Umfrage unter Supermärkten Was passiert mit Lebensmitteln, die nicht verkauft werden?

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Was machen deutsche Supermärkte mit Obst und Gemüse, das nicht verkauft wird? Wir haben nachgefragt. Symbolfoto: dpaWas machen deutsche Supermärkte mit Obst und Gemüse, das nicht verkauft wird? Wir haben nachgefragt. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Das Angebot an frischer Nahrung ist in vielen deutschen Supermärkten überwältigend. Doch was passiert mit den Lebensmitteln, die nicht verkauft werden? Wir haben bei großen deutschen Supermärkten nachgefragt, wie sie mit nicht verkauftem Obst und Gemüse umgehen.

Laut der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) wird in Deutschland rund ein Drittel der verbrauchten Lebensmittel ungenutzt verschwendet – jährlich sind das etwa 18 Millionen Tonnen. „Umgerechnet sind alle Nahrungsmittel, die wir in den ersten vier Monaten von 2017 produziert haben, auf dem Müll gelandet“, sagt Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin für Landwirtschaft.

Supermärkte tragen einen Teil zu dieser Verschwendung bei. Laut einer Studie der Universität Stuttgart entfallen fünf Prozent der verschwendeten Lebensmittel auf den Handel – den Rest teilen sich Haushalte, Industrie und Großverbraucher.

Viele Supermarkt-Ketten haben es sich mittlerweile zum Ziel gesetzt, der Verschwendung Einhalt zu gebieten. Wir haben nachgefragt, was sie dafür tun.

Kaufland: Bei Kaufland ist man bemüht, durch Erfahrung und technische Systeme die Waren gezielt zu disponieren. „Zudem überprüfen unsere Mitarbeiter laufend die Haltbarkeitsdaten aller Lebensmittel“, sagt Kaufland-Sprecherin Christine Axtmann. Bereits vor Erreichen des Haltbarkeitsdatums würden Artikel günstiger verkauft oder Tafeln zur Verfügung gestellt. An immer mehr Standorten arbeite Kaufland zudem mit der Initiative „foodsharing“ zusammen. „Tatsächlich entsorgt werden lediglich Waren, die beschädigt oder verdorben und für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind“, so Axtmann.

Rewe und Penny: Nach eigenen Angaben verkauft die Rewegroup in den Supermärkten und den Discountfilialen Penny bis zu 99 Prozent ihrer Lebensmittel. „Das Gros des verbleibenden Prozents stellt die Rewe kostenlos den lokalen Tafeln zur Verfügung“, teilt Rewe-Sprecher Marco Sandner mit. Das gelte für Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber bedenkenlos verzehrt werden können. Prognosesysteme – teilweise unter Berücksichtigung der Wettervorhersage – automatisierte Bestellverfahren und kaufmännische Erfahrung würden für eine bedarfsgerechte Versorgung der Märkte sorgen. „Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum in wenigen Tagen erreichen, werden bis zu 30 Prozent reduziert angeboten.“

Edeka: Bei der Regionalgesellschaft Minden-Hannover, die auch die Edeka-Märkte in Osnabrück betreut, wird der wirtschaftliche Verlust durch Lebensmittelverschwendung betont. „Wir investieren in moderne Warenwirtschaftssysteme, die dazu beitragen, ein Überangebot zu vermeiden“, sagt Alexandra Antonatus, Sprecherin von Edeka Minden-Hannover. Effiziente Lager, optimierte Logistik und die Erfahrung der Kaufleute, die Nachfrage abzuschätzen, sollen dazu beitragen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden. „Waren, die den optischen Erwartungen der Verbraucher weniger entsprechen, qualitativ aber einwandfrei sind, werden in Märkten für frisch zubereitete Produkte verwendet“, so Antonatus. Auch Edeka spendet Lebensmittel an die bundesweit rund 900 Tafel-Initiativen.

Aldi- Nord: Aldi setzt ebenfalls auf bedarfsgerechte Warendisposition und Logistik – sowie nach eigenen Angaben mit rund 1.200 Artikeln im Standardsortiment auf ein „konzentriertes Angebot“. „Für unsere Kunden bedeutet dies, dass sie in der Regel nur einige ausgewählte Varianten eines Produkts in unseren Filialen finden“, sagt Aldi-Nord-Sprecherin Verena Lissek. „Dieses Geschäftsprinzip hat einen hohen Warenumschlag und eine kontinuierliche Frische unseres Angebots zur Folge.“ In Deutschland bietet Aldi frische Fleisch- und Fischprodukte kurz vor Ablauf des Verbrauchsdatums zu reduzierten Preisen an. Nicht mehr verkaufs- aber noch verzehrfähige Lebensmittel werden an gemeinnützige Organisationen und Tafeln gespendet. „2016 spendeten 99,1 Prozent unserer Filialen in Deutschland Lebensmittel“, so Lissek.

Lidl: Die Haltbarkeitsdaten der Produkte werden bei Lidl laut Angaben des Unternehmens täglich geprüft. „In einem festgelegten Zeitraum vor Erreichen des jeweiligen Haltbarkeitsdatums bieten wir die Artikel zu einem reduzierten Preis an“, sagte Lidl-Sprecherin Diana Zvicer-Senolan. Ebenso arbeitet Lidl mit den Tafeln zusammen und stellt noch verzehrfähige Ware zur Verfügung. „Mittels dieser Vorgehensweise sowie auf der Basis sehr guter Kalkulationen für den Warenbestand und den Abverkauf können wir größtenteils ausschließen, dass abgelaufene Ware übrig bleibt.“

Netto: Für Netto ist es „im Sinne einer optimalen Kundenzufriedenheit unser Ziel, die Nachfrage nach frischem Obst und Gemüse bedienen zu können und eine entsprechende Verfügbarkeit sicherzustellen“, teilt Netto-Sprecherin Stefanie Adler mit. Die Bestellungen der Filialen würden sich am täglichen Bedarf orientieren, sodass das tägliche Warenangebot in den Filialen „bedarfsgerecht bis in die Abendstunden ist“. Artikel wie Radieschen oder Kopfsalat würden zudem im gleichen Tag ausverkauft. „Nicht verkaufte, noch haltbare Lebensmittel leiten wir an Tafeln weiter“, so Adler. „Auf diese Weise unterstützen wir bereits seit vielen Jahren Bedürftige.“

Ausgefeilte Logistik, eine Preis-Reduzierung der Produkte, die das Haltbarkeitsdatum fast erreicht haben, sowie Zusammenarbeit mit den Tafeln sind also in erster Linie die Mittel, mit denen deutsche Supermarktketten versuchen, Nahrungs-Verschwendung zu vermeiden.

Viele der Ketten betonen aber auch die Verantwortung der Verbraucher. „So kann ein gut geplanter Einkauf dazu beitragen, die Wegwerfquote von Lebensmitteln zu verringern“, sagt Rewe-Sprecher Marco Sandner. Das sieht man auch bei Aldi-Nord so: „Wir wollen einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln fördern“, sagt Sprecherin Verena Lissek. Die Studie über Lebensmittel-Verschwendung der Uni Stuttgart gibt ihnen recht. Aus ihr geht hervor, dass 60 Prozent alle verschwendeten Lebensmittel in den Haushalten weggeworfen werden. Wer also der Lebensmittel-Verschwendung Einhalt gebieten will, muss mit dem eigenen Einkaufswagen und am eigenen Kühlschrank anfangen.


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