In Frankreich Wegen Antiepileptikum: Tausende Kinder mit Missbildungen

Bis zu 4100 Kinder sind in Frankreich wegen des Antiepileptikums Valproat mit schweren Missbildungen auf die Welt gekommen. Foto:imago/westend61Bis zu 4100 Kinder sind in Frankreich wegen des Antiepileptikums Valproat mit schweren Missbildungen auf die Welt gekommen. Foto:imago/westend61

wam/ AFP Paris. Bis zu 4100 Kinder sind in Frankreich wegen des Antiepileptikums Valproat mit schweren Missbildungen auf die Welt gekommen. Zu diesem Ergebnis kommt die französische Arzneimittelaufsicht ANSM in einer ersten Schätzung.

Demnach haben Frauen, die während der Schwangerschaft Valproat zu sich nehmen, ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Kind mit schweren Missbildungen auf die Welt zu bringen. Untersucht wurden Geburten seit der Einführung des Medikaments Depakine mit dem Wirkstoff Valproat im Jahr 1967. Das vom französischen Pharmariesen Sanofi hergestellte Medikament wird gegen Epilepsie verschrieben und auch gegen bipolare Störungen eingesetzt. Die Opfer sollen aus einem Fonds entschädigt werden, der zunächst mit zehn Millionen Euro ausgestattet ist.

Gefahr von Missbildungen

Seit Anfang der 1980er Jahre ist die Gefahr von Missbildungen bei Babys bekannt. Betroffene Familien gehen in Frankreich mit juristischen Mitteln gegen Sanofi vor. Sie werfen dem Pharmakonzern vor, schwangere Frauen nicht hinreichend informiert zu haben. Seit 2015 darf Valproat Schwangeren oder Frauen in gebärfähigem Alter nur noch verschrieben werden, wenn andere Medikamente nicht anschlagen.

Mit Patientenkarte

Valproat wird auch in Deutschland verkauft. Künftig sollen valproathaltige Arzneimittel aber mit einer Patientenkarte vertrieben werden, ähnlich wie Gerinnungshemmer und Osteoporosemittel. Das plant das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Patientenkarte soll jeder Originalpackung beigefügt werden und mit dem Symbol der „Blauen Hand“ versehen sein. Ziel sei es, die Anwendungssicherheit valproathaltiger Arzneimittel im Hinblick auf die Risiken weiter zu verbessern, berichtet das Internetportal apotheke adhoc.Vor allem Schwangere, Frauen im gebärfähigen Alter und weibliche Jugendliche sollten so kontinuierlich über die Risiken für das Ungeborene informiert werden. Bis die Packungen umgestellt seien, sind die  Apotheker angehalten verstärkt zu den Risiken beraten, heißt es weiter.

Keine Zahlen

Wie die Bundesregierung im Januar in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Bundestag erklärte, liegen Zahlen zu möglichen Missbildungen wegen einer Einnahme des Medikaments während der Schwangerschaft für Deutschland nicht vor. Valproathaltige Arzneimittel seien in Deutschland in der Vergangenheit aber deutlich weniger häufig verschrieben worden als in Frankreich.


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