Lebensmittelmetaphern Das ist doch alles Käse – oder?

Von Elke Schröder

Das ist doch alles Käse! Obgleich es so viele schmackhafte Käsesorten gibt, ist das Milchprodukt in der deutschen Umgangssprache ein beliebtes Synonym, um seine Geringschätzung zu äußern. Foto: colourbox. de/Alfred NesswethaDas ist doch alles Käse! Obgleich es so viele schmackhafte Käsesorten gibt, ist das Milchprodukt in der deutschen Umgangssprache ein beliebtes Synonym, um seine Geringschätzung zu äußern. Foto: colourbox. de/Alfred Nesswetha

Osnabrück. Was kann der Käse für den Unsinn, den Menschen verzapfen? Die deutsche Sprache geht ganz schön verächtlich mit unserem Essen um.

„Muss man sich wirklich über jeden Käse aufregen? Über Käsefüße vielleicht, aber über das, was dieser Dreikäsehoch in diesem Käseblatt neulich gesagt hat? Nein. Mach doch bloß keinen Käse! Das war doch so ein Quark! - Was soll’s, mir ist das eh wurscht!“ Was kann der schmackhafte, zugegeben manchmal auch streng riechende Käse eigentlich dafür, dass er in der deutschen Umgangssprache für all den Unsinn, den Menschen so täglich verzapfen, verantwortlich gemacht wird?

„Willst du gelten, mach dich selten“

Seine Hersteller haben offenbar einst eine andere Redewendung nicht beherzig: „Willst du gelten, mach dich selten.“ Denn Sprachwissenschaftler erklären sich den historischen Ursprung des verächtlichen Untertons aus dem Umstand, dass der Käse auf dem Land einfach herzustellen und somit ein relativ billiges Lebensmittel war. Mehr brauchte es also nicht, um seinen Wert sprachlich mehr oder weniger unbewusst ins Bodenlose stürzen zu lassen.

Der in Rom geborene Autor und Übersetzer Daniele Dell’Agli stellte bereits 2006 in einem Feature für das Deutschlandradio Berlin auf Basis seines Essays „Alles Käse? Eh Wurscht! – Zur gastrosophischen Idiomatik des Deutschen“ ferner fest, dass das Essen insbesondere in der deutschen Sprache überwiegend als Metapher benutzt wird, um Verachtung und Geringschätzung über etwas oder jemanden zu äußern. Sein Essay wurde mittlerweile in dem Buch „Essen als ob nicht – Gastrosophische Modelle“ (edition suhrkamp) veröffentlicht.

Fast alle deutschen Lebensmittel-Redewendungen negativ konnotiert

Fast alle deutschen Redewendungen, die aufs Essen verwiesen, entwerteten es demnach verbal. Weder im Italienischen oder Französischen noch in anderen europäischen Sprachen sei Ähnliches üblich. Und dann bekommt der Käse nicht nur wegen seines Geruchs, sondern auch wegen seines Aussehens sein Fett ab: Denn wer an Käse denke, dem käme meist eine breiige, farb- und geschmacklose Masse von gummiger Konsistenz in den Sinn – da ist der Schritt zum käsigen Gesichtsausdruck auch nicht mehr weit.

Apropos Fett: Das dient im Deutschen gern als Ausdruck einer Bestrafung. Doch wollen wir hier bloß nicht alles in einen Topf werfen, sonst wird die sprachliche Suppe noch trüber. Man muss seinen Senf auch nicht überall dazugeben.