Was ist ein Trigger? Psychische Erkrankung: Warnsignale erkennen und helfen

Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ wird aufgrund des Umgangs mit dem Thema Selbstmord stark kritisiert. Der Verein „Freunde fürs Leben“ setzt sich für eine öffentliche Diskussion über das Thema Suizid ein und erklärt, wie man psychisch kranken Menschen helfen kann. Foto: Victoria Bonn-Meuser/dpaDie Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ wird aufgrund des Umgangs mit dem Thema Selbstmord stark kritisiert. Der Verein „Freunde fürs Leben“ setzt sich für eine öffentliche Diskussion über das Thema Suizid ein und erklärt, wie man psychisch kranken Menschen helfen kann. Foto: Victoria Bonn-Meuser/dpa

Osnabrück. Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ wird aufgrund des Umgangs mit dem Thema Selbstmord stark kritisiert. Der Verein „Freunde fürs Leben“ setzt sich für eine öffentliche Diskussion über das Thema Suizid ein und erklärt, wie man psychisch kranken Menschen helfen kann.

In der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ nimmt sich eine Schülerin das Leben und gibt einigen ihrer Mitschüler die Schuld daran. Aufgrund der drastisch dargestellten Szene, in der sich Hannah das Leben nimmt, und dem Umgang mit dem Thema Selbstmord, warnen einige Organisationen und Gesundheitsbehörden Jugendliche davor, sich die Serie anzusehen. (Weiterlesen: Tote Mädchen lügen nicht: Warum die Netflix-Serie gefährlich ist)

Auch auf der Facebookseite der Neuen Osnabrücker Zeitung wird über die Serie diskutiert. Dabei fällt auf, dass sich viele nicht vorstellen können, wie eine Serie psychisch kranke Menschen in ein Gefühlschaos stürzen kann. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Florian Schmiedler vom Verein „Freunde fürs Leben“ was genau ein Trigger ist, wie man erkennen kann, ob jemand psychisch erkrankt ist, und wie man demjenigen helfen kann. (Weiterlesen: Können onlinebasierte Programme bei Depressionen helfen?)

Was ist ein Trigger?

Ein Trigger ist ein Schlüsselreiz, eine instinktive Reaktion auf ein Ereignis. Dabei werden Erinnerungen an ein zurückliegendes Ereignis ausgelöst, der Betroffene erlebt die damaligen Gedanken und Gefühle erneut. Ein Schlüsselreiz kann zum Beispiel die Szene sein, in der die Schülerin in der Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ Suizid begeht.

Diese Szene soll den Zuschauern vermitteln, was Hannah durchmacht. Im Making-of zu „Tote Mädchen lügen nicht“ wird von den Produzenten erklärt, dass sie das Thema Selbsttötung nicht verschweigen wollen. Doch bei Menschen, die an einer Depression leiden und an Suizid denken, hat diese Szene und der Umgang mit dem Thema eine starke Wirkung, erklärt Florian Schmiedler. Sie identifizieren sich mit der Schülerin und ihre eigene Gedankenwelt wird dadurch bestätigt. Hannahs Probleme werden als unlösbar dargestellt, ihre Versuche, sich Hilfe zu suchen, scheitern und die Belastung bringt sie letztlich dazu, sich das Leben zu nehmen.

In der Serie fehlt die Hoffnung, dass jemandem in so einer Situation wie Hannahs geholfen werden kann: Es gibt zahlreiche Hilfsangebote und psychische Erkrankungen sind gut behandelbar, betont Schmiedler. Daher verfolge der Verein „Freunde fürs Leben“ das Ziel, den Menschen Hoffnung zu geben, das Gefühl, dass sie nicht alleine sind, und dass es Lösungen für ihre Probleme gibt.

Wie sind psychische Erkrankungen erkennbar?

In einem gewissen Maß ist es möglich zu erkennen, ob jemand im eigenen Umfeld psychisch erkrankt ist, erklärt Florian Schmiedler. „80 Prozent kündigen ihren Suizid vorher an, in Andeutungen oder Nebensätzen“, so Schmiedler. (Weiterlesen: Woran ist eine Depression zu erkennen?)

Darüber hinaus kann man eine mögliche psychische Erkrankung an folgenden Veränderungen erkennen, heißt es auf der Webseite von „Freunde fürs Leben“:

  • bei starken Veränderungen seiner Essens- und Schlafgewohnheiten
  • wenn sich jemand plötzlich nichts mehr aus lieb gewonnen Dingen macht
  • wenn sich jemand von seinen Freunden abkapselt
  • wenn jemand nach der Trennung von einem geliebten Menschen in tiefe, nicht enden wollende Depressionen verfällt
  • bei plötzlicher Verschlechterung der Schulnoten
  • bei allgemeiner Hoffnungslosigkeit und Selbsthass
  • bei ständiger Rastlosigkeit und Überaktivität

Wie kann man helfen?

Das Wichtigste ist, die kranke Person zu fragen, wie es ihr geht und ihr auch zuzuhören, erklärt Schmiedler. Ratschläge wie „Du musst Dich nur zusammenreißen, dann wird das schon wieder“ oder „Ich kenne das, ich bin auch mal traurig“ seien kontraproduktiv. Wichtig ist zu versuchen, die Gefühle des Betroffenen nachzuvollziehen, und ihn nicht zu verurteilen. Und anschließend mehrere Menschen dazu zu holen, um dem Betroffenen zu helfen: Freunde, Familienangehörige, den Hausarzt, Vertrauenslehrer in der Schule, Psychologen und Therapeuten, die Telefonseelsorge, den Krisendienst oder den sozialpsychiatrischen Dienst.

Wichtig ist auch, dass sich Angehörige und Freunde eines Betroffenen selber Hilfe suchen. Hinterbliebene fühlen sich häufig schuldig am Suizid. Für sie stellt der Selbstmord eines geliebten Menschen ein massives Trauma dar, was ebenfalls eine psychische Erkrankung auslösen und zum Suizid führen kann. Um das zu verhindern, gibt es ebenfalls Anlaufstellen, bei denen sich Angehörige Hilfe holen können, wie der Verein AGUS. (Schneller einen Termin bekommen: Was Patienten zur Sprechstunde bei Psychotherapeuten wissen müssen)

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins „Freunde fürs Leben“.

Hinweis: Bitte holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, wenn sie selbst betroffen sind, und kontaktieren Sie die Telefonseelsorge. Dort wird Ihnen kostenlose Hilfe angeboten. Hier geht es zu der Homepage der Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de/). Unter der Telefonnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222 können Sie dort auch kostenlos dort anrufen. Auf der Webseite von [U25] können sich Jugendliche jederzeit anonym beraten lassen. Eine Übersicht über weitere Beratungsstellen gibt es auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.


Der Verein Freunde fürs Leben setzt sich seit 16 Jahren für eine präventive Berichterstattung ein, die über Hintergründe der Suizidgefährdung, Warnsignale, Risikofaktoren und Hilfsangebote aufklärt. Freunde fürs Leben helfen, Suizide zu verhindern. Durch gezielte Informationsvermittlung über Warnsignale, Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten ist Suizidprävention möglich. Freunde und Familie werden zu Lebensrettern, wenn sie über die Problematik Bescheid wissen. Mit kreativen und jugendlichen Projekten und Kampagnen wollen Freunde fürs Leben mehr Akzeptanz für die Tabu-Themen Depression und Suizid erzeugen. Damit Depressionen besser erkannt und Hilfsangebote schneller genutzt werden.

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