Gemüse züchten auch ohne Garten „Indoor Gardening“: Nutzpflanzen ziehen in den eigenen vier Wänden


Osnabrück. Kein eigener Garten, und trotzdem Lust auf frisches, selbstgezüchtetes Gemüse? Der Trend „Indoor Gardening“ schafft Abhilfe. Besonders Großstädter, Rentner oder Studenten ohne Garten kommen dabei auf ihre Kosten.

Egal ob im Salat, auf Brot oder im Smoothie – Silvia Appel liebt Sprossen. Und wenn sie Lust auf das knackig-frische Gemüse hat, erntet die Würzburgerin einfach ein paar Handvoll von ihrer Fensterbank. Jederzeit, 356 Tage im Jahr.

Appel ist Garten-Bloggerin und hat ein Buch zum Thema „Indoor Gardening“ geschrieben (siehe „Zur Sache“). Unter dem Begriff versteht sie die Zucht von Nutzpflanzen im Haus. Kräuter und Salate, aber auch Tomaten oder Paprika lassen sich nämlich auch in den eigenen vier Wänden anbauen.

Den Garten in die Wohnung holen

Auf die Idee kam Appel selbst, als sie nach einem langen Sommer das Ende der Gartensaison bedauerte. „Ich dachte: Es wäre doch schön, den Garten für den Winter einfach in die Wohnung zu holen“, erinnert sie sich. Mit ihrem Wissen aus dem elterlichen Nutzgarten und etwas Internet-Recherche entwickelte sie daraufhin viele Ideen, um Basilikum und Co. auch in der Stadtwohnung aufzuziehen.

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Entscheidend dafür ist vor allem das Licht. Petersilie und Schnittlauch wachsen auch auf einer hellen Fensterbank, sagt Appel. Aber Paprika oder Tomaten müssen zusätzlich beleuchtet werden, um zu keimen und Früchte zu tragen. Sie zimmerte sich deshalb Pflanzenregale mit LED-Strahlern aus Baumarkt-Materialien zusammen. Und wenig später erntete sie das erste Gemüse in den eigenen vier Wänden.

Viele Unternehmen arbeiten an dem Trend

Wer nicht selbst zu Hammer und Säge greifen will, für den gibt es zahlreiche Komplett-Sets für das Indoor Gardening zu kaufen. Unternehmen wie Plantui aus Finnland oder SproutsIQ aus den USA bieten Systemlösungen mit Samenkapseln, intelligenter Bewässerung und optimaler Beleuchtung an. Damit sollen die Pflanzen mit minimalem Aufwand und ohne Erde in jeder Küche wachsen. Allerdings sind die Systeme relativ teuer.

Eine günstigere Alternative gibt es bei IKEA. Der schwedische Möbelkonzern hat seine Indoor Garden Linie „Växer“ in Zusammenarbeit mit der Universität für Agrarwissenschaften in Uppsala entwickelt und im Sommer 2016 auf den Markt gebracht. Für rund 80 Euro kann man sich alle Bauteile zusammenstellen und mit dem Gärtnern loslegen. Gartenexperten bewerten das System sehr positiv.

Zwei deutsche Start-ups gehen in der Entwicklung noch weiter: Das Team von Agrilution aus München arbeitet an einem Kubus mit Pflanzschubladen, Bewässerung und Belichtung, der sich als festes Element in Einbauküchen integrieren lässt – eine Art Kühlschrank mit optimalen Bedingungen für das Indoor Gardening. Die Berliner von Infarm arbeiten mit Hotels, Restaurants und Supermärkten zusammen und installieren kleine Gewächshäuser mit Hydrokulturen direkt in den Großküchen und Verkaufsräumen.

Der Gärtner entscheidet: Hydrokultur oder Blumentopf?

Bloggerin Silvia Appel bleibt in ihrem Heimgarten lieber beim klassischen Blumentopf. Die hoch technisierten Fertigsysteme passen nicht zu ihrer Philosophie: „Gärtnern – auch im Haus – hat für mich auch immer etwas Ursprüngliches. Das Hantieren mit Erde und Samen ist für mich ein Lebensgefühl.“ Beim Indoor Gardening können das auch Großstädter ohne Garten spüren – genau wie Studenten mit kleinem Geldbeutel oder Senioren, die nicht mehr so mobil sind. Allen, die es einmal ausprobieren möchten, empfiehlt Appel ihre geliebten Sprossen: „Die sind extrem simpel, man muss sie nur einmal am Tag mit Wasser abspülen. Das sollte wirklich jedem gelingen.“

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Buchtipp Indoor Gardening

Das Buch „Indoor Gardening – Kreativ gärtnern und ernten das ganze Jahr“ von Garten-Bloggerin und Autorin Silvia Appel ist im April 2016 im Verlag Edition Michael Fischer erschienen und kostet 14,99 Euro.

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