Schüler leiden unter Schlafmangel Wissenschaftler fordern späteren Beginn der Schule

Ein früher Schulbeginn ist nicht nur für Schüler ein Ärgernis, auch viele Wissenschaftler sind dagegen. Foto:Imago/ Westend61Ein früher Schulbeginn ist nicht nur für Schüler ein Ärgernis, auch viele Wissenschaftler sind dagegen. Foto:Imago/ Westend61

Osnabrück. Ein früher Schulbeginn ist nicht nur für Schüler ein Ärgernis, auch viele Wissenschaftler sind dagegen. US-Schlafforscher fordern, die Schule grundsätzlich erst nach 8.30 Uhr beginnen zu lassen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Jugendlichen nur so ausreichend Schlaf bekämen. Dies wirke sich dann auch positiv auf ihre Leistungen aus.

Für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren empfehlen die die Forscher der American Academy of Sleep Medicine (AASM) in der Fachzeitschrift „ Journal of Clinical Sleep Medicine“ eine regelmäßige Schlafzeit von acht bis zehn Stunden. Zahlen der U.S. Centers for Disease Control and Prevention zeigten, dass 68,4 Prozent der High - School – Schüler in den USA im Durchschnitt pro Nacht nur sieben Stunden oder sogar weniger schlafen.

Chronischer Schlafmangel

Häufig seien die frühen Schulzeiten schuld. Sie machten es für Jugendliche schwierig, genügend Schlaf zu erhalten. Die jungen Leute entwickelten dann oft einen chronischen Schlafmangel. Ausgeschlafene Schüler seien im Unterricht aber aufmerksamer und kämen seltener zu spät, stellen die Forscher fest. Sie zeigten nicht nur bessere Leistungen, sondern seien auch psychisch insgesamt gesünder als ihre Altersgenossen mit weniger Schlaf. Auf dem Schulweg seien diese Schüler außerdem seltener in Unfälle verwickelt.

Nach einer Aufzählung der AASM-Experten bringen spätere Startzeiten des Unterrichts folgende Vorteile:

  • Zusätzliche Schlafzeit
  • Weniger Schläfrigkeit während des Tages
  • Aktivere Teilnahme an Schulaktivitäten
  • Weniger Fehlzeiten
  • Verspätungen gehen zurück
  • Weniger Symptome von Depressionen
  • Verminderte Reizbarkeit
  • Schnellere Reaktionszeit

Auswirkungen von zu wenig Schlaf:

  • Schlechtere Schulleistungen
  • Gewichtszunahme
  • Metabolische (stoffwechselbedingte) Probleme und eine verschlechterte Gesundheit des Herzens
  • Depressionen und Selbstmordgedanken
  • Riskante Verhaltensweisen
  • Größere Verletzungsgefahr

Auch in Deutschland ist ein späterer Schulbeginn immer wieder Thema. Zuletzt hatte sich Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig für eine Verschiebung ausgesprochen. Auch nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin Geert Mayer wirkt sich der frühe Schulbeginn negativ auf die schulischen Leistungen aus. In der Vorpubertät stelle sich die innere Uhr um und verschiebe sich oft nach hinten, sagte Mayer dem Focus. Ausreichend Schlaf sei aber für das Bewahren von Gedächtnisinhalten wichtig.


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