Fragen und Antworten Potenzprobleme – das sollten Sie darüber wissen



Osnabrück. Erektionsstörungen sind für viele Männer ein absolutes Tabu-Thema. Doch jeder Mann leidet eigentlich darunter. Verständnis, Kommunikation und Medikamente können die Probleme abmildern. Fragen und Antworten zu einer Angelegenheit, für die sich viele Männer (zu Unrecht) schämen.

Wie werden Erektionsstörungen definiert?

„Wenn innerhalb von sechs Monaten drei Mal ein gewollter Verkehr aufgrund einer mangelnden Erektion nicht funktioniert“, sagt Wolfgang Bühmann, der wissenschaftliche Schriftleiter des Berufsverbandes der Deutschen Urologen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Damit muss dieser Zustand von dem Begriff „Impotenz“ getrennt werden, der die körperliche Unfähigkeit beschreibt, Sex zu haben.

Wie viele Männer leiden an Erektionsproblemen?

Das hängt nach Auskunft des Urologens vom Alter ab. Zwischen 30 bis 35 Jahren sind es laut einer Studie aus Köln circa vier bis fünf Prozent der Männer. Ab dem 50. Lebensjahr sind dagegen schon 20 Prozent von Erektionsstörungen betroffen. Ab 70 Jahren ist es dann die Hälfte der Männer, bei denen der Sex oftmals nicht klappt. Diese Zahlen seien laut Bühmann aber vermutlich allesamt geschönt, da die Schwelle für viele Männer, Erektionsstörungen zuzugeben, recht hoch liegt. „Aus meiner 30-jährigen Berufserfahrung kann ich sagen, dass alle Männer eine Erektionsstörung bekommen“, sagt Bühmann.

Warum bekommen alle Männer eine Erektionsstörung?

Das liege daran, dass das Penisgewebe mit dem Alter weniger elastisch wird. Das Blut, das für eine Erektion nötig ist, kann dann nicht mehr gehalten werden. Der Mann ist laut Bühmann biologisch nur für 40 Jahre gebaut – für die Erhaltung der Art. Deshalb lassen die Körperfunktionen ungefähr ab diesem Alter nach. Der Bauch wird dicker, die Haare dünner, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Und eben auch die Potenz. Ungeachtet der Tatsache, dass die Menschen mittlerweile deutlich älter werden als noch vor einigen Jahrzehnten. „Das ist im Prinzip kein Problem, solange der Mann keines draus macht“, so der Urologe. Wenn die Partnerin oder der Partner in etwa dasselbe Alter hat, dann lasse auch bei ihm oder ihr die Lust an der sexuellen Betätigung nach. „Die Sexualentwicklung verläuft bei beiden Geschlechtern in etwa parallel“, so der Urologe. Bei Altersunterschieden seien Krisen in diesem Bereich demgegenüber oftmals vorprogrammiert.

Welche Ursachen können sie abgesehen vom Altern haben?

Unter anderem Durchblutungsstörungen jeder Art sowie Herzerkrankungen. „Der Penis ist häufig das Thermometer für Herzprobleme“, erzählt Bühmann. Für eine Erektion benötige man einen Viertelliter Blut im Penis. Wenn das Herz zu schwach sei, diese Menge Blut in das Geschlechtsteil zu pumpen, dann sei es auch oftmals auch zu schwach für andere Dinge. Auch Diabetes und Bluthochdruck seien große Risikofaktoren für Erektionsprobleme. Verletzungen im Beckenbereich könnten ebenfalls dazu beitragen. (Weiterlesen: Oxytocin mit vielen Effekten? Vom Kuschel-Hormon zum Viagra-Ersatz)

Inwieweit haben Potenzmittel wie Viagra das Problem gelöst?

Durch Mittel wie Viagra werden die Folgen von Erektionsstörungen abgemildert. Die Erektion kann bei Einnahme der Tabletten verstärkt und verlängert werden – sofern man das überhaupt will. Die Mittel funktionieren nur, wenn der Mann Lust hat. Sie erzeugen keine Erektion, sondern verstärken sie nur, wenn man ohnehin eine bekäme. „Die Auswirkungen im Alter können dadurch schon eine ganze Zeit kompensiert werden“, sagt Wolfgang Bühmann. Wichtig sei es aber, mit der Partnerin oder dem Partner darüber zu sprechen, dass man potenzsteigernde Tabletten einnimmt. Andernfalls könnte es zu Missverständnissen kommen.

Treten bei den Tabletten Nebenwirkungen auf?

„Wenn ein Mann Radfahren bei einer fünfprozentigen Steigung körperlich schafft, dann kann er auch diese Medikamente nehmen“, betont der wissenschaftliche Schriftleiter des Berufsverbandes der Deutschen Urologen. Viagra und andere Mittel bereiten keine Probleme. Horrormeldungen, die immer mal wieder durch Boulevardmedien geistern, wonach Männer beim Sex mit Viagra gestorben sind, müssten relativiert werden. Diese Nachrichten bezogen sich laut Bühmann unter anderem auf Männer, die jahrelang keinen Geschlechtsverkehr hatten, weil sie schwer herzkrank waren. Sie seien dann nicht beim Sex gestorben, weil sie potenzsteigernde Tabletten genommen haben, sondern durch die Belastung während des Aktes. Viagra und Co. vertragen sich zudem nicht mit bestimmten Herztabletten. Ein gesunder Mann könne die Medikamente dagegen bedenkenlos einnehmen, so der Experte. Es könne höchstens sein, dass er nach Einnahme eine Wärme am Kopf oder das Gefühl einer verstopften Nase verspürt. Das seien aber alles vorübergehende Nebenwirkungen, die nicht bedrohlich sind. (Weiterlesen: US-Militär hilft Soldaten mit Viagra aus)

Was kann die Partnerin oder der Partner machen?

Vor allem sollte er oder sie Verständnis zeigen, wenn der Partner an Potenzproblemen leidet. Zudem gelte es, den Leistungsdruck abzubauen. „Männer denken häufig, sie müssten im Bett möglichst viel leisten“, sagt Bühmann. Miteinander zu reden sei das A und O in dieser Beziehung, auch über die Ängste, die Vorlieben und die eigenen Wünsche. Vielen Frauen sei zudem Zärtlichkeit wesentlich wichtiger als der reine Geschlechtsakt, zudem ist für sie der Penis keine unverzichtbare Voraussetzung für einen Orgasmus. Dementsprechend könnte man die Erektionsprobleme auch ganz lange Zeit kompensieren.


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