Tödliche Krankheit Meningitis: „Ich rate allen Eltern: Impfen Sie Ihre Kinder!“

„Ich rate allen Eltern: Impfen Sie Ihre Kinder!“, sagt Kinderarzt Professor Jürgen Wagner. Foto: colourbox.de„Ich rate allen Eltern: Impfen Sie Ihre Kinder!“, sagt Kinderarzt Professor Jürgen Wagner. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Wird ein an bakterieller Meningitis erkrankter Mensch nicht schnell behandelt, kann er Körperteile oder sogar sein Leben verlieren. Ein Kinderarzt erklärt, warum.

Jürgen Wagner ist Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Aachen.

Herr Professor Wagner, warum ist die bakterielle Meningitis so gefährlich?

Die durch Bakterien wie Meningokokken oder Pneumokokken übertragene Meningitis kann innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Allerdings nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Gelangen die Bakterien in die Blutbahn, kommt es zu einer Sepsis, landläufig auch Blutvergiftung genannt. Der septische Schock kann zum Kreislaufversagen und dieses dann zum Tod führen. (Lesen Sie auch: Was ist Meningitis und wie kann man sich schützen?)

Wie wird sie übertragen?

Zumeist durch eine Tröpfcheninfektion.

Wird eine bakterielle Meningitis nicht behandelt, kann sie innerhalb weniger Stunden zum Tod führen oder diverse Schäden bis zu Amputationen am Körper hinterlassen, so wie bei diesem Kind. Archivfoto: dpa

Zu welchen Schäden kann eine bakterielle Meningitis noch führen?

Es kann zu neurologischen Schäden wie Lähmungen und Taubheit kommen. Auch das Gehirn kann geschädigt werden. Bei einem septischen Schock werden die Gewebe und Organe immer schlechter durchblutet, so dass diese in ihrer Funktion schwer beeinträchtigt werden können. Manchen Kindern müssen leider deswegen Körperteile, beispielsweise Hand, Fuß oder Unterschenkel, amputiert werden.

Wie erkenne ich eine akute Meningitis bei Kindern?

Säuglinge und Kleinkinder entwickeln meist hohes Fieber, Kopfschmerzen und die typische Nackensteifheit. Einige übergeben sich auch. Zumeist reagieren sie mit Jammern, sind schläfrig oder gar bewusstseinsgetrübt. Bemerken Eltern diese Symptome, sollten sie sofort ins Krankenhaus fahren. Ein weiteres Warnzeichen sind dunkle Flecken auf der Haut, die durch Einblutungen verursacht werden. Treten diese Hautveränderungen auf, ist die Krankheit zumeist schon weiter vorangeschritten. (Weiterlesen: Der Morgen, an dem die kleine Jule nicht mehr aufwachte)

Ist die durch Viren ausgelöste Meningitis ähnlich gefährlich?

Nein, eine virale Meningitis verläuft nur selten ähnlich schwer. Trotzdem müssen auch hier Betroffene ärztlich überwacht werden.

Kann man diese Nackensteifheit feststellen? Babys können ja nicht sagen, was sie haben…

Auch deshalb ist die bakterielle Meningitis bei Säuglingen und Kleinkindern eine der gefürchtetsten Infektionen überhaupt. An Meningitis erkrankte Kinder sind häufig berührungsempfindlich; fängt das Kind bei Bewegungen oder Berührungen an zu weinen, sollten Eltern aufmerksam werden und schnell einen Arzt aufsuchen.

Wie wird den Kindern geholfen?

Bei einer bakteriellen Meningitis durch Antibiotika. Zumeist muss eine Punktion des Wirbelkanals durchgeführt werden, um das Nervenwasser zu untersuchen.

Hat sich die Häufigkeit von Meningitis im Laufe der Jahre verändert?

Ja. Einige der Kinder, die man heute auf Spielplätzen sieht, hätten vor 30 Jahren ein gewisses Alter wohl nicht erreicht. Noch in meiner Zeit als Assistenzarzt gab es zehn, fünfzehn Fälle pro Jahr. Nun sehe ich vielleicht noch einen pro Jahr.

Woran liegt das?

Einen großen Anteil am Verschwinden der Meningitis hat die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfung gegen Bakterien wie Meningokokken C oder Pneumokokken und Hämophilus influenzae. In Ländern ohne Impfprogramme jedoch ist die Sterblichkeit an Meningitis immer noch sehr hoch. Ich rate also allen Eltern: Impfen Sie Ihre Kinder!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN