Wissenschaftler forschen zu Fortpflanzung Warum sind Kakerlaken Überlebenskünstler?

Von Susanne Steffen

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Kakerlaken gelten als beinahe unausrottbar, selbst einen Atomkrieg sollen die Insekten angeblich überleben. Ein Team der Hokkaido-Universität hat jetzt herausgefunden, wie diese Tiere es geschafft haben könnten, seit Jahrmillionen große Teile der Erde zu bevölkern. Foto: Vinai Dithajohn / dpaKakerlaken gelten als beinahe unausrottbar, selbst einen Atomkrieg sollen die Insekten angeblich überleben. Ein Team der Hokkaido-Universität hat jetzt herausgefunden, wie diese Tiere es geschafft haben könnten, seit Jahrmillionen große Teile der Erde zu bevölkern. Foto: Vinai Dithajohn / dpa

Kakerlaken gelten als beinahe unausrottbar, selbst einen Atomkrieg sollen die Insekten angeblich überleben. Ein Team der Hokkaido-Universität hat jetzt herausgefunden, wie diese Tiere es geschafft haben könnten, seit Jahrmillionen große Teile der Erde zu bevölkern.

Dass sich Kakerlaken – ähnlich wie Ameisen und andere Insekten auch – in Notsituationen asexuell fortpflanzen können, ist seit Längerem bekannt. Doch über die genauen Bedingungen, unter denen dieser Mechanismus die übliche sexuelle Fortpflanzung ersetzt, ist bislang kaum geforscht worden.

Drei Weibchen reichen aus, um Kakerlaken-Nachwuchs zu erzeugen. Um eine ganze Kakerlakenkolonie über Jahre hinweg am Leben zu erhalten, sind gerade einmal 15 Weibchen vonnöten. Männchen werden zum Arterhalt erst nötig, wenn in der Kolonie weniger als drei Weibchen leben. Dies hat ein Forschungsteam der Hokkaido-Universität jetzt herausgefunden.

Männchen sind nicht notwendig

Um herauszufinden, wann Kakerlaken ihre Fortpflanzung in den Notmodus umschalten, hielt das Team um Ko Kato weibliche Tiere in unterschiedlicher Menge in verschiedenen Plastikkästen und versorgte sie mit ausreichend Wasser und Futter. Zum Vergleich hielten die Forscher auch Pärchen von männlichen und weiblichen Kakerlaken unter den gleichen Bedingungen. Über zwei Monate hinweg untersuchten Kato und seine Kollegen, wie lange es in den unterschiedlichen Formationen dauerte, bis die Weibchen Eipakete bildeten.

Am schnellsten waren die Formationen mit mindestens drei Weibchen und keinem Männchen. Weder Formationen, bei denen die Männchen nicht fortpflanzungsfähig waren, noch solche, bei denen einzelnen Weibchen anhand des Botenstoffs Pheromon die Anwesenheit anderer Weibchen vorgegaukelt wurde, konnten bessere Ergebnisse erzielen. Nicht einmal ein einzeln gehaltenes Weibchen – theoretisch die ultimative Notsituation – war schneller bei der Eipaketbildung.

Überlebenschance ist entscheidend

Wenn den in Gruppen gehaltenen Weibchen allerdings ihre Antennen, mit denen sie riechen, tasten und Artgenossen erkennen, gestutzt wurden, wirkte sich dies negativ auf Eipaketbildung aus. „Unsere Studie zeigt, dass die Eipaketbildung angeregt wird, wenn ein Weibchen andere Weibchen mit ihren Antennen ertasten kann“, erklärte Kato vor wenigen Tagen in einer Pressekonferenz. Möglicherweise versuchten die Tiere durch diese Versicherung der Existenz anderer Weibchen sicherzustellen, dass ihre Nachkommen eine hohe Überlebenschance haben, schlussfolgerten die Wissenschaftler.

Fallen wirken nicht

Sie stellten ferner fest, dass die Eipaketbildung immer schneller voranschreitet, je mehr Weibchen in einer Kolonie leben. Ihren Berechnungen zufolge reichen bereits 15 Weibchen aus, um eine Kolonie auch ohne Männchen über mindestens drei Jahre hinweg aufrecht zu erhalten. Diese Erkenntnisse erklären auch, warum viele handelsübliche Kakerlakenfallen keine Wirkung zeigen. Oft enthalten solche Mittel nämlich Wirkstoffe, die weiblichen Pheromonen nachempfunden sind, um Männchen in die Falle zu locken.


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