Kinderspiel Captain Silver Fingerübung für angehende Piraten

Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2017: das Fühlspiel Captain Silver. Foto: Queen GamesNominiert für das Kinderspiel des Jahres 2017: das Fühlspiel Captain Silver. Foto: Queen Games

Piraten und Fingerspitzengefühl? Diese raubeinigen raffgierigen Gesellen? Nun, bei „Captain Silver“ (Verlag: Queen Games) von Wolfgang Dirscherl und Manfred Reindl brauchen sie es. Denn nur, wer die richtigen Gegenstände in seinem Sack erfühlt, erhält Gold und darf mit seinem Schiff zur lukrativen Schatzinsel fahren.

So geht’s: Jeder Spieler enthält einen Piratensack mit acht unterschiedlich geformten Plättchen seiner Spielfarbe, jeweils in zweifacher Ausführung. Die Plättchen müssen nun alle Spieler gleichzeitig erfühlen. Welche Gegenstände gerade gefordert sind, zeigen die Meeresfelder auf dem Spielplan. Dieser ist – ausgehend von vier Inseln – in vier Reihen gegliedert. In jeder Reihe befinden sich acht Felder, auf denen jeweils ein Gegenstand und eine Belohnung abgebildet sind. Als erstes dürfen pro Reihe nur die jeweiligen Felder direkt an einer der vier Inseln belegt werden, anschließend immer das nächste freie Feld.

Im ersten Spielabschnitt geht es nur ums Fühlen. Wer meint, einen der vier aktuell geforderten Gegenstände in seinem Sack ertastet zu haben, zieht ihn heraus. Kann er ihn an irgendeine Reihe anlegen, tut er das und fühlt flugs nach dem nächsten Gegenstand. Passt das Plättchen nicht oder war ein Mitspieler schneller beim Ablegen, legt er es auf die Vulkaninsel. Für jedes dort liegende Plättchen droht am Rundenende Goldverlust.

Eine Runde endet, wenn eine Reihe komplett mit Plättchen belegt ist. Dann wird ausgewertet. Jeder Spieler erhält die Belohnung, die unter seinem korrekt abgelegten Plättchen abgebildet ist. Das kann Gold sein, aber auch Schiffsbewegungen. Denn jeder Spieler steuert auch ein Schiff auf einem abgegrenzten Rundkurs um eine Schatzinsel. Kommt er an dem Landungssteg vorbei, so darf er sich aus den verdeckten Schatzkistenkärtchen die wertvollste heraussuchen und vor sich ablegen.

Nach eventuellen Strafzahlungen für falsch gezogene Gegenstände startet die nächste Runde; nach der dritten wird abgerechnet. Wer inklusive der Schatzkarten am meisten Gold gehortet hat, ist der Gewinner. Der Raffgierigste siegt – also doch ein typisches Piratenspiel!

Spielwert: „Captain Silver“ verströmt eine seltene Leichtigkeit. Die drei Phasen Fühlen, Auswertung, Strafzahlung greifen perfekt ineinander. Die farbenfrohe Grafik zieht in das Thema hinein. Dass man die gezogenen Gegenstände ins Meer ablegen muss, mag zwar thematisch nicht der beste Kniff sein, trübt aber den Spielspaß nicht.

Und dieser geht auch nach etlichen Runden nicht verloren. Diesen Umstand unterstützen die vier beidseitig bedruckten Spielplanteile, die in jeglicher Reihenfolge aneinandergepuzzelt werden können. Schade nur, dass im Testexemplar die Elemente nicht auf beiden Seiten gleich gut ineinanderpassen.

Das Kernelement, das Fühlen, erfordert zwar ein wenig Talent, aber mit Übung verbessern sich auch hier die Ergebnisse. Erwachsene oder ältere Kinder haben zudem kaum einen Vorteil gegenüber der Kernzielgruppe. Und wenn, lässt sich dieser durch Hausregeln leicht wettmachen. Hervorzuheben sind außerdem die sehr schön greifbaren Gegenstände, die auch nach häufigem Gebrauch noch keine Abnutzungserscheinungen aufweisen.

Captain Silver ist nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2017.

Würfelnote: 5 (sehr gut)

Captain Silver von Wolfgang Dirscherl & Manfred Reindl ist für 2 bis 4 Spieler ab sechs Jahren und kostet etwa 20 Euro.

Weitere Spielekritiken finden Sie auf der Spielekenner-Themenseite.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN