufen, selbst krank zu werden. Seine Kinder waren zeitweise in Behandlung, um zu lernen, damit umzugehen, dass ihr Vater sie durch Suizid verlassen wollte.

„Ich war teilweise ein ganz anderer Mensch. Die Kinder sind mir dann aus dem Weg gegangen, sie waren vorsichtig und haben ihr Leben um mich herum gelebt“, beschreibt Hauck die Auswirkungen seiner depressiven Episoden auf seine Familie. „Das war hart.“

Tricks zum Bekämpfen der Angststörung

Uwe Hauck hat sich seinen Weg ins Leben zurückgekämpft und es sieht nicht so aus, dass er sich jemals wieder in einer Situation wiederfinden wird, in der er Suizid begehen will. Obwohl er schon denkt: „Das ist ein tröstlicher Gedanke: Es ist ein Ausweg. Ich werde ihn nicht gehen, aber er ist da.“

Mittlerweile hat der Autor viele Strategien erlernt, die ihm im Alltag helfen. Ein Trick, wenn er eine Panikattacke bekommt: einen körperlichen Reiz auslösen, einen leichten Schmerz, aber ohne Verletzung.

Uwe Hauck beißt dann zum Beispiel auf eine Chilischote. Bei einer Panikattacke hat er keine Kontrolle mehr über sich, der brennende Schmerz im Mund bringt ihn in die Realität zurück, durchbricht seine panischen Gedanken. Hauck ist klar, dass seine Angststörung und seine Depression niemals ganz gehen werden. Doch nun weiß er, damit umzugehen.

Zusammenfassung

  • Eine schwere Depression führt zu einem Suizidversuch von Uwe Hauck. Über seine Krankheit und seine Zeit in der Psychiatrie hat er ein Buch geschrieben: „Depression abzugeben. Erfahrungen #ausderklapse“.
  • In seinem ehrlichen Buch räumt er mit Vorurteilen auf und beschreibt, wie die Gruppentherapie ihm geholfen hat. Wichtig war die Erkenntnis: „Ich bin nicht alleine mit der Krankheit.“
  • Depression und Suizid werden nach wie vor tabuisiert, Uwe Hauck will mit seinem Buch und in Vorträgen aufklären und helfen.
  • Die Rückkehr in den Alltag hat Uwe Hauck dank Familie, Therapie und dem richtigen Medikament geschafft. Über seinen Umgang mit der Krankheit im Alltag schreibt er gerade ein zweites Buch.

Hinweis: Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn sie selbst betroffen sind, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de/). Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos dort anrufen. Auf der Webseite von [U25] können sich Jugendliche jederzeit anonym beraten lassen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.


Was ist ein Trigger?

Ein Trigger ist ein Schlüsselreiz, eine instinktive Reaktion auf ein Ereignis. Dabei werden Erinnerungen an ein zurückliegendes Ereignis ausgelöst, der Betroffene erlebt die damaligen Gedanken und Gefühle erneut.

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