Neue Regelung ab 1. April 2017 Was Patienten zur Sprechstunde bei Psychotherapeuten wissen müssen

Psychische Erkrankungen werden in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert, Betroffene scheuen sich davor, sich Hilfe zu suchen. Die neu eingeführte Sprechstunde bei Psychotherapeuten soll den Patienten den Zugang zu Hilfe und Beratung erleichtern. Foto: Marijan Murat/dpaPsychische Erkrankungen werden in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert, Betroffene scheuen sich davor, sich Hilfe zu suchen. Die neu eingeführte Sprechstunde bei Psychotherapeuten soll den Patienten den Zugang zu Hilfe und Beratung erleichtern. Foto: Marijan Murat/dpa

kan/pm Osnabrück. Psychische Erkrankungen werden in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert, Betroffene scheuen sich davor, sich Hilfe zu suchen. Die neu eingeführte Sprechstunde bei Psychotherapeuten soll den Patienten den Zugang zu Hilfe und Beratung erleichtern. Was Patienten dazu wissen müssen, haben wir zusammengefasst.

Ab dem 1. April 2017 können sich Menschen mit psychischen Beschwerden kurzfristig bei einem Psychotherapeuten beraten lassen. Dafür bieten Psychotherapeuten eine Sprechstunde an, die es bisher nicht gab. Ratsuchende können dadurch deutlich schneller als bislang einen ersten Termin erhalten. „Für Patienten sind die langen Wartezeiten auf ein erstes Gespräch bei einem Psychotherapeuten damit Vergangenheit“, erklärt Dietrich Munz, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). (Weiterlesen: Sprechstunde Psychotherapie: Kürzere Wartezeit für psychisch Kranke)

Wann sollte ich einen Termin zur Sprechstunde bei Psychotherapeuten vereinbaren?

Wer sich über mehrere Wochen oder Monate niedergeschlagen fühlt, wer einen Konflikt oder eine Krise bewältigen muss, die den Alltag übermäßig belastet, sollte die Sprechstunde beim Psychotherapeuten nutzen. Das rät die Bundespsychotherapeutenkammer. Der Psychotherapeut ist damit ein zeitnah erreichbarer Ansprechpartner für alle psychischen Beschwerden und Krankheiten, bei denen ein Patient selbst nicht mehr weiter weiß“, erklärt Dietrich Munz weiter.

Einen Termin bekommen die Patienten bei den Therapeuten ohne Überweisung vom Hausarzt. Auf den Webseiten der Therapeuten in der Nähe sind telefonische Sprechzeiten angegeben. Patienten können auch eine Nachricht mit Bitte um Rückruf auf dem Anrufbeantworter hinterlassen. Jeder gesetzlich Krankenversicherte kann sich in einer psychotherapeutischen Sprechstunde beraten lassen. Zum Gespräch sollte der Patient seine Versichertenkarte mitbringen. Ein Antrag bei der Krankenkasse ist nicht notwendig. (Weiterlesen: Können onlinebasierte Programme bei Depressionen helfen?)

Wie läuft die Sprechstunde ab?

In der Sprechstunde klärt der Patient mit dem Therapeuten, wie die psychischen Beschwerden einzuschätzen sind und was der Patient selbst tun kann, damit es ihm besser geht. Außerdem berät der Therapeut, welche weitere Beratung genutzt werden kann, ob eine Kurz- oder Langzeittherapie nötig ist und ob die Erwerbsfähigkeit gefährdet ist. Außerdem werden folgende Fragen geklärt:

  • Ist eine Überweisung in ein Krankenhaus ratsam?
  • Bin ich weiter arbeitsfähig?
  • Ist meine Erwerbsfähigkeit gefährdet?
  • Ist eine Einzel- oder Gruppentherapie besser für mich geeignet?
  • Benötige ich besonders schnell Hilfe und deshalb eine Akuttherapie?

Wie geht es danach weiter?

„Zeigt sich in einem Erstgespräch, dass eine Akutbehandlung empfehlenswert wäre, kann es sein, dass der Therapeut des Erstgesprächs selbst keine Kapazitäten für eine Akutbehandlung hat. Dann hilft die Terminservicestelle dabei, einen Therapeuten zu finden“, erklärt Roland Stahl, Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). In diesem Fall gibt es eine schriftliche Empfehlung vom Therapeuten des Erstgesprächs. Dazu bekommt der Patient einen Code, den er der Terminservicestelle nennen soll. Nach einer stationären Krankenhausbehandlung oder rehabilitativen Behandlung können Patienten auch ohne diese Empfehlung einen Termin für eine Akutbehandlung vermittelt bekommen.

Wie schnell bekomme ich einen Termin zur Akutbehandlung?

Innerhalb einer Woche sollen Patienten einen Termin für eine Akutbehandlung bekommen, allerdings muss dieser Termin nicht in dieser Woche liegen. Der Termin darf aber nicht später als vier Wochen sein, nachdem der Patient diesen angefragt hat. Sollte dieser Zeitraum nicht eingehalten werden können, muss die Terminservicestelle einen ambulanten Termin in einem Krankenhaus vermitteln. Dafür hat die Servicestelle eine Woche länger Zeit.

Kann ich mir den Therapeuten aussuchen, der mir vermittelt wird?

Nein, darauf haben die Patienten keinen Anspruch. Für die Entfernung zur vermittelten Praxis gelten bestimmte Regeln: Maximal 30 Minuten zusätzliche Fahrtzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Vergleich zur nächstgelegenen Praxis sind zumutbar. Diese maximale Entfernung gilt in der allgemeinen fachärztlichen Versorgung, zu der auch die Psychotherapeuten zählen, heißt es auf der Webseite der Bundespsychotherapeutenkammer.

Was passiert, wenn ich den vermittelten Termin nicht wahrnehmen kann?

Wichtig ist eine rechtzeitige Absage bei der Terminservicestelle. Das ist die Voraussetzung dafür, dass für den Patienten ein neuer Termin vermittelt werden kann.


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